Exklusiv-Interview mit Mika Häkkinen

Exklusiv-Interview mit Mika Häkkinen Exklusiv-Interview mit Mika Häkkinen

Exklusiv-Interview mit Mika Häkkinen

— 16.02.2005

Genau der richtige Kick

Drei Jahre nach seinem F1-Rücktritt und vor dem Comeback als DTM-Pilot gibt Mika Häkkinen wieder Gas. Der Grund: Adrenalinmangel.

"Den Motorsport sehr schnell vermißt"

AUTO BILD MOTORSPORT: Mister Häkkinen, wie schätzen Sie Ihre Fitneß im Vergleich zu Ende 2001 ein, als Sie mit dem professionellen Motorsport aufhörten? Mika Häkkinen: Meine Fitneß ist sehr gut. Ich habe letztes Jahr und natürlich vor allem im Winter hart trainiert. Und es wird immer besser ...

Sehnen Sie Ihren Wiedereinstieg herbei? Ich habe 2001 die Formel 1 verlassen. Die Pause hat mir gut getan, aber ich habe den Motorsport sehr schnell vermißt. Deswegen entschloß ich mich zurückzukehren.

Was haben Sie am meisten vermißt? Den Wettbewerb, am Limit zu fahren, die Perfektion der Technik, mit einem tollen Team zusammenzuarbeiten, unter Erfolgsdruck zu stehen und Ergebnisse zu liefern? Du vermißt all das: Den Wettbewerb, die Geschwindigkeit, den Adrenalin-Kick und sogar den Druck, denn Rennsport ist eine positive Art von Druck.

Und was bedeutet es für Sie, wieder im Mittelpunkt zu stehen? Fans, Zuschauer, Menschenmengen – das gehört alles dazu und wirkt auf mich sehr motivierend.

Ist Ihre Familie glücklich damit, daß Sie wieder zur Arbeit müssen? Wieder Motorsport zu machen, war natürlich unsere gemeinsame Entscheidung. Sie haben mich total unterstützt und sind jetzt genauso aufgeregt wie ich.

Wann genau wurde ihnen klar, wieder Rennen fahren zu wollen? Ich kann kein exaktes Datum nennen, wann ich mir sicher war, mein Comeback zu starten. Es war ein langsamer, täglich fortschreitender gedanklicher Prozeß.

"DTM eine großartige Herausforderung"

Im vergangenen Herbst haben Sie ein DTM-Auto getestet und fanden es schwierig zu fahren. Wie deuten Sie das Fahrverhalten? Ich würde nicht sagen, daß es schwierig zu fahren ist. Vielmehr ganz anders als das, was ich vorher gefahren bin. Aber das ist eine Frage der Anpassung. Es gibt viele Unterschiede zwischen einem DTM-Auto und einem Formel-1-Auto: Leistung, Geschwindigkeit, Reifen. Dennoch ist ein DTM-Auto eine großartige Herausforderung für mich. Es ist schnell, und beim Fahren spürt man einen echten Kick. Für mich genau den richtigen.

Haben Sie das neue Auto von Mercedes schon testen können? Bisher bin ich nur das Vorjahresauto gefahren, um erst einmal ein Gefühl für die DTM-Autos zu bekommen. Das neue Auto werde ich bei den anstehenden Tests fahren.

Heinz-Harald Frentzen ist in der vergangenen Saison in die DTM gekommen und war vor allem überrascht darüber, wie sehr man sich an das Auto anpassen muß. Er meint, man braucht als Neuling eine erfahrene Person, die voll und ganz auf die eigenen Wünsche eingeht. Haben Sie eine solche Person bei Mercedes? Ich kann Heinz-Harald verstehen. Denn wenn man jahrelang Formel 1 gefahren ist, dann denkt man, alle anderen Autos müßten einfach zu fahren sein. Aber ich kann es nur noch mal betonen: Die DTM-Autos sind schnell, und es ist harte Arbeit, ein perfektes Setup zu finden. Mein AMG-Team ist extrem professionell. Jeder gibt jedem Fahrer bei uns 100 Prozent Unterstützung.

"Komfortabler als ein Formel-Auto"

Kommt Ihnen ein DTM-Auto im Vergleich zu einem Formel 1 nicht eher langsam vor? Wenn du ein DTM-Auto fährst, kommt dir das ganz und gar nicht langsam vor. Und sogar von außen sieht es schnell aus. Aber es ist komfortabler als ein Formel-Auto.

Haben Sie sich von Fahrern oder anderen Experten Tips vor Ihrem ersten DTM-Test geholt? Ich habe viel mit unserem Sportchef Norbert Haug gesprochen und während der Testfahrten mit meinem neuen Fahrerkollegen Bernd Schneider.

Wie lange denken Sie dauert es, wieder in den Rhythmus zu kommen, um eine totale Einheit mit dem Auto zu bilden? Je mehr man testen kann, desto besser. Aber Tests sind in der DTM beschränkt, und deshalb müssen wir in kurzer Zeit das Maximum erreichen. Aber auch während der Rennen lernt man noch viel dazu. Ich freue mich auf das erste Rennen.

Vermissen Sie die Formel 1? Nein. Ich habe die Entscheidung gefällt, nicht in die Formel 1 zurückzukehren. Ich habe das elf Jahre gemacht und war zweimal Weltmeister. Jetzt konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf die DTM. Die DTM hat in meinen Augen eine große Zukunft und wird auch noch weitere Hersteller anlocken.

Sie haben auch Gespräche mit Formel-1-Teams geführt. Wurde es mal eng bei der Entscheidung zwischen Formel 1 und DTM? Die beiden Vorgänge hatten nichts miteinander zu tun, und ich mußte mich nicht zu einem Zeitpunkt für eine der beiden Serien entscheiden.

"Mit Fahrkönnen Erfahrung wettmachen"

Jacques Villeneuve hat sich über den Tempozuwachs der Formel 1 während seiner einjährigen Pause gewundert. Wäre die Formel 1 also für Sie nicht eine größerer Herausforderung als die DTM? Für mich persönlich ist die DTM die größere Herausforderung, denn sie ist komplett neu für mich.

Was macht Sie optimistisch, mit den Tourenwagen-Profis vom Schlage eines Bernd Schneider oder eines Mattias Ekström mithalten zu können? Kann man deren Erfahrungsvorsprung einfach überspringen? In der DTM geht es sehr eng zu. Nicht nur wegen der erfahrenen Profis, sondern auch wegen der jungen Talente, die gerade dort fahren. Du kannst ein gewisses Maß an Erfahrung durch Fahrkönnen wettmachen. Aber nichts geht darüber, mehrere Jahre in derselben Serie gefahren zu sein.

Wie denken Sie über Kimi Räikkönens Schlagzeilen der letzten Wochen? Glauben Sie, er setzt sein Verhältnis zum Team oder sogar sein Leistungsvermögen aufs Spiel? Schlagzeilen sind Schlagzeilen. Von außen ist so etwas schwer zu beurteilen. Kimi ist ein sehr talentierter Fahrer, und ich bin mir ziemlich sicher, daß er weiß, was er zu tun hat.

Eine letzte Frage zu Ihrem alten Rivalen Michael Schumacher: Beeindruckt er Sie immer noch? Und würden Sie gern noch einmal gegen ihn antreten? Michael und ich hatten immer ein sehr gutes und faires sportliches Verhältnis. Ich würde liebend gern noch einmal irgendwann gegen ihn fahren.

Kurzporträt von Mika Häkkinen

Kurzportrait von Mika HäkkinenGeboren: 28. September 1968 • Geburtsort: Helsinki (FIN) • Wohnort: Monaco (MC) • Nationalität: Finne • Familienstand: verheiratet mit Erja, ein Sohn (Hugo, 4 Jahre) • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Schwimmen, Skifahren

Karriere Mit sieben Jahren begann Klein-Mikas Kart-Karriere. Zwischen 1981 und 1986 wird er fünfmal finnischer Meister. Über die Formel Ford landet er 1989 in der britischen Formel-3-Meisterschaft, wo er sich ein Jahr später gegen seinen Landsmann Mika Salo im Titelkampf durchsetzt. Aber Ende 1990 verliert Häkkinen im F3-GP von Macao nach umstrittenem Crash mit Schumi gegen seinen späteren F1-Rivalen.

Sein damaliger Manager Keke Rosberg lotst ihn 1991 ins Lotus-F1-Team und plaziert ihn Ende 1992 beim Top-Team McLaren als Testfahrer. Als Michael Andretti dort 93 nichts bringt, springt Mika als "Beifahrer" von Ayrton Senna ein.

1994 fährt er sechsmal aufs Podest. Es dauert aber lange bis zum ersten Sieg. Und der wird ihm 1997 in Jerez geschenkt, genau wie der zweite (1998, Melbourne). Dann rollt der fliegende Finne, der 1995 in Adelaide einen lebensgefährlichen Schädelbruch überlebt hatte, im Silberpfeil unaufhaltsam zu zwei WM-Titeln (1998/99).

Mika Häkkinen besticht mit extremem Tempo bei äußerst wenig Fehlern. Einzige Schwäche: Regen. 2000 unterliegt er Schumi knapp. 2001 tritt er, ermüdet vom Dauerstreß, zurück.

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