Erster Test 9ff GT9

— 05.01.2008

Schuss ins Blaue

Eigentlich wollte Highspeed-Pionier 9ff mit dem GT9 in Papenburg 400 km/h fahren. Dafür unabdingbar: gutes Wetter und gewissenhafte Vorbereitung. Leider fehlte es an beidem.



Mein Herz pocht hochfrequent, das Blut schießt mit Hochdruck durch die Adern. Der Kreislauf droht zu kollabieren, die Augenlider flattern. Solche oder ähnliche Auswirkungen könnten gefahrene 400 km/h haben. Momentan rührt mein Befinden allerdings von einer anderen Highspeed-Aktion: Ich habe mir in Windeseile fünf Dosen eines namhaften Energydrinks hinter die Binde gekippt. Dieser Exzess hat gute Gründe: Zum einen gibt es in der 9ff-Box in Papenburg bis 14 Uhr nichts anderes – von dem klebrigen Gebräu aber immerhin gleich zwei Kühlschränke voll. Zum anderen will die gähnende Langeweile überwunden werden – passiert unterm Strich doch reichlich wenig. Obwohl seit neun Uhr morgens die versammelte Presse in Papenburg bereitsteht: Journalisten aus England, Frankreich und Russland, ein Kamerateam und ich – mit Fotograf im Schlepptau. Der Hauptdarsteller GT9 gibt sich divenhaft zickig: Er glänzt durch Abwesenheit. Allerdings ist die wertvolle Fracht per Transporter auf dem Weg. Die nasse Strecke hat Zeit abzutrocknen – ein Rest Feuchtigkeit bleibt uns jedoch den ganzen Tag erhalten.

Der 9ff GT9 lässt lange auf sich warten – und dann stirbt der Motor

Geduldspiel: Die versammelte Journalistenschar ließ der 9FF GT9 bis mittags warten.

Irgendwann nach Mittag trifft das Auto ein. In AUTO BILD SPORTSCARS haben wir über den Aufbau des GT9 berichtet – jetzt sehen wir erstmalig das fertige Produkt. Die Eckdaten sind unverändert: Biturbo-Boxer, 987 PS, 964 Newtonmeter maximales Drehmoment. Der Anblick der Flunder ist atemberaubend: Das Auto kauert tief auf der Straße, die Dachlinie liegt knapp über Hüfthöhe. In aller Seelenruhe lädt die 9ff-Belegschaft den GT9 ab. Wozu auch hetzen? Rein rechnerisch ist das für die Rekordfahrten gebuchte Zeitfenster von 13 bis 14 Uhr ohnehin viel zu üppig bemessen. Einem 400-km/h-Auto sollten ein paar Minuten auf der Piste schließlich genügen. Gegen 13.45 Uhr startet der GT9 endlich zum Rekordversuch. Der Regen hat zwischenzeitlich wieder eingesetzt. Aber nicht deshalb wartet die am Hochgeschwindigkeitsoval postierte Journalistenschar vergebens. Vielmehr ist das Auto nur wenige Meter hinter der Box gestrandet und gibt keinen Mucks mehr von sich. 9ff-Chef Jan Fatthauer hat eine Ahnung, woran es liegen könnte: "In den Motorraum eindringendes Wasser muss der Elektronik zugesetzt haben." Er liegt mit seiner Vermutung richtig: Im Eifer des Gefechts wurde versäumt, diverse Steckverbindungen mit Gummipfropfen gegen Witterungseinflüsse abzuschirmen. Vor Ort beschleicht den Beobachter ein ungutes Gefühl: Lernt der GT9 etwa gerade erst das Laufen?

150 Kilometer Testfahrt sind für Rekordversuche zu wenig

Alles Schiebung: Wenn der Wagen nicht mitspielt, sind Rekordversuche schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt.

Jan Fatthauer bestätigt diese These: "Wir sind bisher nur rund 150 Kilometer mit dem GT9 gefahren." Das 400-km/h-Vorhaben erscheint damit ungefähr so sinnvoll wie die Anmeldung seines Kindes zum New- York-Marathon, nachdem es die ersten unsicheren Tippelschritte gemacht hat. Immerhin gibt 9ff nicht auf. Während einer der anwesenden Mechaniker die Maschine startet, befüllt sie ein anderer durch einen Trichter mit Öl – aus einem Behältnis, das verdächtig nach Abfalleimer aussieht. "Wir dachten, dass mit den Hydrostößeln etwas nicht stimmt – deshalb mussten wir alles Öl ablassen", erläutert Fatthauer. Tatsächlich springt das Auto nach dieser Prozedur mit gewaltigem Brüllen an – um nach zehn Metern Schleichgang erneut zu verenden. Endgültig. Die anwesenden Journalisten schauen bedröppelt. Nur Jan Fatthauer lässt sich seine gute Laune nicht verderben: "Eigentlich lief doch alles nach Plan – wenn nur das Wetter mitgespielt hätte." Ich schaue ihn nachdenklich an, öffne eine weitere Dose des Taurin-Koffeindrinks und nehme einen tiefen Schluck – ganz schnell.
Technische Daten* 9ff GT 9
Motor Boxer6, Biturbo
Einbaulage Mittelmotor längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4010 cm³
kW (PS) bei 1/min 726 (987)/7850
Literleistung 264 PS/Liter
Nm bei 1/min 964/5970
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 380 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn / hinten 8,75J x 19 / 11,5J x19
Reifen vorn / hinten 235/35ZR19-325 / 30ZR19
Reifentyp ContiSportContact Vmax
Länge/Breite/Höhe 4733/1860/1180 mm
Radstand 2700 mm
Leergewicht/Zuladung 1326 kg/374 kg
Leistungsgewicht 1,3 kg/PS
Tankinhalt 92 l
EU-Normverbrauch Ø auf 100 km 17,6 l Super Plus
Beschleunigung von 0–100 km/h 3,2 s
angestrebte Geschwindigkeit mehr als 400 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 476.000 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Ben Arnold



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