Ex-Audi-Chef neuer Fiat-Boss

Ex-Audi-Chef neuer Fiat-Boss

— 08.10.2003

Demel soll Fiat aus der Krise führen

Der Vertrag mit Ex-Audi-Chef ist offenbar seit 14 Tagen unter Dach und Fach. Mit-Kandidat Martin Leach (Ford) scheiterte an Wettbewerbsklauseln.

Die Wahl von Herbert Demel an die Spitze der Autosparte von Fiat ist offenbar beschlossene Sache. Nach Informationen der WELT will Fiat-Präsident Umberto Agnelli die Entscheidung noch in dieser Woche bekannt geben. Der frühere Audi-Vorstandsvorsitzende und derzeitige Chef des Automobilzulieferers Magna Steyr in Österreich soll noch im Oktober, spätestens aber im November 2003 zu Fiat wechseln. Demel wird Nachfolger von Giancarlo Boschetti.

Damit ist der frühere Europachef von Ford, Martin Leach, wohl endgültig aus dem Rennen. Wobei Leach weniger an seiner Qualifikation gescheitert ist, sondern vielmehr an einem Streit zwischen Ford und Fiat über die Dauer des Wettbewerbsausschlusses, wie die WELT am Rande der jetzt zu Ende gegangenen Konferenz der Fiat-Spitzenmanager in Turin erfuhr. Danach konnten sich die beiden Autobauer nicht darüber einigen, ob ein Wechsel von Leach zu einem Ford-Wettbewerber für die Dauer von sechs, neun oder zwölf Monaten ausgeschlossen werden sollte.

Dabei spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle für den italienischen Autobauer. Die Marke verliert in ihrem Heimatmarkt Marktanteile. Gleichzeitig gelingt es nicht, diese Verluste auf anderen Märkten auszugleichen. Der 64-jährige Boschetti galt zudem bereits seit längerem als Übergangskandidat.

Demel, mit dem der Vertrag angeblich bereits seit 14 Tagen bereits unter Dach und Fach sein soll, gilt als idealer Feuerwehrmann. Der gebürtige Österreicher und promovierte Maschinenbauer machte aus der kränkelnden Marke Audi wieder eine Kraft strotzende VW-Konzerntochter. Gerade als sich Demel dann Hoffnungen machte, Ferdinand Piëch als Vorstandschef bei VW zu beerben, ernannte dieser Bernd Pischetsrieder zur Nummer eins. Demel wurde nach Brasilien weggelobt. Schließlich entschied sich der ehrgeizige Manager, zu Magna Steyr zu wechseln. Sollte dem 49-Jährigen die Sanierung der Fiat-Autosparte gelingen, würde ihm in Turin ein Denkmal gesetzt. Allerdings muss auch in kaum einem Automobilkonzern ein Vorstandschef so viele Rücksichten nehmen wie bei Fiat - einer Institution mit wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Bedeutung.

Die bevorstehende Ernennung Demels als erstem Nicht-Italiener auf dem Chefsessel von Fiat wird in Europa mit Wohlwollen aufgenommen. "Wer auch immer kommt, er muss den Mut haben, ohne Rücksicht auf Verluste die verkrusteten Strukturen aufzubrechen", sagt etwa der Sprecher der europäischen Fiat- und Lancia-Händler, Friedrich Karl Bonten. Fiat Auto müsse sich wieder auf Kunden und Händler besinnen. "Die Grabenkämpfe zwischen den Marken innerhalb des Konzerns sind tödlich." Trotz der Krise bei Fiat käme Demel zu einem guten Zeitpunkt. Die Modellpalette wird in den nächsten Jahren deutlich verjüngt. Bis 2006 stehen dafür neun Milliarden Euro zur Verfügung.

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