Erster Fahrbericht VW Golf VI 2.0 TDI DSG

Fahrbericht VW Golf VI: Härtetest auf Island Fahrbericht VW Golf VI: Härtetest auf Island

Erster Fahrbericht VW Golf 2.0 TDI DSG

— 08.09.2008

So fährt der neue Golf

AUTO BILD auf Testfahrt mit dem neuen Golf VI. Auf Island musste der Zweiliter-Diesel beweisen, was er besser kann als seine Vorgänger. Härtetest über die teils üblen Pisten der größten Vulkaninsel der Welt.

Klare Luft, blauer Himmel, dramatische Vulkan-Landschaften – Island ist kein schlechter Ort, um der Presse ein neues Automodell zu präsentieren. Der neue Golf kommt in dieser Szenerie jedenfalls richtig gut rüber. Erstmalig ist er im öffentlichen Verkehr zu bewundern. Wenn er an der Ampel neben Toyota RAV4 und Peugeot 308 steht, wirkt er deutlich frischer, technischer und begehrenswerter als sein Vorgänger. Seine schnörkellose Linienführung führt die typische Golf-Tradition fort: unaufgeregt, aber modern. Dass es sich beim Golf VI nur um ein Facelift handelt, widerlegt der VW schon auf den ersten Metern. So leise war noch kein Diesel-Golf. Zwar ist der neue 2.0 TDI sofort als Selbstzünder zu identifizieren, doch beim Beschleunigen herrscht ungewohnte Ruhe. Der Common-Rail-Vierzylinder ist kaum wahrnehmbar. Herrlich.

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Ohne Turboloch und explosionsartige Leistungsabgabe dreht das 140-PS-Triebwerk kraftvoll und gleichmäßig hoch und lässt den knurrigen Pumpe-Düse-Vorgänger endgültig alt aussehen. Schon nach wenigen Sekunden ist Tempo 90 erreicht. Mehr ist auf Island nicht erlaubt. Der Bordcomputer zeigt einen Momentanverbrauch von 4,1 Liter pro 100 Kilometer. Angegeben ist er mit 4,9 Liter Diesel im kombinierten Verbrauch – ein guter, wenn auch theoretischer Wert. VW hat es leider versäumt, direkt zum Verkaufsstart die immer wichtiger werdende BlueMotion-Version anzubieten. Die kommt erst nächstes Jahr und soll unter vier Liter Diesel verbrauchen. Auch der angekündigte LPG-Golf wird erst später zu haben sein. Kritik verdient auch das Innenraumkonzept: Hier gibt es absolut nichts Neues. Es bleibt bei den geteilt klappbaren Rückenlehnen und der Stufe im Ladeboden – da wäre mehr drin gewesen. Schade, denn der Golf VI präsentiert sich ansonsten in guter Form. Windgeräusche produziert die neu gestylte Karosserie kaum; ein leichtes Säuseln von den A-Säulen, das war’s. Deutlicher ist schon das Brummen der 205er Reifen zu vernehmen. Ist ja auch kein Wunder bei den sehr groben Straßenoberflächen auf Island. Fakt ist: VW hat den Golf durch bessere Dämmung leiser gemacht. Ein wichtiger Punkt für den Wohlfühlfaktor.

Hier geht es zum interaktiven Golf-Showroom

Kaum Verkehr und traumhafte Landschaften: AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan auf Golf-Tour in Island.

Der ist im rund 30.000 Euro teuren Testwagen ohnehin sehr hoch: Leder-Sportsitze, Einparkautomat, adaptives Fahrwerk, Abbiegelicht, teures Festplatten-Farbnavi mit HD-Musikspeicher, SD-Kartenschlitz und iPod-Schnittstelle – dieser Luxus-Golf hat fast alles an Bord, was in der langen Aufpreisliste zu finden ist. Besonders sinnvoll ist das Direktschaltgetriebe (DSG). Es wechselt die sechs Gänge automatisch, blitzschnell und trotzdem komfortabel. Eine Wandlerautomatik wird für den Golf nicht mehr angeboten. Warum auch? Das DSG ist sparsamer, sportlicher und angenehmer zu fahren. Es harmoniert nahezu perfekt mit dem drehmomentstarken TDI-Motor. Wer es besonders dynamisch mag, kann die Gänge auch manuell sortieren. Auf Island ist das vor allem auf Gefällstrecken angebracht, um den Motor als zusätzliche Bremse zu nutzen. Drei Mal an der linken Schaltwippe gezogen, schon wechselt der Golf vom sechsten in den dritten Gang.

Weniger Komfortgewinn bringt die adaptive Dämpfersteuerung (DCC). Zwar rollt der Golf beim Wechsel von "Sport" auf "Comfort" spürbar weicher ab, doch bietet die "Normal"-Stellung den besten Kompromiss. Und die ist serienmäßig. Auch die automatische Distanzregelung (ACC) und die aus dem Markenemblem ausklappende Heckkamera sind verzichtbare Extras. Doch sie zeigen, wohin der neue Golf schielt: nach oben nämlich. Die Ausstattungsmöglichkeiten entsprechen einem Modell der gehobenen Mittel- oder sogar Oberklasse. Und sollte sich der Trend zur automobilen Bescheidenheit weiter verstärken, kommt der als klassenlos empfundene Golf gerade recht. Als Kompakter verkörpert er nach außen Zurückhaltung, protzt aber auf Wunsch mit jeder Menge intelligenter Technik und lässt sich zu einem wahren Luxusmodell aufrüsten.

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Auf Island zählen indes andere Extras. Das optionale Schlechtwege-Fahrwerk mit höher gelegter Karosserie beispielsweise. Aber das ist eine andere Geschichte, nachzulesen in AUTO BILD 37/2008. Ein steinharter Härtetest über drei Tage. Wie gut der VW die Tortour überstand? Ab 12. September ist das neue Heft am Kiosk. Einen Vorgeschmack gibt es in der Bildergalerie.

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