Erlkönigjagd: Supersportwagen

Aufmarsch der Boliden Aufmarsch der Boliden

Erlkönigjagd: Supersportwagen

— 26.06.2002

Aufmarsch der Boliden

Technische Kompetenz demonstrieren Autohersteller gern mit Supersportwagen. Im Kampf der Konzerne sind PS und Hightech die modernen Waffen. Audi, BMW, Mercedes und Co im Revier von Ferrari.

Weiß-blaues Formel-1-Wissen für die Straße

Ausgesprochen positiv entwickelt sich BMW. Ex-Vorstandschef Prof. Joachim Milberg hat seinem Nachfolger Helmut Panke aber nicht nur tiefschwarze Bilanzen hinterlassen. Das Vermächtnis des eher bescheidenen Milberg könnte der Auftrag sein, dem Erzrivalen Mercedes noch näher zu rücken und zugleich den Abstand zu Audi zu vergrößern.

Wie das gelingen soll? Ganz einfach: mit der Konzentration auf das sportliche Image und einer entsprechend reizvollen Modellpalette. Bestes Mittel, die Marke noch stärker zum Strahlen zu bringen, ist einmal mehr das geheime Sportwagenprojekt ZX, das direkt auf das Formel-1-Wissen der Weiß-Blauen zurückgreift. Alarmstufe Rot ist da angesagt, wenn der Bayern-Flitzer seine ersten Testrunden dreht – meistens bei Dunkelheit, damit er nicht vor die Linse eines Erlkönigjägers fährt.

Die Linienführung des Mittelmotor-Coupés wirkt aggressiv, die schmale Niere ist nur noch sekundäres Erkennungsmerkmal. Karosserie, Fahrwerk und Bremsen bestehen aus den teuersten und leichtesten Materialien, die derzeit zur Verfügung stehen: Rahmen aus Kohlefaser-Werkstoff, Aluminium-Radaufhängungen sowie Magnesium-Felgen und Karbon-Bremsen sind bei diesem Boliden so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Kein Wunder, dass auf der Waage nur knapp 1500 Kilogramm zu Buche schlagen.

Den reizvollen Kontrast zur aerodynamisch ausgefeilten Hülle bildet ein spartanisch eingerichteter Innenraum. Zwar erfreuen auch hier Leder und gebürstetes Alu die Augen, doch Details wie elektrische Sitzverstellung, Einparkhilfe und ähnliche gewichtstreibende Helferlein müssen draußen bleiben.

Audi und Lambo – die neue Auto Union

Drin ist dagegen ein Triebwerk, das den beiden Insassen von hinten gehörig den Marsch bläst. Rund 550 PS mobilisiert der neu entwickelte V10-Motor aus 5,5 Liter Hubraum – genug für knapp 320 km/h Höchstgeschwindigkeit. Als potenzieller Nachfolger des Roadsters Z8 dürfte der legitime Erbe des unvergessenen M1 aber noch auf sich warten lassen. Vor 2005 braucht niemand sein Konto um 220.000 Euro zu plündern.

Auf die Spitze treiben will es auch Audi. Unter dem neuen Chef Dr. Martin Winterkorn reift ein Projekt, das unter Ferdinand Piëch zwar angeschoben wurde, aber irgendwann ins Stocken geriet. Mit dem RSR wollen die Ingolstädter nun Ende 2003 an den Nimbus der Rennerfolge zu Zeiten der Auto Union anknüpfen und sich endgültig im Kreis der Edelmarken etablieren. Zusammen mit Lamborghini entsteht deshalb ein Mittelmotor-Coupé, das in Neckarsulm produziert werden soll.

Mit dem RSR gemein hat es einen superleichten, aber zugleich hochstabilen Spaceframe-Rahmen, der genügend Freiraum für eine äußerliche Differenzierung lässt. Herzstück für beide ist ein neuer 5,0-l-V10 mit Vierventil-Technik in zwei Leistungsstufen: 420 PS für Audi, 500 PS für den kleinen Lamborghini. Weiterer Unterschied: Der heiße Italiener hat nur Saugrohr-Einspritzung, beim Audi kommt modernste Benzin-Direkteinspritzung zum Zug.

Das Fahrwerk übernimmt Audi fast unverändert von der Italo-Tochter, permanenter Allradantrieb bringt die Kraft sicher auf die Straße. Jeweils über 300 km/h Spitze sind Ehrensache. Beim Preis wollen die Ingolstädter nicht nur den Lambo unterbieten, sondern vor allem die Konkurrenz schocken: 130.000 Euro sind im Gespräch.

Aston Martin greift Porsche an

Eher die feine Kundschaft als die Konkurrenz von Aston Martin dürfte die Nase rümpfen, wenn sich die Nobelmarke mit dem DB5 in Gefilde begibt, die bislang Porsche vorbehalten waren. Auch nach dem Weggang von PAG-Chef Wolfgang Reitzle steht die Entwicklung nicht still. So legen die Engländer im Herbst 2004 ein Coupé auf, das mit etwa 360 PS genau nach Zuffenhausen zielt. Der Achtzylinder – eine Saugervariante des Jaguar XK8 – sitzt versetzt hinter der Vorderachse, was für eine optimale Gewichtsverteilung von 50:50 sorgen soll. Weil die Engländer ihrer Klientel keinen Verzicht auf traditionelle Verwöhn-Extras zumuten wollen, mussten sie an anderer Stelle abspecken. Der Alu-Karosserie des 2+2-Sitzer baut deshalb auf einem hochfesten, aber dennoch leichten Stahlrahmen. Avisierter Preis: 110.000 Euro.

Porsche bleibt da nur die Flucht nach vorn. Während sich immer mehr Hersteller im Revier der Zuffenhausener tummeln, setzt man auf eine dritte Baureihe – den Geländewagen Cayenne – und das fast serienreife Prestigemodell Carrera GT. Mindestens 600 PS – herausgekitzelt aus einem 5,5-l-V10-Saugmotor mit Benzin-Direkteinspritzung und variabler Ventilsteuerung – sollen den mit Renntechnik gespickten Mittelmotor-Sportler in weniger als vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultieren. Eindrucksvolle 350 km/h Spitze gehören zum guten Ton, und ein Preis von 320.000 Euro dürfte nur wenige Auserwählte ins Grübeln bringen.

Selektive Zuteilung könnte auch die Kundschaft von DaimlerChrysler düpieren. Vom SLR will Mercedes nämlich ab Frühjahr 2003 jährlich nur 500 Exemplare verteilen – zum Stückpreis von rund 400.000 Euro. Dafür bekommt man Technik vom Feinsten, garniert mit Luxus pur. In Worten: Der von der Formel-1-Schmiede McLaren entwickelte V8 mit 5,4 Liter Hubraum und Kompressor leistet 557 PS. Weil schon der SL 55 AMG auf Kundenwunsch bis zu 300 km/h schnell ist, erwarten die Käufer einen gehörigen Respektabstand bei den Fahrleistungen: 330 km/h Spitze sind für das trotz Leichtbau knapp zwei Tonnen schwere Coupé versprochen. Und: Einen Roadster wird es nicht geben.

Fords Neuauflage der Le-Mans-Legende

In der gleichen Liga könnte Ford ab 2004 mit der Neuauflage des GT40 mitspielen. Die Sportwagenlegende aus den sechziger Jahren – 1966 gewann die 1,10 Meter flache Flunder den 24-Stunden-Klassiker von Le Mans – fasziniert einerseits durch ihre Schlichtheit im Design, andererseits durch die geballte Ladung Power im Heck: Dort sitzt ein aufgeladenes 5,4-l-V8-Triebwerk mit rund 500 PS, die für exzellente Beschleunigung und deutlich über 300 km/h Endgeschwindigkeit gut sind.

Auch sonst gibt es Technik vom Feinsten: Alu-Spaceframe, Kohlefaser und Magnesium halten das Leergewicht bei athletischen 1400 Kilogramm. Im Gegensatz zum Urmodell stattet Ford den Zweisitzer mit Annehmlichkeiten wie Klimaautomatik und Navigationssystem aus. Voraussichtlicher Preis: 250.000 Euro.

In völlig abgehobenen Dimensionen bewegt sich dagegen der Bugatti EB 16.4 Veyron. Nachdem der 600 PS starke VW Nardo zugunsten des Audi RSR gekippt wurde, konzentrieren sich die Entwickler nun darauf, den Bugatti bis Herbst 2003 serienreif zu haben. Das erklärte Prestigeprojekt des ehemaligen VW-Konzernchefs Ferdinand Piëch liefert bereits jetzt den Stoff für eine automobile Legende.

Ein W16-Motor mit acht Liter Hubraum und 1001 PS markiert die absolute Spitze im Automobilbau. Klar, dass auf diese Weise auch die 400-km/h-Schallmauer durchbrochen wird. Und bei einer Beschleunigung von drei Sekunden für den Standardspurt müsste eigentlich ein Fahrertraining obligatorisch sein. Auch preislich ist der Veyron im Vergleich mit den anderen Supersportwagen eine Klasse für sich: eine Million Euro.

Die Starttermine der Boliden • Aston Martin: Herbst 2004 • Audi RSR: Ende 2003 • BMW ZX: Ende 2005 • Bugatti EB 16.4 Veyron: Herbst 2003 • Ford GT40: Mitte 2004 • Lamborghini: Herbst 2003 • Mercedes SLR: Frühjahr 2003 • Porsche Carrera GT: Mitte 2003.

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