Exklusive Serie mit Nico Rosberg

Exklusive Serie von Nico Rosberg

Exklusive Serie mit Nico Rosberg

— 13.03.2006

Meine sicheren Renn-Klamotten

Der deutsche Formel-1-Neuling Nico Rosberg (20) von Williams-Cosworth erklärt in seiner neuen Serie die Technik und Faszination der Königsklasse des Motorsports. Diesmal: sein Renn-Outfit.

"Ich habe einen Schuh-Tick"

Okay, ich gebe es ja zu: Im vergangenen Jahr hatte ich wirklich einen Schuh-Tick! Im Ernst: Ich habe das ganze Jahr lang dasselbe Paar roter Puma-Rennschuhe getragen, mit denen ich in Magny-Cours mein erstes GP2-Rennen gewonnen habe. Aus Aberglaube, obwohl sie schon einige Löcher hatten und wirklich nicht mehr besonders gut gerochen haben ...

Ich hätte meine GP2-Meisterschuhe auch dieses Jahr liebend gern weitergetragen, aber das Rot paßte nicht zu meinem blau-weißen Williams. Aber auch meine neuen, blauen Puma-Schuhe sind unglaublich bequem, besonders schmal, damit sie auf die kleinen Pedale passen, und natürlich feuerfest.

Zum Rest meines Renn-Outfits habe ich kein so besonderes Verhältnis. Ich sage immer: Helm ist Helm, und Overall ist Overall. Die sind eben einfach eine Notwendigkeit im Motorsport. Obwohl mein Helm der Marke RF1 von Schuberth weniger als 1200 Gramm wiegt, ist er megasicher. Beim Feuertest wird er 45 Sekunden lang einer 800 Grad heißen Flamme ausgesetzt. Wobei die Temperatur im Helminneren nur auf 70 Grad steigt. Klar, das ist viel, aber nicht zuviel! Außerdem wurde mein blaugetöntes Visier mit etwa 500 km/h schnellen Projektilen beschossen, um Steine oder Wrackteile zu simulieren. Trotzdem sind die Einschlagstellen nicht tiefer als 2,5 Millimeter. Und selbst als die Ingenieure in Braunschweig einen drei Kilogramm schweren, spitzen Metallgegenstand aus drei Metern Höhe auf den Helm fallen ließen, ging dessen Schale nicht kaputt. Das liegt daran, daß mein Helm aus ungefähr 120 Kohlefasermatten besteht, die bei 132 Grad Celsius zusammengeschweißt wurden. Und denen eine Substanz namens Polyethylen beigemischt wurde, die auch in schußsicheren Westen steckt.

Wichtig ist aber auch, daß der Helm gut belüftet ist. Normalerweise atme ich während des Fahrens nicht schwer, aber in Streßsituationen wie Überholmanövern kommt man schon ins Schnaufen. Deshalb ist es gut, daß pro Sekunde etwa fünf Liter frischer Fahrtwind über spezielle Kanäle ins Helminnere strömen. Dabei sortiert ein Filter die gesundheitsgefährdenden Partikel von Motorenöl, Karbon und Bremsstaub aus.

"Man ist mit 50 fast taub"

Dennoch ist die Formel 1 gefährlich. Und zwar für die Ohren! Trotz eines speziellen Schallschutzsystems ist es immer noch viel zu laut. Den Funk kann ich nur verstehen, weil die Kopfhörer direkt im Ohr stecken. Denn immerhin 110 Dezibel kommen noch unterm Helm an. Das ist so laut, als würde man neben einem startenden Düsenjet stehen. Da ist man mit 50 fast taub. Das beste Beispiel ist mein Vater Keke, der hört auch nicht mehr so gut ...

Von meinem Vater habe ich übrigens mein blau-gelbes Helm-Design übernommen und ein bißchen verjüngt. Ganz zufrieden bin ich noch nicht, deshalb wird meine aktuelle Lackierung, die übrigens vom gleichen Designer stammt, der auch Michael Schumachers Helm lackiert, noch lange nicht die letzte sein. Der Helm muß aber nicht nur gut aussehen, sondern auch zur Aerodynamik des Autos passen. Er stellt einen wichtigen Bestandteil meines Williams-Cosworth dar und soll dafür sorgen, daß Airbox und Heckflügel optimal angeströmt werden. Deshalb wurde mein Kopfschutz vor dieser Saison sogar im Windkanal getestet. Trotzdem finde ich, daß man an der Aerodynamik des Helms noch intensiver arbeiten sollte. Vier neue, jeweils etwa 20.000 Euro teure Helme bekomme ich pro Jahr. Weil ich während der Rennen stark schwitze, wird das Polster öfter ausgetauscht. Mein Helm hat die Größe M, das Polster ist etwas größer, XXM sozusagen: Ich habe nämlich einen richtigen Dickschädel ...

Mein Overall – ebenfalls Größe M – ist nur wichtig, wenn's mal brennt. Wie die feuerfeste Unterwäsche, Sturmhaube und Handschuhe wird er aus dem Spezialstoff Nomex hergestellt. In ihm könnte ich selbst bei Temperaturen von 840 Grad 35 Sekunden lang überleben. Zum Vergleich: Eine Sauna ist "nur" 90 bis 100 Grad heiß.

Vor der Saison wurde ich per Maßband komplett vermessen. Ist mein Overall nämlich zu groß, entstehen in dem engen Sitz viele Falten, die während der Fahrt drücken. Und wenn er zu eng ist, kann ich kaum noch atmen. Trotz dieser Paßgenauigkeit ist der Overall im Vergleich zum Helm mit rund 1200 Euro spottbillig. Ach ja. Weil mein Rennanzug aus drei Nomex-Schichten besteht, ist es in ihm – ohne zu übertreiben – sauheiß! Keine guten Voraussetzungen also für das Rennen in Malaysia – mit Temperaturen um die 70 Grad im Cockpit.

Sie wollen noch mehr über Nico Rosberg erfahren? Kein Problem: In jeder AUTO BILD MOTORSPORT schreibt der deutsche Formel 1-Star exklusiv über sein Leben in der Königsklasse.

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