Erlkönige auf der Flucht

Erlkönige auf der Flucht Erlkönige auf der Flucht

Erlkönige auf der Flucht

— 22.04.2009

Der kalte Krieg

In der nordschwedischen Stadt Arjeplog nutzt Porsche zugefrorere Seen für Wintertests. Doch die Autotester fühlen sich von den Erlkönigjägern gestört. Der Streit zwischen Herstellern und Fotografen eskaliert.

Der Brief ist freundlich im Ton, aber knallhart in der Sache. "Sehr gern würden wir unsere Testaktivitäten in Arvidsjaur und Arjeplog weiterführen", schreibt die Porsche AG unter dem Zeichen EGQ/ KS, "aber wir müssen darauf hinweisen, dass wir keine andere Wahl haben, als andere Regionen für unsere Wintertests zu wählen, wenn sich die Situation nicht verbessert." Der Warnschuss ging an Bengt Urban Fransson, den Bürgermeister von Arjeplog. Der nordschwedische Ort ist schnell charakterisiert: 1947 Einwohner, ein Silbermuseum – und im Winter eine ganze Menge zugefrorener Seen.

Die zugefrorenen Seen sind perfekt für Wintertests

Viele Hersteller testen in Schweden und Finnland – mehr oder weniger öffentlich.

Autokonzerne wie Porsche, BMW oder Daimler nutzen diese Seen in Lappland für ihre Wintertests, sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Doch die Autotester fühlen sich gestört – von den Erlkönigjägern. "Unsere Testfahrer beschweren sich, dass Fotografen ihnen vor Geschäften, in Industriegebieten, auf öffentlichen Straßen und auf Tankstellen auflauern", beklagt sich Porsche in dem Brief. Am liebsten, so wird zwischen den Zeilen deutlich, hätten die Schwaben wohl ein komplettes Fotoverbot in der Öffentlichkeit – in einer Demokratie undenkbar.

Porsche droht mit Abwanderung nach China oder Russland

Porsches Klageschrift: "Unsere Testfahrer beschweren sich, dass Fotografen ihnen auflauern."

Im Norden Europas herrscht ein kalter Krieg zwischen Erlkönigjägern und Autoherstellern. Die Fotografen lauern auf Bilder von geheimen Prototypen, wie sie auch von AUTO BILD abgedruckt werden. Die Hersteller befürchten, dass die Kunden das jeweils aktuelle Modell nicht mehr kaufen, wenn für alle sichtbar bereits der Nachfolger getestet wird. Fotograf Andreas Conradt kann die Aufregung trotzdem nicht verstehen: "Gerade Porsche zeigt die Erlkönige sehr offen. Die fahren mit den Prototypen auf öffentlichen Straßen und parken vor dem Imbiss. Was soll der Bürgermeister denn machen?" Porsche-Sprecher Eckhard Eybl kontert: "Es ist schlimm, wenn sich die Testfahrer nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren können, sondern nur aufpassen müssen, dass sie nicht erwischt werden." Vielleicht wollen die Hersteller nur den Druck erhöhen: Nachdem Porsche und BMW in einem früheren Brief mit Abwanderung nach China oder Russland drohten, hatte Bürgermeister Fransson öffentlich aufgerufen, Erlkönigjäger bei den Herstellern zu verpetzen. "Leider", resümiert Porsche nun über diese Blockwart-Idee, "war dies nicht effektiv."

Autoren: R. Holtz, Alex Cohrs

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