EU-Reform

Auto-Reparaturen sollen billiger werden

EU-Reform

— 15.07.2002

Auto-Reparaturen sollen billiger werden

Händler erhalten freie Wahl bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Eine Entscheidung der EU wird für Mittwoch erwartet.

Mehr Wettbewerb im Service

Deutschlands Autofahrer müssen künftig weniger Geld für Reparaturen und Ersatzteile ausgeben. Das sagt Professor Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) in Bamberg voraus. Durch die geplante "Gruppenfreistellungsverordnung" (GVO) für Kraftfahrzeuge seien Händler nicht mehr verpflichtet, Originalersatzteile zu verwenden. Bislang hätten Autohersteller Ersatzteile nur mit Aufschlägen gegenüber der Erstausstattung von bis zu 400 Prozent abgegeben.

Mit der Reform der GVO will EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti den Neuwagenverkauf und den Service für mehr Wettbewerb öffnen. Dadurch würden freie Werkstätten gestärkt, und Autohändler könnten ab 2004 überall in Europa Filialen eröffnen. Zudem sollen mehrere Marken unter einem Dach verkauft werden können. Die Entscheidung über den Entwurf zur Liberalisierung des Autohandels fällt die EU-Kommission am 17. Juli. "Die Auflockerung des verkrusteten Systems ist überfällig und wird für Verbraucher, Hersteller und Handel der Automobilbranche grundsätzlich positive Auswirkungen haben", zeigte sich der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Christoph Konrad, wenige Tage vor der Verabschiedung der neuen GVO zuversichtlich.

"Die neue Verordnung, die in der kommenden Woche in Brüssel vorgestellt werden soll, räumt den Händlern die Möglichkeit ein, die Quelle für die Beschaffung von Ersatzteilen frei zu wählen", so Meinig. Künftig könne der Händler direkt beim Zulieferer einkaufen und so die Preisaufschläge umgehen. Weitere Einsparungen auch für die Verbraucher seien durch den Zusammenschluss von Händlern zu Einkaufsorganisationen möglich.

Gibt es Autos bald günstiger?

Skeptisch äußerte sich Meinig zum Plan, Verkauf und Service zu trennen. Damit wolle Brüssel dem Kunden mehr Wahlfreiheit einräumen. "Ich halte solch eine Trennung für wenig sinnvoll", sagte Meinig. Er verwies auch darauf, dass der Handel mit dem Neuwagenverkauf kaum noch Geld verdiene. "Die Rendite beträgt noch nicht einmal mehr ein Prozent." Im Service- und Ersatzteilgeschäft werde aber richtig Geld verdient. "Es wäre nicht nachzuvollziehen, wenn ein Autohaus diese lukrativen Sparten abstoßen würde."

Kritisch äußerte sich Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen zum GVO-Entwurf. "Das auf die Führerschaft der Hersteller ausgerichtete Distributionssystem wird unterhöhlt und die Kosten der Distribution werden weiter steigen", erwartet Diez als Folge für die Hersteller. Der Automobilexperte geht davon aus, dass die Händlermargen unter Druck geraten werden und es im Servicebereich zu einem Verdrängungswettbewerb kommen wird. Zudem dürfte es für die Automobilhersteller schwieriger werden, den engen Kundenkontakt beizubehalten und die Qualität der Serviceleistungen zu kontrollieren.

Fraglich sind nach Ansicht von Klaus Fricke, Director Product und Market Strategy bei Fiat, auch die von Monti in Aussicht gestellten günstigeren Autopreise. "Die angeblich zu erwartende Preisreduzierung durch die EU-Preisharmonisierung ist ein Trugschluss, da die Ertragslage der Hersteller und des Handels dies nach Jahren ausstattungsbereinigter Preissenkungen nicht zulassen wird", sagte Fricke. Die bisherigen Nettopreis-"Niedrigländer" wie Spanien, Portugal, Belgien, Holland oder Dänemark stünden vor starken Preissteigerungen. "In Mitteleuropa werden die Preise dagegen weit gehend stabil bleiben", glaubt Fricke. EU-Kommissar Monti will unterdessen die Liberalisierung des Autovertriebs auch gegen den Widerstand von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) durchsetzen. Am Mittwoch werde sich die EU-Kommission mit der Stimme der deutschen Haushaltskommissarin Michaele Schreyer für Montis Reform entscheiden, meldet der "Focus". Daher sei eine Mehrheit für die Reform sicher.

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