Erster Fahrbericht Ford Ka

Ford Ka Ford Ka

Erster Fahrbericht Ford Ka

— 21.10.2008

Sprung durch Raum und Zeit

Seit 1996 fährt der eigenwillige Ford Ka unverändert auf unseren Straßen herum. Jetzt endlich setzt er an zum Sprung ins neue Jahrtausend. Wie bekommt ihm die radikale Verjüngung?

In zwölf Jahren reift ein Neugeborener zum Jugendlichen, werden drei Fußball-Weltmeisterschaften gespielt und 624 Ausgaben von AUTO BILD gedruckt. Zwölf Jahre bedeuten in der Autobranche mindestens zwei bis drei Modellwechsel, dazu zahlreiche Facelifts. Der Ford Ka hat diesem Gesetz der Serie erfolgreich getrotzt. Seit 1996 fährt der kleine Kamerad nun schon auf Europas Einkaufslisten. 1,4 Millionen zumeist weibliche Kunden haben sich während dieser Zeit für den skurrilen Mini aus Köln entschieden, alleine in diesem Jahr waren es bislang noch einmal über 40.000. Jetzt fährt der Weiberheld in Rente, übergibt den Stab an seinen Nachfolger. Der macht erstmal auf dicke Hose und kommt uns im neuen Bond-Film "Ein Quantum Trost" ab dem 7. November 2008: Das neue Bond-Girl Olga Kurylenko kutschiert den Ka minutenlang werbewirksam über die Leinwand. Offizieller Verkaufsstart des Ford Ka wird bei uns der 14. Februar 2009 sein. Dann wird sich vor allem eine Frage stellen: Was kann der Ka besser oder anders als der kultig-süße Fiat 500, mit dem er gemeinsam im polnischen Werk Tichy vom Band läuft?

Zum Glück geht das Designer-Team eigene Wege

Die Frauen werden den neuen Ka lieben. Aber auch ein Mann verliert mit ihm nicht sein Gesicht.

Optisch, das war klar, wird er seinem charmanten Technik-Bruder nicht das Wasser reichen. Hier geht das Designer-Team um Martin Smith zum Glück eigene Wege und versucht gar nicht erst auf Retro oder niedliche Schmollmund-Optik zu machen. Der neue Ka ist ein geschrumpftes Extrakt aus Mondeo, Focus und Fiesta. Durchaus stimmig, modern, wieder so einer, den die Frauen lieben werden, in dem aber auch ein Mann nicht sein Gesicht verliert. Wer den Burschen knalliger haben will, für den haben die Kölner – ähnlich wie  Mini oder Fiat – ein peppig-poppiges, ja, für Ford-Verhältnisse geradezu schrilles Individual-Programm aufgelegt. Hier kann man sich richtig austoben, aus Tausenden von Details seinen ganz eigenen Ka zusammenstellen: Von Grilleinfassungen über Lackierungen bis hin zu luxuriösen Ledersitzen – geht alles anders, wenn man will. Im Vergleich zum Vorgänger reckt sich die zweite Generation um zehn Zentimeter in die Höhe. Das bedeutet für die hinteren Passagiere nicht gerade ein Himmelreich an Kopffreiheit. Nein, spätestens ab 1,70 Meter fällt einem das Dach auf den Kopf, zudem sind die Kopfstüzen hinten lächerlich (und gefährlich) kurz.

Erstaunlich viel Beinfreiheit für den Beifahrer

Im kleinen Ka sitzt man durchaus bequemer – dank langstreckentauglich ausgeschäumter Polster.

Vorne sitzt man dafür umso besser. Ford hat auf der Beifahrerseite geschickt das üppige Handschuhfach so ausgeformt, dass hier erstaunlich viel Platz für die Beine zur Verfügung steht. Überhaupt hat man das Gefühl, irgendwie besser als im Fiat 500 zu sitzen. Ford sagt, das liege an den Polstern der Stühle, die im Vergleich zum Italiener "langstreckentauglicher" ausgeschäumt wurden. Beim Layout der Mittelkonsole mit integrierter Schaltung ist eine Ähnlichkeit zum Fiat nicht zu übersehen. Die vierfach lackierten Plastikteile sollen besonders robust sein, der restliche Kunststoff hat eine ganz ansehnliche Narbung, aber ist – entsprechend der preissensiblen Klasse – nicht weich gepolstert, die Klopfprobe fällt ernüchternd aus.

Wie Ford die Charme-Offensive des ein Jahr früher gestarteten Fiat 500 kontern will, wird nach den ersten Metern klar: mit aktiver Beinarbeit. Die Kölner haben die Zeit genutzt, um Geld und Know-how ins Fahrwerk zu investieren. Projektleiter Matthias Tonn sieht den Schlüssel zum Erfolg in der deutlich verbesserten Torsionssteifigkeit der vorderen (plus 20 Prozent) und hinteren (plus 70 Prozent) Stabis. "Dadurch konnten wir die Wankbewegungen spürbar reduzieren und die Dämpfer mehr in Richtung Komfort einstellen." Das Ergebnis ist überzeugend. Dort, wo der Fiat 500 recht steifbeinig und mit wenig Feingefühl über schlechte Pisten stolpert, hat der neue Ka deutliche Vorteile. Komfort und Handling sind einfach besser. Und damit auch der Fahrspaß. Hier gibt natürlich auch die Lenkung ihren Senf dazu: Obwohl sie wie beim Fiat elektrisch betrieben ist, fühlt sie sich fast an wie eine hydraulische. Das Lenkgefühl, das Wissen, was die Räder da unten gerade anstellen, ist wirklich gut. Kompliment.

Die billigste Art Ka zu fahren, beginnt bei 9750 Euro

Zwei Vierzylinder bietet Ford für den Ka an, beide sind aus dem Fiat 500 bekannt.

Bei den Motoren sind die Allianz-Partner dann wieder fast auf einer Linie. Zwei Vierzylinder bietet Ford für den Ka an, beide sind aus dem Fiat 500 bekannt.  Mit 69 PS geht der 1,2 Liter-Benziner ans Werk. Spontan und kräftig genug, um den Stadtfloh artgerecht zu bewegen. 159 km/h Spitze soll er schaffen und im Mix 5,1 Liter verbrauchen, was einem CO2-Wert von 119 g/km entspricht. Die Diesel-Alternative hat 75 PS, rennt 161 km/h und soll sich mit nur 4,2 Litern begnügen. CO2-Wert: 112 g/km. 90 Prozent, sagt Ford, werden den Benziner wählen. Das macht Sinn, zumal der völlig reicht und der Diesel 2000 Euro teurer ist. In dieser Klasse ein Totschlag-Argument. Die billigste Art Ka zu fahren beginnt bei 9750 Euro in der Ausstattung Trend. Cleverer ist es allerdings, den 1000 Euro teureren Titanium zu nehmen. Da sind dann Klimaanlage (975 Euro), Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber schon drin.

Mehr zum neuen Ford Ka: ab Freitag in AUTO BILD 43/2008

Der vermeintliche Preisvorteil zum Fiat 500, der bei 10.900 Euro startet, relativiert sich übrigens bei genauerer Betrachtung. ABS ist bei beiden immer an Bord. Doch im Gegensatz zu den Italienern spart sich Ford das CD-Radio. Bei den Verkaufszahlen herrscht dann wieder Eintracht. Beide Partner teilen sich gerecht die Produktion in Polen. Jeder bekommt 120.000 Einheiten pro Jahr. Davon sollen 22.000 per anno in Deutschland  an den Mann, vermehrt aber wohl wieder an die Frau gebracht werden. Die Rolle als Weiberheld wird auch der neue Ka nicht ablegen können. Allerdings muss er sie aller Vorrausicht nach keine zwölf Jahre spielen.

Autor: Tomas Hirschberger

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