Erster Test BMW 645 Ci

Erster Test BMW 645 Ci

— 22.12.2003

Schöne Bescherung

BMW und das Fest der Triebe: Der neue 6er kommt im Januar zum Händler, Lust weckt er aber schon jetzt.

Elegant wie ein festliches Abendkleid

"O du fröhliche ..." Weihnachten steht vor der Tür. Und als sei das nicht genug Grund zur Freude, stellt BMW den neuen 645 Ci gleich mit dazu. Eine schöne Bescherung. Denn dieser heiße Schlitten lässt nicht nur Knecht Ruprecht froh und munter sein.

In die Rolle des Design-Engels schlüpft in diesem Wintermärchen BMWs oberster Formenwächter Chris Bangle. Er hat das revolutionär-rassige Styling des neuen 6ers zu verantworten. Was – anders als bei Siebener und Z4 – ein Kompliment sein soll. Wo der Boulevard-Bangle auch auftaucht, werden Hälse und Daumen gereckt, fliegen dem Münchener Schickeria-Coupé Blicke und Bussis zu.

Was wenig mit Zauberei, aber viel mit stimmiger Automobil-Architektur zu tun hat. Die auf 4,82 Meter gestreckte Karosserie mit der langen Haube wirkt elegant wie ein festliches Abendkleid. Kurze Überhänge, knappe Pilotenkanzel und fette 19-Zoll-Räder (ab 1500 Euro) liefern die exakt passende Dosis Dynamik. Eine Mischung, die wahrhaft sexy aussieht – und über den aufgesetzt wirkenden Kofferraumdeckel und die unpassende Querfuge an der Nase locker hinwegsehen lässt.

Feinstes Ambiente im Innenraum

Genauso locker, wie der Weihnachtsmann den Sechser auf den Wunschzetteln von erwachsenen Kindern ignoriert. Auch wenn BMW von einem 2+2-Sitzer spricht, empfehlen sich die Fondsitze nur für den Kurz-Einsatz. Über 1,80 Meter und bei mehr als fünf Minuten wird es hier ungemütlich. Und auch bescheidene 330 Kilo Zuladung deuten eher darauf hin, dass dieses Auto am besten zu Familien mit kleinen Kindern oder karrierebewussten Paaren passt.

Die genießen einen figurbetonten Innenraum in feinstem Ambiente. Edle Materialien schmeicheln den Sinnen, sportliche Sitze geben festen Halt, die Verarbeitung trotzt selbst harter Beanspruchung. Ein Gedicht – mit Schwächen im Detail. Das Cockpit-Layout mit den zwei Guckkästen wirkt nicht aus jedem Blickwinkel elegant, der abgespeckte iDrive verzettelt sich in zu vielen Untermenüs, Tempomat- und Blinkerhebel provozieren Fehlgriffe.

Garantiert richtig liegt BMW dagegen mit dem 4,4-Liter-V8. Mit gedämpftem Bollern erwacht der Vierventiler zum Leben, um bei gestrecktem rechtem Fuß ganz ungeniert das Hohelied der Leistungs-Lust aus den zwei Endtöpfen zu posaunen. Die Trompeten von Jericho klingen dagegen, als würden Engelein singen.

Als wäre es nur ein Matchbox-Modell

Wie ein Chorknabe auf der Flucht vor dem Beelzebub brennt der 645 Ci sein fettes Profil (hinten 275/35) in den Asphalt und uns bis Tempo 100 eine respektable 5,8 auf den Messstreifen. Hellwache 333 PS spielen dabei fast nach Belieben und ohne erkennbare Mühe mit dem Sechser, als wäre er nur ein Matchbox-Modell. Sich hier noch mehr Motor zu wünschen, das müssten selbst großzügige Weihnachtsmänner als unverschämt ablehnen. Zumal der Sportmodus die Aufmerksamkeit von Motor und perfekt passender Sechsstufenautomatik nochmals steigert – nicht mal Kinder kurz vor der Bescherung gehen entschlossener ans Werk.

Für leuchtende Augen sorgen fahrerische Präzision und Perfektion unseres mit Aktivlenkung (1000 Euro) und Dynamic Drive (2600 Euro) gedopten Testwagens. Zugegeben: Das trotz Leichtbau immerhin 1740 Kilo schwere Coupé geht nicht so leichtfüßig ums Eck wie ein Porsche und neigt zum Untersteuern, dennoch gerät das Handling zum vergnüglichen Kinderspiel. Kurve anvisieren, einlenken und durch – Geraden mutieren so zu fast schon lästigen Verbindungsetappen zwischen den Kurven.

Das Geheimnis dahinter: Während die Aktivlenkung maximalen Fahrspaß bei minimalen Lenkwinkeln schafft, verhindern die aktiven Stabilisatoren (Dynamic Drive) gleichzeitig fast jede Seitenneigung. Bleibt nur die Frage, warum die elektronischen Spaßmacher beim 645 Ci nicht zur Serienausstattung gehören. Und warum die bayerischen Weihnachtsmänner uns andererseits eine so sportliche Fahrwerkabstimmung aufzwingen.

Kosten und Ausstattungen

Zwar entwickelt der straff ausgelegte Express-Schlitten auf gepflegten Autobahnen wahrhaft himmlische Qualitäten. Zusammen mit der optionalen 19-Zoll-Bereifung gerät der Advents-Ausflug aufs Land aber zur Belastungsprobe für gestresste Geschenk-Boten. Querfugen und Frostaufbrüche stoßen im 6er unangenehm auf – Santa Claus hätte Einwände gegen diesen Dienstwagen.

Sein Chef sowieso. Mit 72.000 Euro gehört der 645 Ci nicht gerade zu den Schnäppchen. Daran ändern auch die serienmäßigen Goodies wie Klimaautomatik, Bi-Xenon-Licht oder Lederpolsterung wenig – denn der Wunschzettel für den Sechser ist trotzdem noch verdammt lang. Unser Testwagen kostet mal eben 91.400 Euro. Schöne Bescherung ...

Technische Daten und Testwerte

Sicherer Halt in allen Lagen: Mit 36,5 Metern aus Tempo 100 erreicht der 645 Ci eine hervorragende Bremsleistung. Auch bei harter Beanspruchung lässt die üppig dimensionierte Anlage nicht nach.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Freue dich, der 645 Ci kommt bald. Was BMW da auf die Räder gestellt hat, gehört zu den verlockendsten Versprechen für 2004. Die Leichtbau-Karosserie vereint souverän Anmut und Athletik, Fahrwerk und Lenkung sorgen für maximalen Lustgewinn, der Motor sucht seinesgleichen. Schade nur, dass solche Pracht auch ihren Preis hat.

Wie gefällt Ihnen der BMW 645 Ci?

Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto aber letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den BMW 645 Ci. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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