Erste Ausfahrt im Seat Altea

Erste Ausfahrt im Seat Altea Erste Ausfahrt im Seat Altea

Erste Ausfahrt im Seat Altea

— 04.12.2003

Die Golf-Alte(a)native

Im Juni startet der Seat Altea. Der rassige Kompaktvan mit VW-Golf-Technik soll der spanischen Marke zu neuer Identität verhelfen.

Temperamentvoll wie Flamenco-Tänzerinnen

Wenn das so weitergeht, können die Seat-Leute aufatmen: Bei seinem ersten Auftritt unter freiem Himmel zog der Prototyp alle Blicke auf sich. Dem türkis schimmernden Meerwasser des Urlaubsortes Altea stahl er genauso die Show wie den spektakulären Felsformationen der Costa Blanca. Ohne sich zu bewegen, wirkte der feuerrot lackierte Seat auf der Strandpromenade so temperamentvoll wie eine Truppe Flamenco-Tänzerinnen.

Ein Auftritt, den Seat dringend nötig hat: Während andere VW-Marken wie Audi oder Skoda in den vergangenen Jahren immer wieder Verkaufsrekorde meldeten, mussten die Spanier kleinlaut Umsatzrückgänge eingestehen. Nicht einmal auf dem spanischen Heimatmarkt kann Seat die Konkurrenz richtig bei den Hörnern packen: Das meistverkaufte Auto in Spanien heißt Citroën Xsara.

Den Grund dafür kennt Konzern-Chef Bernd Pischetsrieder nur zu gut: Schon im Juli 2000, damals noch als Seat-Boss, beklagte er das unscharfe Markenprofil des spanischen Autoherstellers. Bei der Präsentation des neuen Ibiza (2001) gestand der Bayer, dass sich der alte Ibiza in der Vergangenheit oft nur über günstige Preise absetzen ließ. Und das, obwohl unter seinem Blechkleid die gleiche Technik steckte wie beim teureren VW Polo. Ähnliches galt für den Seat Leon und den technisch gleichen VW Golf IV. So kreierte Pischetsrieder das trotzige Motto: "Wir verkaufen in Zukunft lieber weniger Autos mit mehr Gewinn."

Auf der Suche nach dem exklusivem Image

Grundvoraussetzung dafür: ein exklusives Image. Doch daran mangelt es noch. Schließlich kann Seat, anders als etwa Skoda, auf keine ruhmreiche Tradition zurückblicken. Über die seit letztem Jahr geltende Konzernstruktur dürften die Spanier daher froh sein: Pischetsrieder steckte Seat unter dasselbe sportliche Dach wie Audi und Lamborghini – stolze Marken, von denen Seat profitieren kann wie Barcelona von den olympischen Spielen. Damit das auch rüberkommt, schneidert seit drei Jahren Ex-Alfa-Designer Walter de'Silva die spanischen Blechkleider. Und Ex-Audi-Mann Jürgen Albamonte sorgt für ebenso logische wie flotte Einrichtungsgegenstände.

Die technische Basis für den Altea liefert der VW Golf. Damit das niemand merkt, erfanden die Marketing-Leute für den Seat gleich ein neues Marktsegment: das der MSV, der Multi-Sport-Vehicles. Die Idee: ein sportliches Auto mit praktischen Van-Elementen. Letzteres soll das so genannte Monovolumen-Design unterstreichen, also ein Styling, bei dem Motor- und Fahrgastraum eine optische Einheit bilden. Man könnte, weniger plakativ, auch von Eiform sprechen.

Den sportlichen Charakter des Prototypen unterstreichen Details wie die in der C-Säule versteckten Griffe der hinteren Türen – eine witzige Idee, die Walter de'Silva schon beim Alfa 156 unterbrachte. Die der Großserien-Altea aber nicht erleben wird, anders als die in den A-Säulen versteckten Scheibenwischer. Seats neuartige Scheinwerfertechnik hat da eher eine Chance: Abblend- und Fernlicht nutzen dieselbe Lampe, nutzen aber je einen eigenen Spiegel. Ein Elektromotor bewegt eine Blende, die das Licht zum entsprechenden Spiegel schickt.

Modernes und Fahrer-orientiertes Cockpit

Von der Coupé-ähnlichen Einzelsitzanlage im Fond hat man sich dagegen schon verabschiedet. Wenn der Altea Mitte 2004 in Deutschland auf den Markt kommt, hat er eine umklappbare Rückbank wie jeder konventionelle Kompaktwagen. Auch andere kreative Ideen wie der Wasserspender in der Mittelkonsole haben nur geringe Chancen.

Das Cockpit wirkt dagegen sehr realistisch. Albamonte, der eine betont sportliche Linie fährt, dazu: "Der Zuschnitt ist sehr Fahrer-orientiert. Alle wichtigen Bedienelemente sind um den Fahrerplatz gruppiert." Operation gelungen: Die Einrichtung mit dem zentralen Drehzahlmesser wirkt pfiffig und sportlich – Nähe zum VW-Konzern lassen allenfalls die Bügel auf der Mittelkonsole erahnen.

Man sitzt sehr gut, hat das Lenkrad und die Bedienelemente bestens im Griff. So können sportliche Fahrgefühle aufkommen – und zwar ganz ohne die relative Enge, mit der man sich im Audi A3 abfinden muss. Der Altea wirkt im Gegenteil geräumig und luftig.

Motorenpalette und Fazit

Feinschliff kann trotzdem nicht schaden: Das Tageslicht scheint direkt auf den stark nach oben geneigten Navigations-Bildschirm. So ist er kaum abzulesen. Erfreulich wäre es, wenn die Visionäre den Auspuff-Sound in die Großserie retten könnten: Der 2.0 FSI, bekannt aus VW Golf und Audi A3, klang noch nie so heiser-aggressiv.

Der Direkteinspritzer dürfte nicht der einzige Antrieb aus dem VW-Regal bleiben: Neben dem 2.0 FSI mit 150 PS ist bei den Benzinern noch der 1.6 FSI mit 115 PS und der 250 PS starke 3.2 V6 zu erwarten. Darüber hinaus stehen die verschiedenen Turbodiesel mit 1,9 und zwei Liter Hubraum und Leistungen von 101 bis 140 PS zur Wahl. Der 75-PS-Basis-Motor des Golf dürfte dagegen kaum zum Einsatz kommen: Schließlich soll der Altea auf der Straße mindestens genauso temperamentvoll wirken wie am Strand von Altea.

Fazit So schön ist selten so viel Platz verpackt worden. Der Altea ist kein gewöhnlicher Van wie Opel Zafira oder Renault Scénic, sondern deren Alternative: ein sportlicher Kompaktwagen mit Pfiff.

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