Formel 1, GP von Italien Monza 2008, Sebastian Vettel, Scuderia Toro Rosso

Exklusiv-Interview mit Sebastian Vettel

— 19.09.2008

"Jetzt will ich mehr"

In Monza feierte Sebastian Vettel seinen ersten GP-Sieg in der Formel 1. Im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT verrät der 21-Jährige, was er noch erreichen will: Weltmeister werden!

Der Große Preis von Italien am 14. September 2008 in Monza bescherte uns einen neuen Formel-1-Sieger. Sebastian Vettel (21) raste im unterlegenen Toro Rosso zu seinem ersten Sieg in der Königsklasse des Motorsports und fuhr sich damit in die Herzen der deutschen Motorsportfans. Nachdem die Siegesfeier vorbei ist, hat AUTO BILD MOTORSPORT ihn zu seinem Erfolg und zu seiner Zukunft in der Formel 1 befragt.
AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Vettel, was war Ihr erster Gedanke, als Sie am Morgen nach dem Sieg in Monza aufgewacht sind?
Sebastian Vettel : Nichts Besonderes eigentlich. Ich bin ganz normal aufgewacht und dachte eigentlich: Jetzt bleibst du noch ein bisschen liegen. Das habe ich dann auch gemacht. Aber klar, als ich mal darüber nachgedacht habe, war es schon irgendwie verrückt, weil ich so langsam angefangen habe, das zu begreifen, was da passiert ist.

Gerhard Berger konnte als Fahrer zehn Siege in der Formel 1 feiern. Monza war sein erster Erfolg als Teamchef von Toro Rosso.

Und, was ist das für ein Gefühl, ein Formel-1-Sieger zu sein? Ich fühle mich so wie immer, durch das eine Ergebnis ändert sich nichts. Natürlich ist es etwas ganz Besonderes und es bedeutet mir auch sehr viel. Das waren unvergessliche Bilder und Emotionen. Aber ich schaue nach vorne. Ich war schon wieder in Spanien und habe dort für Red Bull, also mein Team für die kommende Saison, getestet. Deshalb ist mein Kopf längst voll mit anderen Dingen. Vielleicht fange ich nach der Saison ein bisschen mehr an, das alles zu begreifen. Jetzt geht es ja schon wieder weiter und wir konzentrieren uns auf die nächsten vier Rennen.

Sebastian Vettel behält beide Füße auf dem Boden

Unter normalen Bedingungen ist der Toro Rosso trotz des Ferrari-Motors unterlegen.

Was verändert sich für Sie durch den Sieg? Werden Sie jetzt noch selbstbewusster? Naja, schaden tut es nicht! Natürlich gibt mir so ein Triumph mehr Selbstvertrauen und einen gewissen Aufschwung. Aber die letzten Rennen an sich haben gezeigt, dass mein Team und ich in einer starken Form sind. Und dass wir beide zusammen auf einem guten Weg sind. Immerhin war ich auch beim letzten Rennen in Spa schon Fünfter. Von daher ist der Sieg natürlich schön, aber ich behalte beide Füße auf dem Boden. Ich weiß, wie hart und schwer die nächsten Rennen noch werden.

Was ist in diesem Jahr noch möglich? Wir dürfen jetzt nicht abheben. Man kann nicht erwarten, dass wir Schritt halten mit Teams wie McLaren-Mercedes und Ferrari. Realistisch gesehen haben wir da keine Chance. Die haben ganz andere Ressourcen und eine viel größere Mannschaft als wir. Ein viel stärkeres Paket also, das darf man nie unterschätzen. Aber ich denke, es gibt immer die Möglichkeit zu siegen und wenn sie da ist, muss man sie eben nutzen.
Sie haben jetzt also Blut geleckt? Ja. Es war immer mein Ziel an die Spitze zu kommen, Rennen zu gewinnen und um die WM zu kämpfen. Jetzt habe ich ein Rennen gewonnen. Das macht mich natürlich schon ein bisschen stolz. Jetzt will ich mehr. Es ist aber nicht so, dass ich nur durch diesen Sieg weiß, was ich möchte. Ich wusste auch vorher schon, wo ich hin will.

Sie glauben also, dass Sie mittelfristig so starke Fahrer wie Fernando Alonso und Lewis Hamilton schlagen können? Ja. Ansonsten müsste ich nach Hause gehen und mich unter meiner Bettdecke verkriechen. Aber: Es war bis hierher ein harter Weg und der wird auch weiter sehr steinig bleiben.

Autor: Bianca Garloff

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