Erste Ausfahrt im neuen Nissan Micra

Nissan Micra Nissan Micra

Erste Ausfahrt im neuen Nissan Micra

— 22.11.2002

"Mamma Mia, Micra!"

Kleiner Micra, große Stadt (Rom). Und eine süße Römerin (Francesca). Ob die beiden sich vertragen?

Radstand um sieben Zentimeter gewachsen

Rom ist ewig. Ewig verstopft. Ewig lärmend. Ewig chaotisch. Aber auch ewig schön. So wie seine Römerinnen. Studentin Francesca ist so eine "Splendida" (Hübsche), die zu gerne ihren handlichen Motor-Scooter mit dem neuen Nissan Micra tauscht. Zumindest für diese erste Probefahrt.

Ohne Räder läuft nichts in Rom. Am schnellsten sind die Motorroller. Akrobatisch balancieren sie durch die Autoschlangen nach vorn, wo Ampeln dann eher als nette Tendenz-Anzeigen gelten denn als Gebotszeichen. Wobei den ragazzi am Lenker nichts entgeht. Schon gar nicht Francesca mit dem neuen Micra. Beide ernten bewundernde Blicke, hochgestreckte Daumen, anerkennendes Lächeln.

Der ideale Stadtwagen also? Scheint so. Immerhin beansprucht er drei Zentimeter weniger Parkplatz als sein Vorgänger (Länge jetzt 371,5 cm, liegt also genau zwischen Lupo und Polo), dafür wuchs der Radstand um sieben Zentimeter, was voll den Insassen zugute kommt. Denn der Micra baut auf eine völlig neue Plattform, die demnächst auch der Konzernbruder Renault Clio bekommen soll.

Leiser Motor und präzise Fünfgangschaltung

Doch bevor Francesca die 88 PS der bella macchina (alle drei Benziner sind nagelneu, ein 65-PS-Renault-Diesel kommt im April 2003, ein zweiter, stärkerer im Herbst) anwerfen kann, ist schon eine längere istruzione notwendig. Der Testwagen mit Topausstattungs-Paket "tekna" und 88 PS enthält fast alle Extras, die Preislisten heute zu Lexikon-Formaten aufblasen.

Da wäre der "Intelligent Key", der Schlüssel, den sich Francesca ans Halsband hängen oder auch in der Handtasche tragen kann. Wo er dann auch bleibt. Denn wenn dessen drahtloser Transponder vom dazugehörigen Auto erkannt wird, genügt ein Antippen der Türtaste, klack sagt die serienmäßige Zentralverregelung: entrare prego, hereinspaziert. Dort, wo sonst das Zündschloss sitzt, startet ein kleiner Drehschalter bei getretenem Bremspedal den Motor. Dank verbesserter Aufhängungslager kaum hörbar im Leerlauf, summt der Vierventiler willig los, die präzise Fünfgangschaltung (Serie; Automatik für 80 und 88 PS plus 1200 Euro) passt auf Anhieb.

Später ist Francesca über die serienmäßige Servolenkung des Lobes voll. Dank elektrischer und tempoabhängiger Unterstützung zielt sie genau, sorgt für einen stadtfreundlich geringen Wendekreis von unter zehn Metern. So schafft Francesca jede Altstadt-Ecke (viel in Rom), jede Parklücke (wenig in Rom). Auf dem uralten Pflaster kann das Fahrwerk zeigen, wie verblüffend lautlos die an einem Hilfsrahmen befestigte Vorderachse sowie die Verbundlenker-Hinterachse alle Schläge wegstecken.

1,4-Liter-Benziner regelt bei 6500 brutal ab

Auch auf der autostrada wirkt der dreitürige Micra keineswegs mickrig. Vier schlanke Personen haben gut Platz, der Einstieg nach hinten (auch dort drei Dreipunktgurte) ist dank Memory-Funktion der Vordersitze kein Problem. Der 1,4-Liter dreht flott bis 6500, um dann aber etwas sehr brutal abzuregeln. Immerhin: Mit Spitze 172 sollte man sich von der polizia stradale nicht erwischen lassen. Dank serienmäßigem ABS mit Bremskraftverteilung und Bremsassistent ist man aber schnell wieder so langsam, wie es die Straßen-Polizei erlaubt.

Also: Stopp, Francesca, was bietet der Micro-Micra eigentlich nicht schon serienmäßig? Die junge Römerin empfiehlt, auf jeden Fall 400 Euro lockerzumachen. Dafür gibt es dann auch in der Basisversion "visia" den nur um die vordere Querachse per Ratsche höhenverstellbaren Fahrersitz mit Rückenstütze. Dazu die megapraktische, um 20 Zentimeter verschiebbare und asymmetrisch umklappbare Rückbank (vergrößert den Kofferraum von 237 auf 371 Liter) mit dritter Kopfstütze.

Nicht dass wir für römische Verhältnisse wären. Aber in der Ewigen Stadt sollte jeder Deutsche mal selber Auto gefahren sein. Dann würde er schnell merken, dass Aufmerksamkeit mehr zählt als meterweit verformbare Wagenschnauzen oder Airbag-Kissenburgen, dass das Mitdenken für die anderen jeden Bremsautomaten ersetzt – die Hupe allemal.

Preise und Technische Daten

So interessiert sich Francesca denn auch weniger für das erst ab September 2003 lieferbare ESP, die vier Airbags vorn (Fensterairbags vorn und hinten plus 200 Euro), die vorderen Gurtstraffer und -begrenzer. Die beiden Isofix-Kindersitzbefestigungen hinten wecken ihre Aufmerksamkeit. Denn für die bambini ist gerade das Beste gut genug. Auch das ist eine ewige Regel. Zum Glück auch bei uns.

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