EU-Recht in der Werkstatt

Der Meister aller Klassen

EU-Recht in der Werkstatt

— 02.01.2003

Der Meister aller Klassen

... ist nach Plänen der EU zum Greifen nah. Die Vertragswerkstätten sollen ihr Garantiemonopol verlieren.

Mehr Konkurrenz, niedrigere Preise

Wolfgang Gelpke ist sauer: An seinem knapp drei Jahre alten Galaxy muss der Luftmassenmesser getauscht werden. Und Ford will sich mit keinem Cent an den Kosten beteiligen. Argument der Kölner: Herr Gelpke war ihnen nicht immer treu, brachte seinen Van zur Inspektion in die billigere freie Werkstatt.

Bislang konnten die Hersteller in ihren Garantiebedingungen verfügen, dass Kunden, die ihren Pkw nicht regelmäßig in einer Vertragswerkstatt zur Inspektion vorführen, die Garantie verlieren und keine Kulanz mehr beantragen können. Das führte zu kuriosen Fällen: So wurde in vielen Fällen sogar die Garantie auf Durchrostung abgelehnt, wenn ein Ölwechsel in einer so genannten Fremdwerkstatt durchgeführt wurde.

Dieses Garantiemonopol will EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti abschaffen. Sein Ziel: Autos sollen in jeder Autowerkstatt repariert oder gewartet werden dürfen, ohne dass der Autohersteller später die Garantie verweigern kann. Laut Monti bringt das Konkurrenz, niedrigere Preise und bessere Qualität.

Es geht nicht ohne Markentreue

Die erste Station auf dem Weg dorthin: Seit Oktober 2002 gilt die neue GVO (Gruppenfreistellungsverordnung) auch in Werkstätten. Jeder Autofahrer darf danach seinen Wagen in markenfremden Werkstätten reparieren lassen, ohne dass Garantie oder Kulanz erlöschen. Voraussetzung: Die markenfremde Werkstatt muss von einem Autohersteller oder Vertragshändler dazu vertraglich autorisiert werden. Nur Garantiearbeiten bleiben weiterhin dem Vertragshändler vorbehalten. Doch noch gibt es nur wenig autorisierte Werkstätten.

Zwei mögliche Gründe, weshalb bislang kaum Verträge geschlossen wurden: • Der Autohersteller muss den Werkstätten alle notwendigen Daten und internen Codes geben. • Macht die autorisierte Werkstatt bei der Arbeit einen Fehler, haftet sie und nicht der Hersteller. Bis sich Hersteller und freie Werkstätten auf die neue Situation eingestellt haben, zahlt der Autofahrer drauf: Er muss – wohl oder übel – die ersten drei Jahre weiterhin in die Vertragswerkstatt fahren.

AUTO BILD-Tipp Bei Autos, die älter als drei Jahre sind, ist Kulanz so gut wie ausgeschlossen. Auch wenn die Hersteller gerne anderes behaupten, lohnt es sich deshalb nicht, das Auto nach dem vollendeten dritten Lebensjahr weiter brav zur Inspektion oder Reparatur in die Vertragswerkstatt zu fahren. Eine freie Werkstatt kann das genauso gut, aber billiger. Außerdem geben viele Freie inzwischen auch die angeblich nur in Vertragswerkstätten mögliche Mobilitätsgarantie.

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