Exklusiver Fahrerlehrgang — 27.06.2008
Die Bugatti-Fahrschule
Millionäre, aufgepasst: Hier kommt die exklusivste Fahrschule der Welt. Für 6000 Euro können Bugatti-Kunden jetzt lernen, ihren 1001-PS-Veyron richtig um die Kurven zu werfen. AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König spielte König für einen Tag.
"Feeling the Pulsschlag" wäre im Moment passender.
Für Fahrschüler gilt strikt das 375-km/h-Limit
Pierre-Henri erklärt mir erst einmal das Handwerkszeug: sieben Gänge mit DSG-Schaltung, Carbonbremsen, die mich in 2,3 Sekunden von 100 km/h zum Stillstand bringen, der
Quattro-Turbo-16-Zylinder, der mich in 2,5 Sekunden wieder auf 100 bringt, und so weiter. Müsste ich eigentlich alles schon wissen als Bugatti-Owner. Aber es soll Leute geben, die stellen sich diesen rollenden Barscheck in die Garage, ohne sich für das Kleingedruckte zu interessieren. "Den Topspeed-Key lassen wir heute in der Tasche", sagt Pierre-Henri. Die Rede ist vom zweiten Bugatti-Schlüssel. Nur damit kann man in 55,6 Sekunden die Höchstgeschwindigkeit von 408,47 km/h erreichen. Aber nur mit abgesenktem Heckflügel, minimaler Bodenfreiheit und geradeaus. Zu kurze Geraden und zu viele Radarpistolen rund um Molsheim, der elsässischen Bugatti-Heimat, sprechen dagegen. Und die Rennstrecke "Anneau du Rhin", ein späterer Programmpunkt, gibt das auch nicht her. Also heute nur 375 km/h. "Halb so schlimm", sage ich und nehme wie befohlen erst mal auf dem Beifahrersitz Platz. "Wir bieten hier kein spezielles Highspeed-Training, weil ein Veyron das nicht erfordert", erläutert mein Fahrlehrer, während wir die Rheinebene ansteuern. "Es geht darum, richtig zu fahren und die Grenzen kennenzulernen." Schließlich handele es sich fahrtechnisch nicht um eine extremes Gerät, sondern um ein ganz normales Auto. Ach so. Wir halten an, Pierre-Henri drückt die Launch-Control-Taste: "Jetzt Gang einlegen, linken Fuß auf die Bremse, rechten Fuß auf Anschlag, Bremse lösen."
Der Bugatti, soeben noch lammfromm, schleudert uns mit einer Urgewalt in die Kulisse, die mir das Blut aus dem Schädel presst. Raum und Zeit stehen plötzlich in einem surrealen Verhältnis – völlig irre. "In 7,3 Sekunden auf 200 und alles kinderleicht", vermeldet der Meister. Ich antworte mit hysterischem Gelächter. Zehn Minuten später, und es hat sich ausgelacht, denn nun sitze ich hinter dem Lenkrad. Wir kurven über das Trainingsgelände: volle Beschleunigung, Vollbremsung, Ausweichen, Slalom. Die Lektion: Normalerweise scheint ein Veyron die Physik außer Kraft zu setzen, aber wenn es nass ist, kann schon Tempo 70 zu viel sein. Noch ein paar Pirouetten – dann lotst mich Fahrlehrer Pierre-Henri auf den Rennkurs. Ein Mann mit Nerven wie Bandnudeln. Einführungsrunde, endlich Feuer frei – spätestens jetzt ist die Bugatti-Schule ihr Geld wert, denn es hagelt Aha-Erlebnisse:
Sensationell, wie einem das 1,9-Tonnen-Monster aus der Hand frisst, unglaublich, wie man sich an alles gewöhnt, selbst an 1001 PS. In Wahrheit sogar eher 1050, verkündet Pierre-Henri, während wir zum Schluss noch auf seiner Lieblingsstrecke in die Vogesen aufbrechen. "Und, wie war ich?" "Gut", sagt er höflich. Die Einschränkung "für einen alten Sack mit Bauchansatz und Lesebrille", lässt er netterweise weg. Bugatti-Kunden werden es ihm danken.
| Technische Daten Bugatti Veyron 16.4 | |
|---|---|
| Motor/Hubraum | 4 Turbos/7993 cm³ |
| Leistung | 736 kW (1001 PS) |
| Drehmoment bei U/min | 1250 Nm/2200 |
| 0–100 km/h | 2,5 s |
| 0–200 km/h | 7,3 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 408 km/h |
| Verbrauch (l/100 km) – CO2 | 24,1 l SP – 571 g/km |
| Bremsweg 100–0 km/h | 31,4 m |
| Preis | ab 1.309.000 Euro |

































