Erste Fahrt in einem Formel-1-Renner

Erste Fahrt in einem Formel-1-Renner Erste Fahrt in einem Formel-1-Renner

Erste Fahrt in einem Formel-1-Renner

— 10.09.2002

Von wegen Schumi ...

Mit AGS und seinem Programm "Drive a Formula 1" ist man schnell auf Schumi-Kurs. Guido Naumann, der Motorsportler im Redaktionsteam, fuhr einen 650-PS-F1 – wie einst Schumi.

In 2,2 Sekunden von 100 auf 200 km/h

Halb sitzend, halb liegend klammere ich mich ans Lenkrad. Hinter mir tobt der Bär. Das furiose Finale von Ravels "Bolero" ist nichts gegen die Blasmusik des Cosworth-Triebwerks. Meine Pobacken schweben nur wenige Zentimeter über dem Boden. In den Füßen habe ich das Gefühl, ich könnte mit ihnen dem Vordermann in den Hintern treten. Schon juckt wieder die blanke Unvernunft.

Dann fliege ich auf die nächste Kurve zu und darf mich der Verzögerungskraft einer Carbonbremse hingeben. Der Kopf geht immer mit, links, rechts, vor, zurück. Ab 8000 Umdrehungen wird der Wagen giftig, bei 11.000 so richtig fies. Beschleunigt in 2,2 Sekunden – nicht von 0 auf 100, sondern von 100 auf 200 km/h. Die Perspektive ist wirklich ungewohnt. Ich sitze so tief, dass ich in jeder Fuge der Fahrbahn die Ameisen sehen kann.

Schweißgebadet erreiche ich die Boxengasse. Ich habe es geschafft! Mein Traum von der Formel 1 ist wahr geworden. Und das auch noch in einem Boliden mit Ford Cosworth-Motor. Mit so einem fuhr Schumi in seiner ersten Formel-1-Saison 1991. Nur das Michael dieses Erlebnis mit 22 hatte und ich erst mit 28 Jahren. Trotzdem bin ich kein Spätzünder, wenn ich da an Fangio denke. Der ist erst mit 38 in einen F1 eingestiegen und dann noch fünfmal Weltmeister geworden.

Formel-1-Erlebnis für jedermann

Kaum zu glauben, dass erst ein paar Stunden vergangen sind, seit ich den Crash-Kurs in Sachen Formel 1 begonnen habe. Die Formel-1-Rennfahrerschule "AGS Formule 1" bietet auf dem hauseigenen "Circuit du Var" dieses F1-Erlebnis für jedermann an. Vor dem Einstieg in die Monoposto stand die Theoriestunde. Der wichtigste Ratschlag: Vergesst vorläufig alles, was ihr über das Autofahren zu wissen meint.

Dann endlich: fertig machen zum Start. Die Schulungsfahrzeuge aus der Formel Opel-Lotus entsprechen in den Abmessungen etwa der aktuellen Formel 3. Auch Michael Schumacher schnupperte vor der Königsklasse in die Formel 3. Die Motoren leisten 180 PS bei 450 Kilogramm Leergewicht.

Bevor ich Gas geben kann, muss ich mich in das äußerst enge Cockpit hineinzwängen. Warum fällt mir gerade jetzt mein Vorsatz mit der Diät ein? Dagegen ist später der Einstieg in einen Formel-1-Boliden fast wie das Platznehmen im Wohnzimmersessel.

Stoppuhren und Unfälle sind verboten

Jetzt bin ich auf der freien Strecke, aber es gibt strenge Vorschriften. Mit 4500 Touren rolle ich die lange Gerade hinunter – das hat etwas von chinesischer Folter. Es kommt mir vor wie im Schneckentempo, denn dieser Formel 3 würde locker 2000 Umdrehungen mehr vertragen.

Es fällt mir schwer, mich zu beherrschen. Der Verstand ist willig, doch der rechte Fuß will Gas. Die mahnenden Worte des Instruktors Patrick Gaillard klingen noch in meinen Ohren: "Wer sich nicht an unsere Spielregeln hält, der fährt nach Hause!" Und die Regel hieß nun mal: "Die Maximaldrehzahl liegt in den ersten Runden bei 4500 Touren." Nach 20 Runden, zigmal abbremsen, hochschalten und ersten Windschatten-Duellen geht es dann ans Eingemachte.

Gemeint sind waschechte Forme-1-Renner vom Typ AGS mit genau den gleichen technischen Daten, wie sie Michael Schumacher 1991 bei Jordan und Benetton zur Verfügung standen. Das heißt: 650 PS treffen auf ein Leergewicht von 505 Kilogramm. Ein Leistungsgewicht, das nur aktuelle F1-Boliden schlagen. Damit keiner auf die Idee kommt, den Rundenrekord brechen zu wollen, sind Stoppuhren verboten. Unfälle auch.

Der rechte Fuß ist dein einziger Gegner

Dann ist es so weit. Mein Name wird ausgerufen, der Puls steigt. Helm und Handschuhe übergestülpt und den F1 geentert. Dann noch letzte Ratschläge: "Guido, Gasgeben kannst du. Hier kommt es jetzt auf das Bremsen an. Du hast nur einen einzigen Gegner – deinen rechten Fuß."

Sich noch einmal die Schaltung erklären lassen, Zündung an, dem Starter ein Handzeichen geben und los geht's. Instruktor Patrick gibt mir Zeichen für mehr Drehzahl und den ersten Gang. Bei 6000 Touren bekomme ich Start-Freigabe. Die fetten, profillosen Walzen bewegen sich, Visier zu und los. Die erste Runde nutze ich zum Kennenlernen, die folgenden zur Reise in den Olymp der Fahrleistungen.

Viel zu schnell endet der Formel-1-Traum: Ich durchquere die letzte Haarnadelkurve und bekomme die schwarze Flagge gezeigt. Das heißt in dem Fall nicht Disqualifikation, sondern Ende des Rennens. Ich rolle langsam in die Box. Jetzt bin ich Kollege von Michael, Ralf und Rubens. Nach der Probefahrt und erwacht aus diesem Traum, bleibt der Respekt vor den Leistungen Schumis & Co. Wer ebenfalls träumen will: Tages-Seminare ab 1775 Euro. Weitere Infos im Internet unter: www.formel1-fahren.de.

Schumis Weg in die Formel 1

Michael Schumacher fuhr bereits mit fünf Jahren seine ersten Kart-Rennen. Die Begeisterung am Kartfahren wuchs immer mehr. 1984 wurde er dann prompt deutscher Juniorenmeister. 1985 gewann er die deutsche Juniorenmeisterschaft erneut und wurde zusätzlich Junioren-Vize-Weltmeister in Le Mans.

Im Jahr 1987 folgte dann der bis dahin größte Triumph: Michael Schumacher gewann die deutsche Kartmeisterschaft und die Europameisterschaft. 1988 bestritt Michael seine erste Saison in einem Formel-Rennwagen. Bei einer Testmöglichkeit unterschrieb er einen Vertrag beim Euphra Formel-Ford-Team. Hier zeigte Michael sein Naturtalent und gewann neun von zehn Läufen souverän – und damit auch die Meisterschaft.

Willi Weber lud ihn zu einer Testfahrt in seinem WTS-Formel-3-Team ein. Bei der Testfahrt war Schumacher auf Anhieb sensationelle 1,5 Sekunden schneller als der etablierte Stammpilot. Durch ein erfolgreiches Engagement mit Mercedes in der Gruppe C feierte er 1991 beim belgischen Grand Prix in Spa sein F1-Debüt, im Jordan-Ford. Und dann ging's bekanntlich erst so richtig los ……

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