Exklusive Serie mit Nico Rosberg

Exklusive Serie mit Nico Rosberg

Exklusive Serie mit Nico Rosberg

— 27.04.2006

Mein Strecken-Studium

Der deutsche Formel-1-Neuling Nico Rosberg (20) von Williams-Cosworth erklärt in seiner neuen Serie die Technik und Faszination der Königsklasse des Motorsports. Diesmal: Studium neuer Pisten.

Voll reindonnern und Quersteher riskieren

Als Neuling in der Formel 1 sind für mich natürlich auch viele Strecken echte Unbekannte. Nach dem Rennen in Malaysia kam ich in Australien schon wieder an einen Kurs, den ich noch nicht kannte. Und den ich deshalb erst einmal gut studieren mußte. Begonnen hatte ich mein Strecken-Lernprogramm allerdings schon kurz vorm Saisonstart in Bahrain. Da saß ich in der Williams-Fabrik in Grove im Rennsimulator und bin den Kurs im Albert Park von Melbourne abgefahren. Hunderte von Runden habe ich gedreht, damit ich mir die Piste richtig einprägen kann.

Leider darf ich Ihnen keine genaueren Details über diesen Simulator verraten, denn seine Funktionsweise ist streng geheim. Aber in einfachen Worten ist das ein recht fortgeschrittenes Computerprogramm. Da werden zwar keine Fliehkräfte oder Bewegungen simuliert, dennoch ist das Ganze keine normale Playstation, sondern viel näher dran an der Formel 1. So ähnlich wie ein Flug-Simulator: Ich sitze in einem echten Cockpit mit F1-Lenkrad und Pedalen und sehe die Strecke dreidimensional vor mir. Das ist so real, wie es am Computer sein kann. Nicht perfekt, aber schon sehr nah dran. Und es hilft enorm.

Denn so brauche ich mir den Streckenverlauf nicht erst am Rennwochenende einzuprägen. Wenn ich am Donnerstagabend erstmals die Strecke abgehe, kann ich mich um so stärker auf die Details konzentrieren. Zugegeben: Eigentlich mache ich das nur aus Aberglaube, denn man kann die Streckenbesichtigung zu Fuß nicht mit dem Fahren vergleichen. Es ist ein Riesenunterschied, ob du in einer Kurve stehst oder mit 300 km/h fast auf dem Fußboden sitzend angeflogen kommst.

Dennoch schaue ich mir die Besonderheiten jeder Piste an und präge sie mir so gut wie möglich ein. Wo ist eine Bodenwelle, oder wann folgt auf eine Kurve eine weitere? In diesem Fall kann ich schon bei der Besichtigung erkennen, was an diesem Punkt wichtiger ist: schnell in die erste Kurve hineinzufahren oder gut rauszukommen. Denn in einer Kurvenkombination brauchst du am Ausgang der ersten Ecke weniger Schwung, als wenn eine Gerade folgen würde. Also weiß ich, ob ich da voll reindonnern und ruhig einen kleinen Quersteher riskieren kann oder nicht.

Papa Keke studiert für Nico die Konkurrenz

Wenn ich dann das erste Mal im Formel-1-Auto auf die neue Strecke fahre, ist das eine heikle Sache. Zunächst muß ich die richtigen Bremspunkte finden. Meistens orientiere ich mich an Markierungen auf dem Asphalt oder am Streckenrand, manchmal auch an Bäumen und Büschen, Unebenheiten oder Schildern. Denn an vielen Strecken stehen Anzeigetafeln, die dir sagen, in wieviel Metern die nächste Kurve kommt.

Außerdem teste ich, wie sehr ich die Randsteine in meine Ideallinie einbeziehen kann. Die Curbs sind an jeder Rennstrecke anders. Mal kann man mehr drüberräubern, mal sollte man sie meiden. Langsam aber sicher taste ich mich so in jeder Kurve immer weiter ans Limit heran und werde Runde für Runde schneller. Muß ich auch, sonst wäre ich ganz schnell ganz weit weg. Manchmal hilft es, wenn man eine Weile hinter erfahreneren Konkurrenten herfährt und sich so die Ideallinie abschaut.

Aber auch mein Vater Keke unterstützt mich. Beim Testen in Valencia stand er zum Beispiel genau an der Kurve, in der mein Motor geplatzt war. Als ich dann aus dem Auto geklettert war, fragte ich ihn, ob meine Konkurrenten die Kurve genauso anfahren wie ich. Tatsächlich hatte er aber beobachtet, daß andere Fahrer mit mehr Schwung in die Ecke reinfahren konnten, weil sie eine andere Linie bevorzugten. Deshalb werde ich meinen Vater vielleicht das ein oder andere Mal darum bitten, sich wieder in eine bestimmte Kurve zu stellen, um zu beobachten, was die anderen denn da so machen.

Generell lerne ich neue Strecken zwar superschnell, aber weil die neuen Motoren zwei Rennwochenenden lang halten müssen, werde ich am Freitag und Samstag kaum zum Fahren kommen. Das ist leider ein wenig unvorteilhaft für mich und könnte ein kleines Problem werden. Normalerweise braucht man nämlich schon einen ganzen Test-Tag, um eine neue Piste richtig zu erforschen. Denn jeder Kurs hat seine Besonderheiten, zum Beispiel Kurven, die untypisch angefahren werden müssen. Und erst wenn man die beherrscht, hat man die letzten und wichtigsten zwei bis drei Zehntelsekunden gefunden.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.