Erste Hilfe, Notruf

Erste Hilfe

— 17.10.2013

Die Angst vorm Helfen

Kaum ein Autofahrer wagt im Notfall eine Herzdruckmassage. Um die Hemmschwelle zu senken, hilft nur regelmäßige Schulung – am besten ab Kindesalter.

Ein Erste-Hilfe-Kurs im Leben ist zu wenig. Das dachte auch Stefanie Wille (30), als sie sich im August 2013 in Hamburg zum Führerscheinkurs anmeldete und erstaunt war, dass man ihren 16 Jahre alten Erste-Hilfe-Nachweis anerkannt hätte. Sie bekam lediglich eine Empfehlung zur Auffrischung. "Ich habe freiwillig ein neues Training besucht und festgestellt, dass ich zwar die Begriffe noch kannte, aber nicht mehr wusste, was zu tun war."

Erschreckend hilflos: DRK-Umfrage zur Ersten Hilfe

Führerschein-Anwärterin Stefanie Wille plädiert für regelmäßige Auffrischung der Erste Hilfe-Kenntnisse.

Damit ist sie nicht allein. Nach einer Studie von ADAC und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) lag der letzte Kurs bei knapp 40 Prozent der Befragten mehr als zehn Jahre zurück. Knapp jeder Zweite beherrscht noch die stabile Seitenlage, aber nur jeder fünfte kann eine Herzdruckmassage korrekt durchführen. In Menschenleben bedeutet das: "2012 sind 3606 Menschen im Straßenverkehr gestorben. Von ihnen könnten zehn Prozent noch leben, wenn jemand beherzt Erste Hilfe geleistet hätte, wie Studien der Universität Würzburg belegen", so DRK-Sprecherin Stephanie Krone. Eine Erhebung des Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie (DGAI) bestätigt die Tendenz zur Tatenlosigkeit: Zwar erreichten 37 Prozent der von Passanten reanimierten Patienten das Krankenhaus lebend. Doch nur rund 15 Prozent der Deutschen helfen überhaupt mit einer Herzdruckmassage. Über 60-Jährige werden sogar noch seltener von Ersthelfern wiederbelebt als Jüngere.

Ratgeber: Wann ist Hilfe Pflicht?

Stephanie Krone, Deutsches Rotes Kreuz: "Zehn Prozent der Verkehrstoten könnten noch leben."

"Viele Bürger scheinen keine Hilfe zu leisten aus Angst, etwas falsch zu machen", sagt Anästhesist und DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin. "Wenn ein Mensch dem Tode nahe ist, dann ist eine gebrochene Rippe durch eine kräftige Wiederbelebung ein zu vernachlässigendes Risiko. Außerdem können wir beruhigen: Wer im Rahmen seiner Möglichkeiten hilft, hat keine juristischen Konsequenzen zu befürchten." Sein Appell: "Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen – mindestens alle fünf Jahre!" Das Verkehrsministerium setzt dabei nach wie vor auf Freiwilligkeit statt Reglementierung und verweist auf den hohen Kosten- und Verwaltungsaufwand im Falle einer verbindlichen Auffrischung. Laut DRK sind es immerhin knapp 400.000 Menschen pro Jahr, die sich aus freien Stücken in Erste Hilfe schulen lassen. Auch Notfall-Apps kämen gut an. "Sie haben nur einen Nachteil: Man braucht eine zweite Person, die das Smartphone hält und die ausführende Person anleitet", so Stephanie Krone.

Bilanziert: Unfallstatistik 1. Halbjahr 2013

Regelmäßige Erste Hilfe-Kurse, am besten schon in der Schule, können Leben retten.

Mit publikumswirksamen Aktionen wie der "Woche der Wiederbelebung" wollen Rettungsorganisationen möglichst viele für das Thema sensibilisieren. Damit das Gelernte besser hängen bleibt, gibt's auch solche Expertentipps: Herzdruckmassage zum Rhythmus von Songs wie "Staying alive" der Bee Gees oder Abbas "Dancing Queen" durchführen, das entspricht 100 Druckbewegungen pro Minute. Mediziner fordern schließlich, dass Erste Hilfe bundesweit Schulfach werden soll. Dass dies möglich ist, beweist als erstes Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, wo jährlich zwei Stunden Wiederbelebungsunterricht in allen siebten Klassen durchgeführt wird.

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