Exklusive Serie mit Nico Rosberg (10)

Exklusive Serie mit Nico Rosberg (10)

Exklusive Serie mit Nico Rosberg (10)

— 03.07.2006

Meine Pressearbeit

Der deutsche Formel-1-Neuling Nico Rosberg erklärt Technik und Faszination der Königsklasse des Motorsports. Diesmal: Umgang mit den Medien.

"Mußte das Nein-Sagen erst einmal lernen"

Kaum zu glauben, aber ich habe schon über 80 Journalisten ein Einzel-Interview gegeben seit Beginn der Saison! Wenn du aus der GP2 kommst, hast du nicht die geringste Vorstellung, was medientechnisch in der Formel 1 so läuft. Und nachdem es mir gelungen ist, beim ersten Rennen in Bahrain so einen super Eindruck zu hinterlassen, ist der totale Wahnsinn ausgebrochen. Jeder Journalist im Fahrerlager wollte von mir was hören. Und ich kann Ihnen sagen, liebe Leser, das sind eine ganze Menge!

Eigentlich hatte ich damit ja gar kein Problem. Aber es war eben einfach sehr anstrengend. Die ganze Zeit mußt du höflich sein und quatschen. Da mußte ich auch das Nein-Sagen erst einmal lernen. Das ist schon sehr, sehr heftig gewesen. Aber dann, nach zwei Rennen, hast du dich dran gewöhnt, kommst nach Melbourne und qualifizierst dich als 15., weil du Verkehr hattest. Und plötzlich wollen gerade mal zwei Journalisten ein Statement von dir. Auch das war ein echter Schock am Anfang. Weil du denkst: Jetzt bist du auf einmal total uninteressant. Aber das muß man eben lernen, daß die Formel 1 extrem schnellebig ist.

Trotzdem ist es ein schönes Gefühl, wenn du wie ich in Malaysia in der offiziellen Pole-Pressekonferenz sitzt. Denn das bedeutet ja, daß du was erreicht hast. Und obwohl ich eigentlich sehr schüchtern bin, habe ich kein Problem, vor all den Journalisten zu reden. Das ist ähnlich wie zuletzt in Silverstone: Da war ich auf einer Konzertbühne vor 15.000 Leuten. So weit du gucken konntest nur Köpfe. Und ich mußte ein Interview geben. Auch das hat mir nichts ausgemacht. Früher hätte ich mir bei so etwas in die Hose gemacht ...

"Kritische Fragen gab es bisher keine"

Nein, im Ernst: Die Arbeit mit der Presse macht mir sogar Spaß. Ich finde es interessant, mit Journalisten zu diskutieren, und weiß ja auch, wie wichtig das ist. An einem Rennwochenende habe ich beispielsweise zwischen ein und fünf Einzelgespräche. Dann gibt's die Gruppeninterviews, jeden Morgen ein Frühstück mit verschiedensprachigen Journalisten. Dazu kleine Fernsehinterviews nach den freien Trainings, dem Qualifying sowie vor und nach dem Rennen. Bei den ersten Grand Prix hat mich das noch abgelenkt, auch weil ich keine Routine darin hatte. Aber jetzt ist das voll okay.

Auch vor dem Rennstart macht es mir nichts aus, Interviews zu geben. Denn du hast sowieso nichts anderes zu tun. Wobei Fernsehinterviews generell etwas schwieriger sind, weil die Zuschauer dich sehen können und du nichts mehr zurücknehmen kannst. Du mußt zwar auch vor der Kamera so bleiben, wie du bist, dir aber trotzdem genau überlegen, was du sagst.

Mein großer Vorteil ist, daß ich mit Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch vier verschiedene Sprachen spreche. Deshalb sind natürlich auch die Journalisten anderer Länder sehr an mir interessiert. Einerseits ist das super, andererseits bedeutet das natürlich auch wieder mehr Arbeit. Obwohl: Wenn das Rennen gut gelaufen ist, teile ich das den Journalisten auch gern mit. Kritische Fragen wurden mir dieses Jahr noch nicht gestellt. Aber ich kann mir schon vorstellen, daß das hart ist. Deshalb lese ich auch keine Motorsportzeitungen mehr. Es würde mich zu sehr aufregen, wenn jemand Unsinn über mich schreibt. Klar, manchmal ist es natürlich auch die Wahrheit, die nervt.

Und die Fragen nach meinem Vater ... Einige Journalisten haben scheinbar noch immer nicht gemerkt, daß ich selbst auch Rennfahrer bin. Die sehen in mir nur den Sohn von Keke Rosberg. Das ist halt schwierig, weil sich fast jedes Interview um meinen Vater dreht. Scheinbar reicht mein F1-Fahren noch nicht, um das zu ändern.

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