Erster Fahrbericht VW Gol — 16.07.2008
Die haben den Tiguan geschrumpft!
Kein Witz: Das Auto heißt wirklich Gol (ohne f) und sieht aus wie ein kleiner Tiguan. Groß wie ein Polo, könnte er die VW-Antwort auf den Dacia Sandero sein. AUTO BILD hat sich den VW Gol mal genauer angesehen.
Der Gol fährt im Geiste der Brüder Golf & Polo
ABS und Airbag gibt es nur gegen Aufpreis
Aber jetzt kommts: ESP ist gar nicht im Angebot und ABS gibts nur gegen Aufpreis. Airbags – ebenfalls nicht serienmäßig. Sie werden in Brasilien selten geordert, die Ausstattungsrate liegt unter sechs Prozent. Die Bremse ist so weich wie die brasilianischen Schnulzen im Radio. Trittsicher das Pedal, gleichermaßen geeignet für die Sambalatschen oder die turmhohen High-Heels, auf denen mindestens 99 Prozent aller Brasilianerinnen unterwegs sind. Wer schön sein will, muss halt leiden. Das gilt nicht für den Gol. Der hat mehr Platz für Passagiere als sein Vorgänger und transportiert sie – passend zu Brasiliens Autobahn-Tempolimit von 120 km/h – angepasst zügig. Der Basismotor, ein Einliter-Vierzylinder, ist dennoch ein müder Hund.Mehr Laune macht der 1,6-Liter-Benziner mit 103 PS. Der schafft immerhin 192 km/h Spitze und sorgt für eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 9,6 Sekunden. Kein Wunder, bei eben mal 944 Kilogramm Leergewicht. Die Maschine zeigt sich drehfreudig und nicht zu laut. Die fünf Gänge des manuellen Getriebes lassen sich präzise wechseln. Diesel sind nicht zu haben, die sind unterm Zuckerhut für Privat-Pkw verboten. VW plant derzeit nicht, den Billig-Golf nach Europa zu bringen. Die im Vergleich zum Euro starke Landeswährung Real würde den Gewinn aufzehren. Doch die Wolfsburger können anders rechnen. Denn im Brasilien-Preis sind 35 Prozent Steuer enthalten. Zu uns könnte das Auto viel günstiger kommen. Für gut 10.000 Euro wäre der Ethanol-Gol eine gute Volkswagen-Antwort auf Dacia und andere Preisbrecher.
Fazit von AUTO BILD-Mitarbeiter Michael Kirchberger
Der Gol ist solide und komfortabel. Und er fährt mit alternativen Kraftstoffen. Zwar erfüllt er (noch) nicht unsere Sicherheitsnormen, dennoch stünde er VW gut zu Gesicht. Als Volkswagen zu Volks-Preisen.| VW Gol 1.6 | |
|---|---|
| Motor/Hubraum | Vierzylinder/1598 cm3 |
| Leistung | 76 kW (103 PS) |
| Drehmoment bei U/min | 153 Nm/2500 |
| 0–100 km/h | 9,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 192 km/h |
| Verbrauch (l/100 km) – CO2 | 6,4 Liter Super – 152 g/km |
| Kofferraum | 285 Liter |
| Länge/Breite/Höhe | 3899/1656/1464 |
| Preis: ab 11.800 Euro | |
| positiv: geringe Verbrauchskosten, schickes Design, viel Platz, komfortbale Federung | |
| negativ: Mängel in der Sicherheit, einfache Materialien, Basismotor lethargisch | |
| NOTE: 3- | |
Kann ich den Gol selbst importieren?
Den Gol gibt es mit zwei Motorisierungen: Als 1.0 VHT Flex und als 1.6 VHT Flex. Das VHT steht für Volkswagen high torque und Flex für flexi fuel, also die Möglichkeit, Benzin und Ethanol sowie jegliche Mischung beider Stoffe zu fahren. Beide Saugmotoren erfüllen in etwa die Euro-4-Norm. Das brasilianische Messverfahren ähnelt dem deutschen, ist aber nicht identisch. Die Grundausstattung ist mager: kein ABS und ESP, keine Airbags, keine Servolenkung, keine E-Fenster, Radio oder andere Extras. Aber ein Reserverad. Brasilien hat 27 Bundesstaaten mit unterschiedlichen Steuergesetzen. Im Schnitt liegen aber 35 Prozent Steuern auf jedem Fahrzeug, das dort vertrieben wird: Mehrwertsteuer, eine Art Industriesteuer und Zulassungssteuer. Stehen die Fahrzeuge beim Vertragshändler, sind bereits alle Steuern bezahlt, und der Händler kann sie vom brasilianischen Staat nicht zurückfordern. Will man also einen Wagen aus Brasilien importieren, kommen folgende Kosten zusammen: • Kaufpreis: Gol 1.6 (103 PS): 11.800 Euro • Zollabwicklung Brasilien: 133 Euro • See-Fracht: 537 Euro • Fracht-Versicherung (1,5 % Kaufpreis): 177 Euro • EU-Einfuhrzoll (10 %): 1265 Euro • Entladekosten/Zollpapiere: 350 Euro • Einfuhrumsatzsteuer: 2710 Euro • Umrüstung, TÜV (gesch.): 800 Euro • Endpreis: 17.772 Euro. Ergebnis: Der Import auf eigene Faust lohnt sich nicht. Aber wenn VW den Gol exportiert, kann es günstiger werden. Dieser Weg hat schon beim Fox geklappt.Anzeige











