Erster Fahrbericht Ford Ka — 21.10.2008
Sprung durch Raum und Zeit
Seit 1996 fährt der eigenwillige Ford Ka unverändert auf unseren Straßen herum. Jetzt endlich setzt er an zum Sprung ins neue Jahrtausend. Wie bekommt ihm die radikale Verjüngung?
Zum Glück geht das Designer-Team eigene Wege
Optisch, das war klar, wird er seinem charmanten Technik-Bruder nicht das Wasser reichen. Hier geht das Designer-Team um Martin Smith zum Glück eigene Wege und versucht gar nicht erst auf Retro oder niedliche Schmollmund-Optik zu machen. Der neue Ka ist ein geschrumpftes Extrakt aus Mondeo, Focus und Fiesta. Durchaus stimmig, modern, wieder so einer, den die Frauen lieben werden, in dem aber auch ein Mann nicht sein Gesicht verliert. Wer den Burschen knalliger haben will, für den haben die Kölner – ähnlich wie Mini oder Fiat – ein peppig-poppiges, ja, für Ford-Verhältnisse geradezu schrilles Individual-Programm aufgelegt. Hier kann man sich richtig austoben, aus Tausenden von Details seinen ganz eigenen Ka zusammenstellen: Von Grilleinfassungen über Lackierungen bis hin zu luxuriösen Ledersitzen – geht alles anders, wenn man will. Im Vergleich zum Vorgänger reckt sich die zweite Generation um zehn Zentimeter in die Höhe. Das bedeutet für die hinteren Passagiere nicht gerade ein Himmelreich an Kopffreiheit. Nein, spätestens ab 1,70 Meter fällt einem das Dach auf den Kopf, zudem sind die Kopfstüzen hinten lächerlich (und gefährlich) kurz.Erstaunlich viel Beinfreiheit für den Beifahrer
Vorne sitzt man dafür umso besser. Ford hat auf der Beifahrerseite geschickt das üppige Handschuhfach so ausgeformt, dass hier erstaunlich viel Platz für die Beine zur Verfügung steht. Überhaupt hat man das Gefühl, irgendwie besser als im Fiat 500 zu sitzen. Ford sagt, das liege an den Polstern der Stühle, die im Vergleich zum Italiener "langstreckentauglicher" ausgeschäumt wurden. Beim Layout der Mittelkonsole mit integrierter Schaltung ist eine Ähnlichkeit zum Fiat nicht zu übersehen. Die vierfach lackierten Plastikteile sollen besonders robust sein, der restliche Kunststoff hat eine ganz ansehnliche Narbung, aber ist – entsprechend der preissensiblen Klasse – nicht weich gepolstert, die Klopfprobe fällt ernüchternd aus.Wie Ford die Charme-Offensive des ein Jahr früher gestarteten Fiat 500 kontern will, wird nach den ersten Metern klar: mit aktiver Beinarbeit. Die Kölner haben die Zeit genutzt, um Geld und Know-how ins Fahrwerk zu investieren. Projektleiter Matthias Tonn sieht den Schlüssel zum Erfolg in der deutlich verbesserten Torsionssteifigkeit der vorderen (plus 20 Prozent) und hinteren (plus 70 Prozent) Stabis. "Dadurch konnten wir die Wankbewegungen spürbar reduzieren und die Dämpfer mehr in Richtung Komfort einstellen." Das Ergebnis ist überzeugend. Dort, wo der Fiat 500 recht steifbeinig und mit wenig Feingefühl über schlechte Pisten stolpert, hat der neue Ka deutliche Vorteile. Komfort und Handling sind einfach besser. Und damit auch der Fahrspaß. Hier gibt natürlich auch die Lenkung ihren Senf dazu: Obwohl sie wie beim Fiat elektrisch betrieben ist, fühlt sie sich fast an wie eine hydraulische. Das Lenkgefühl, das Wissen, was die Räder da unten gerade anstellen, ist wirklich gut. Kompliment.

































