Expedition Deutschland, Folge 4

Expedition Deutschland, Folge 4 Expedition Deutschland, Folge 4

Expedition Deutschland, Folge 4

— 14.08.2003

Hier beginnt Dschungel-Deutschland

Entlang der Deutschen Glasstraße einen ungetrübten Blick auf den Urwald werfen. Wo unser Land rau und zerbrechlich zugleich ist.

Indiana Jones lässt grüßen

Motor aus, Radio aus. Und durchatmen, zur Ruhe kommen. Draußen ist es dunkelgrün. Irgendwo dahinten plätschert leise ein Bach. Das Ohr gewöhnt sich langsam an die Stille. Das ist es, das ist Erholung für die Seele. Das ist der Seelensteig.

Selbst viele Einheimische kennen den 1,3 Kilometer langen Rundweg durch den Ur-Wald nicht. Hier, ein Stück außerhalb des Örtchens Spiegelau im Bayerischen Wald, hier beginnt Dschungel-Deutschland: ein naturbelassenes Waldstück, um das sich kein Förster schert. Ein Marsch auf drei schmalen Brettern zwischen entwurzelten Bäumen, deren totes Gerippe bizarr in der Luft steht wie ein starres Windrad. Vorbei an braunen Tümpeln, meterhohem Farn und dickem Waldgras, das sich wie Matten über dieses natürliche Chaos legt.

"Gehen Sie nur, gehen Sie nur hinein", fordert Stephan Freiherr Poschinger von Frauenau auf. Na, dann ab in den Dschungel, der Mann kennt sich schließlich aus – seit 1568 lebt seine Familie hier. Sie lebt vor allem von dem Quarz, der Pottasche und dem Holz im Boden.

25 Bäume aus purem Glas

Denn das sind die wichtigen Zutaten für – Glas! Die Poschingers sind das älteste und letzte Glasherrengeschlecht der Welt. Und folglich verläuft hier auch die Deutsche Glasstraße. Auf einer Länge von 250 Kilometern zwischen Neustadt an der Waldnaab und Passau an der Donau.

Und mittendrin, an der Burg Weißenstein bei Regen, findet man das perfekte Zusammenspiel von Glas und Wald: den "Gläsernen Wald". 25 Bäume aus Glas hat der Künstler Rudolf Schmid bereits fertig gestellt; 80 sollen es einmal werden.

Doch der Betrieb von Poschingers ist nicht nur auf Glas gebaut. Ein 111 Hektar großer Gutsbetrieb ist Heimat von Rotwild, Wapitis, Damwild, Mufflons und neun Bisons. Dazu kommen 2300 Hektar Mischwald. Anders als am "Seelensteig" kämpft hier Förster Erich Eich, begleitet von seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund Asko, gegen Borkenkäfer.

"Die Formel 1 der Schlittenhunde"

Nicht weit vom Gutshof entfernt wird die Idylle plötzlich rasant. "Die Formel 1 der Schlittenhunde" nennt Gregor von Gumppenberg seine "Scandinavian Hounds", eine Kreuzung aus ursprünglichen Schlittenhunden und Jagdhunden. Der 28-Jährige bietet "Husky and Horse Events" an, das sind unter anderem Hundeschlittenfahrten durch den verschneiten Bayerischen Wald.

An diesem Hundstag mit 33 Grad im Schatten ziehen Amber, Maggie, Pünktchen und die anderen den Skoda Octavia über das Feld. "Eigentlich lasse ich die Hunde bei solchen Temperaturen ja nicht raus", sagt von Gumppenberg, der in diesem Jahr bei der Deutschen Meisterschaft in der "8-Hunde-Klasse" Dritter wurde. Aber nur das leiseste Rasseln des Geschirrs lässt die Tiere vor Vorfreude zwei Meter in die Luft springen.

Ungefähr genauso hoch springen in Bischofsmais die Mountainbiker. Am Fuße des 1097 Meter hohen "Geißkopfs" hat im "Bike-Park" gerade die Deutsche Meisterschaft stattgefunden. Nun sind wieder Hobby-Radler da wie der neun Jahre alte Rainer aus Habischried, dem Nachbardorf. "Geht doch gut ab hier", sagt er keck. "Ist echt Feuer drin." Ein paar Autominuten weiter brennt's richtig.

"Immerhin gibt's ordentlich Kohle"

"Schaun Sie nur, wie das glänzt", fordert Ursula Häusler auf. "Das liegt am hohen Kohlenstoffanteil." Stolz zeigt sie ein Stück Holzkohle. "So was nimmt man nicht zum Grillen – das ist für die Industrie." Sie und ihr Mann Oskar führen eine der letzten ursprünglichen Köhlereien in Deutschland. Hinterm Haus bei Frauenau raucht ein Meiler vor sich hin; 40 Meter Holz, bedeckt von schwarzer Erde. "In zehn Tagen ist die Kohle fertig", sagt Oskar.

Seit 53 Jahren arbeitet Häusler als Köhler. Chemische und Metallindustrie kaufen ihm die Holzkohle ab. "Meiler beobachten ist ein Fulltimejob", erklärt er. Sohn Stefan wird den Betrieb übernehmen.

Ob man damit reich wird? "Reich? Na, immerhin gibt's ordentlich Kohle", antwortet Köhler Oskar und beobachtet weiter seinen Meiler. So vergehen die Tage zwischen Ur-Wald und Glasstraße, zwischen Husky und Holzkohle. Und schließlich: Motor an und zurück – von unserer Expedition Deutschland.

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