Ersatzteile

Schlüssel weg – was nun? Schlüssel weg – was nun?

Ersatzteile

— 15.07.2004

Schlüssel weg – was nun?

Wer ein Auto mit Superschlüssel besitzt, sollte gut darauf achten. Ersatz wird teuer.

Moderne Schlüssel sind kleine Wunderwerke

Ende der 70er Jahre verlor mein Vater den Schlüssel unseres 230er-Mercedes am südfranzösischen Strand. Klar, ein neuer Schlüssel musste her. Den bekam er von einem kleinen Franzosen, der in seinem schmierigen Schlosserladen Mutters Zweitschlüssel kopierte. Dauer: fünf Minuten. Kosten: fünf Mark. Wer heute seinen Autoschlüssel verliert, zahlt für den neuen locker 80 Euro und mehr. Denn das Kopieren auf dem Hinterhof funktioniert nicht mehr.

Ist kein Zweitschlüssel zur Hand,zum Beispiel im Urlaub, muss der Wagen zusätzlich in die Werkstatt geschleppt werden. Hightech ist schuld. Aus dem Blechstück der 70er und 80er Jahre wurde im Laufe der vergangenen zehn, 15 Jahre ein kleines technisches Wunderwerk. Es kann nicht nur den Wagen öffnen und schließen, sondern speichert Daten über Auto und Fahrer.

Schließt etwa ein Porsche- Fahrer seinen 911er auf, erkennt das Auto sein Herrchen am Schlüssel und stellt ihm Fahrersitz und Außenspiegel passend ein. Bei BMW sind außer Fahrgestellnummer und aktuellem Kilometerstand auch Ausstattung, Motorisierung und ein Teil des Fehlerspeichers auf dem Schlüssel-Chip abgelegt.

Rollcode und biometrische Daten

Kernstück der neuen Wunderschlüssel ist der so genannte Transponderchip. Er prüft, ob Schlüssel und Auto zusammenpassen, gibt die Wegfahrsperre frei. Noch in den 90er Jahren konnten Autodiebe die Zugangscodes der Wegfahrsperre mit einer programmierbaren Infrarot-Fernbedienung auslesen, das Auto klauen. Heute werden die Signale per Funk übertragen, die Codes nach einem Zufallsprinzip verändert (Rollcode).

Mercedes sendet zudem auf zwei unterschiedlichen Frequenzen. Sicher ist sicher. Aus unserem Kummerkasten wissen wir, dass die moderne Schlüsseltechnik auch schwächelt. Bei einigen Autos steckt die Wegfahrsperre in der Multifunktionsanzeige. Versagt diese, steht das Auto wie angewurzelt. Der Wagen muss in die Werkstatt, die Anzeige getauscht, der Schlüssel neu angelernt werden. Kosten: einige hundert Euro.

Ab und zu geht auch der empfindliche Schlüssel selber kaputt. Reparieren geht dann nicht. Es muss ein neuer her. Wie weit die Technik heute schon geht, zeigt die Keyless-entry-Technik (auch Keyless-go genannt): "Einige Autos erkennen über Sensoren, wenn sich ein registrierter Schlüssel in der Nähe befindet. Berührt die Hand den Türgriff, öffnet die Zentralverriegelung", so Dr. Diedrich Baumgarten aus der VW-Elektronikentwicklung. Im zweiten Schritt gibt der Superschlüssel die Zündung frei, der Wagen kann auf Knopfdruck gestartet werden.

Geforscht wird zudem an Zugangskontrollen mit biometrischen Daten. So hat BMW in Prototypen Fingerabdruckscanner eingebaut. Und vielleicht heißt es schon bald: Schau mir in die Augen, Kleiner. Schließlich kann jeder Mensch eindeutig über die Iris seiner Augen identifiziert werden. Doch noch stecken in dieser Technik Tücken: "Beim Fingerabdruck stören schon kleine Staubteilchen", so Dr. Baumgarten. Wenn sich der Fahrer vor Reisebeginn in den Finger schneidet, bleibt der Wagen zu.

Nachschlüssel und Versicherungsschutz

Nachschlüssel anfertigen – so geht´s Die Hand greift ins Leere, der Schlüssel ist weg. Nach der Schrecksekunde sind einige Regeln zu beachten: 

• Bei Verdacht auf Diebstahl, die Polizei benachrichtigen. Einige Banden klauen Autoschlüssel, um die Elektronik zu umgehen. 

• Die Versicherung informieren. 

• In die Vertragswerkstatt fahren. Für die Schlüsselbestellung Fahrzeugpapiere, Personalausweis und, wenn möglich, die Schlüsselnummer mitnehmen. 

• Ist der Nachschlüssel beim Vertragshändler angekommen, muss das Auto in die Werkstatt. Dort werden alle Schlüssel auf die Wegfahrsperre programmiert. 

Ganz wichtig: Nie ohne Zweitschlüssel in den Urlaub fahren. Geht einer verloren, kommt man wenigstens problemlos wieder nach Hause.

Versicherungsschutz Nach Autodiebstählen verlangt die Versicherung alle Autoschlüssel – auch nachgemachte. Wer zu wenig liefert, macht sich verdächtig: Er könnte den Dieben geholfen, einen Versicherungsbetrug geplant haben. Deshalb: Geht ein Schlüssel verloren, sofort Polizei und Versicherung informieren. Auch die Existenz eines Nachschlüssels sollte der Halter der Versicherung melden oder die Quittung beim Fahrzeugbrief aufbewahren. Sonst gibt es bei einem späteren Diebstahl Probleme.

Sachverständige können anhand von Kratzern erkennen, ob das gute Stück kopiert wurde. Wichtig auch: Keine Namensschilder am Schlüssel befestigen. Sie sind wie eine Einladung zum Autodiebstahl. War doch ein Namensschild dran, sofort alle Schlösser auswechseln lassen, auch im Ausland. Sonst ist erst der Schlüssel und dann das Auto weg. Und die Versicherung zahlt nicht – wegen grober Fahrlässigkeit.´

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