Interviews zum Thema Partikelfilter

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH)

Experten-Interviews zum Thema Partikelfilter

— 21.06.2006

Streitpunkt Smart

Partikelfilter beim fortwo cdi – drin oder nicht? Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert Smart, der Autobauer wehrt sich.

Interview mit Jürgen Resch (DUH)

Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) wirbt Smart damit, daß der fortwo cdi über einen Dieselpartikelfilter verfüge – obwohl dies gar nicht der Wahrheit entspreche. AUTO BILD ließ zu diesem Thema beide Seiten Stellung beziehen: DHU-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch und DaimlerChrysler-Sprecher Hubert Kogel.

AUTO BILD: Sie werfen DaimlerChrysler Verbrauchertäuschung beim Smart vor. Warum? Resch: DaimlerChrysler behauptet, daß der Smart fortwo cdi über einen Dieselpartikelfilter verfüge. In Wahrheit hat er nur einen viel weniger wirksamen PM-Katalysator, ein sogenanntes offenes System. Dadurch stößt der Wagen pro Kilometer 21,7 mg Partikel aus, das reicht gerade für die Euro-4-Norm. Neufahrzeuge mit echtem Partikelfilter unterschreiten dagegen die geplante Euro-5-Norm und liegen meist bei unter 1 mg/km.

Müssen Smart-Fahrer befürchten, daß auch sie die geplante Straßensteuer von 300 Euro für Autos ohne Filter zahlen müssen? Nein, sie gilt für ab 2007 zugelassene Neufahrzeuge. Allerdings soll ab 2008 auf Altfahrzeuge ohne Partikelfilter eine um 40 Euro erhöhte Kfz-Steuer erhoben werden.

Gehen auch andere Hersteller beim Partikelfilter so vor? Nein, das ist bisher ein Einzelfall. Allerdings haben auch einige Importeure nachgefragt, ob sie so einen bis zu 200 Euro billigeren PM-Kat einbauen können, um mit dem Prädikat "Filter an Bord" attraktiver zu sein. Bisher haben sie dies aber nicht gemacht. Das ist auch gut so: Nur der echte, geschlossene Filter reinigt zu 99 Prozent und erreicht den künftigen EU-Grenzwert.

Interview mit Hubert Kogel (DaimlerChrysler)

AUTO BILD: Was sagen sie zu den Vorwürfen der Deutschen Umwelthilfe? Kogel: Die Umwelthilfe hat sich da selbst eine Definition für den Partikelfilter zurechtgelegt, die überhaupt nicht auf dem normalen Sprachgebrauch basiert. Nach diesem ist auch ein offenes System, wie wir es beim fortwo cdi verwenden, ein Partikelfilter. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg sieht das übrigens ganz genau so.

Warum haben sie sich denn für diesen Filter entschieden und nicht für das wirkungsvollere geschlossene System? Das offene System hat den Vorteil, daß es nicht in die Motorsteuerung eingreift und deshalb leicht nachgerüstet werden kann. Ein geschlossenes System wäre dagegen mit hohen Kosten verbunden.

Aber so laufen sie Gefahr, mit dem fortwo die künftige Euro-5-Norm nicht zu schaffen. Bislang weiß man nur, daß es diese Norm irgendwann geben soll. Wann sie wirklich kommt und welche Grenzwerte sie dann beinhaltet, wissen wir noch nicht. Deshalb bleiben wir bei unserem Standpunkt: Heute gilt Euro 4, und das ist für den Kunden relevant. Davon abgesehen: Der fortwo ist nun wirklich ein sehr umweltfreundliches Auto mit wenig Verbrauch und Emission.

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