Exklusive Serie mit Nico Rosberg

Nico Rosberg: Mein Knopf-Chaos im Cockpit Nico Rosberg: Mein Knopf-Chaos im Cockpit

Exklusive Serie mit Nico Rosberg

— 03.04.2006

Mein Knopf-Chaos im Cockpit

Der deutsche Formel-1-Neuling erklärt Technik und Faszination der Königsklasse des Motorsports. Diesmal: sein Cockpit.

Unzählige Einstellungen übers Lenkrad

Manchmal komme ich mir schon vor wie ein Kampfpilot. Denn wie im Düsenjet herrscht an meinem neuen Formel-1-Lenkrad das reinste Knopf-Chaos! Anders als in Ihrem oder meinem Pkw kann ich von meinem rund 25.000 Euro teuren Hightech-Steuer aus fast alle Funktionen des F1-Renners regeln.

Da kann ich zum Beispiel das Getriebe auf "neutral" schalten, den Tempobegrenzer in der Boxengasse aktivieren oder per Knopfdruck über Funk mit meiner Crew sprechen. Komplizierter wird's in den unteren Reihen. Mit zwei Drehknöpfen kann ich unzählige Einstellungen an Differential und Traktionskontrolle ändern. Und speichern, wie stark das Durchdrehen der Antriebsräder in welcher Kurve gedrosselt werden soll.

Mit Hilfe des Menüreglers kann ich außerdem die Bremswirkung des Motors beim Gaswegnehmen, die Drehzahl sowie die Bremskraftverteilung auf Vorder- oder Hinterräder verstellen. Dazu gibt's einen Haufen Funktionen, die ich eigentlich nie brauche.

Beim Anlassen gibt's jedesmal Starthilfe

Zum Glück, denn während du gerade voll am Limit mit deinen Gegnern kämpfst, ist es extrem anspruchsvoll, Einstellungen vorzunehmen. Erst einmal mußt Du nämlich spüren, wie sich dein Auto verhält. Dann mußt du dich für die richtige der tausend verschiedenen Verstellmöglichkeiten am Lenkrad entscheiden. Und zuletzt mußt du auch noch den passenden Knopf finden und betätigen.

Ich drücke die Knöpfe meines gerade einmal 1,3 Kilogramm schweren Lenkrads deshalb meistens auf den Geraden. Auf dem Display in der Mitte des Steuers kann ich Drehzahl, Temperatur, Geschwindigkeit und Öldruck ablesen. Besonders orientiere ich mich aber an den dynamischen Rundenzeiten, die während der Fahrt mitlaufen. Da sehe ich in jeder Kurve, ob ich Zeit verloren habe oder nicht.

Weil ich mein Auto nicht allein starten kann, muß ich den Anschaltknopf auf einem kleinen Schaltpult direkt neben meinem Sitz betätigen, wo sich auch der Taster für meine Trinkflasche befindet. Erst dann können meine Mechaniker meinen V8-Motor mit Hilfe eines externen Anlassers starten.

Liegend und fest verschnürt zum Sieg

Apropos Sitz: Drei Tage hat es gedauert, meine nur 500 Gramm leichte Sitzschale herzustellen, und noch immer ist sie nicht ganz fertig! Das liegt daran, daß der Karbonsitz viel steifer und härter ist als die Schaumform, mit der mein Körperabdruck genommen wurde. Da muß alles passen, sonst tut es überall weh! An Karbon etwas zu verändern ist aber sehr schwer, da müssen meine Techniker schleifen und schneiden, manchmal sogar neue Formen am Computer berechnen. Und bis das hinhaut, sind drei Tage vergangen.

Wenn der Sitz irgendwann mal richtig paßt, ist er super bequem. Aus Sicherheitsgründen, und auch, um meinen Körperschwerpunkt möglichst weit runter zu bringen, liege ich im Auto. Ich kann so zwar weder den Frontflügel noch die Nase meines Williams sehen, aber ich konzentriere mich ohnehin immer nur auf das, was 50 bis 100 Meter vor mir auf mich zukommt. Den Rest hat man im Gefühl.

Damit mich die enormen Kräfte nicht aus dem Sitz ziehen, ist mein Sechs-Punkt-Gurt extrem festgezurrt. Trotzdem muß ich mich laut Reglement innerhalb von fünf Sekunden aus dem recht engen Cockpit befreien können. Dafür öffne ich zuerst den Gurt, nehme das Lenkrad ab und quetsche mich aus dem Auto. In Bahrain und dem Rest der Saison hoffentlich erst nach dem Rennen ...

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