Extra-Tour – Neuer Hockenheimring

Neuer Hockenheimring Neuer Hockenheimring

Extra-Tour – Neuer Hockenheimring

— 09.07.2002

Schnelle Aussichten

Vom 26. bis 28 Juli gastiert die Formel 1 auf dem Hockenheimring. Dann wird nichts mehr so sein, wie es war. Wir haben die neuen Kurven und Perspektiven gecheckt. Urteil: Nix wie hin!

Die Piste wurde auf den Kopf gestellt

Jean Alesi strahlt übers ganze Gesicht. Die Augen des Rennfahrers blitzen. Während sein Mercedes CLK DTM, mit dem er nur Minuten zuvor den neuen "Hockenheimring Baden-Württemberg" eingeweiht hat, von einigen Mechanikern für den Rücktransport ins nahe gelegene Stuttgart vorbereitet wird, sprudelt es aus dem begeisterten Ex-F-1-Piloten heraus: "Ich bin absolut happy. Mit dem Umbau ist den Verantwortlichen ein großer Wurf gelungen. Die haben tatsächlich an alles gedacht – an uns Rennfahrer. Und an die Show."

Was heißt das konkret, Monsieur Alesi? "Die Haarnadelkurve eignet sich ausgezeichnet für Überholmanöver, was nicht zwingend vor jeder Spitzkehre der Fall ist. Und neben dem Motodrom entstand damit für die Fans ein zweiter faszinierender Streckenabschnitt – wohl der beste des gesamten Kurses." Alesi spricht ohne Punkt und Komma. Von der traditionellen Streckenführung hatte er längst Abschied genommen: "Von der Sicherheit her war der alte Kurs mit seinen extrem schnellen Waldpassagen für moderne Rennwagen absolut am Limit." Und nun? Für die Zuschauer heißt es jetzt, sich neu zu orientieren.

Während sich die Veränderungen innerhalb des Motodroms (noch) auf geringfügige Retuschen beschränken, wurde die Piste jenseits der Nordkurve völlig auf den Kopf gestellt. Noch wirkt das Terrain rings um den neuen Streckenabschnitt atmosphärisch öde und wüst. Das Mondbild wird sich schon bald ändern. Das gesamte Areal wird begrünt, und die Montage mächtiger mobiler Tribünen, die das Fassungsvermögen von 110.000 und 120.000 erhöht, hat bereits vor wenigen Tagen begonnen.

Die Zuschauer sind noch näher dran

Vorläufig stellt die neue, hochmoderne Mercedes-Tribüne mit Blick auf das davor entstandene "kleine Motodrom" den markantesten optischen Fixpunkt dar. Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug schwärmt: "Wir wollten eine erstklassige Tribüne verwirklichen. Ich glaube außer in Monte Carlo sind die Zuschauer nirgendwo sonst so nahe am Geschehen wie hier." Außer im alten Hockenheimer Motodrom. Der Blick auf die meisten der neuen Streckenteile ist in der Tat atemberaubend. Um ein Haar wäre der Bau des Komplexes mit 6500 Sitzplätzen nicht fristgerecht fertig gestellt worden: Holzmann, die beauftragte Baufirma, kollabierte nach Baubeginn. Nichts ging mehr. Dann klotzte die Nachfolgefirma ohne Rücksicht auf Feiertage derart ran, dass der Zeitplan gehalten wurde.

Während dort, wo noch 2001 mit über 350 km/h in Richtung Ostkurve "geflogen" wurde, bereits Setzlinge ihre Wurzeln für die Wiederaufforstung schlagen, ist die Planung für eine Modernisierung des Original-Motodroms bereits abgeschlossen. Bis 2003 wird sich das Gesicht des Hockenheimrings nochmals drastisch verjüngen: Die Südtribüne wird um vier nebeneinander liegende Blöcke aufgestockt. Darüber entstehen 16 VIP-Logen. Auf dem Kamm der Nordtribüne wird der Erweiterungstrakt des Hotels "Motodrom" hochgezogen.

Die Baukosten steigen damit von bisher 32 Millionen auf insgesamt 62 Millionen Euro. Deutschland klotzt. Und Architekt Hermann Tilke geht davon aus, dass es sich lohnt. "Die neue Piste wird für mindestens zehn Jahre Formal-1-tauglich sein", sagt er. Der 47-jährige Ex-Rennfahrer ist stolz darauf, den Charakter der Strecke (Schnitt: 195 km/h statt 220) mit der 1047 Meter langen Querspange "Parabolika" (laut Tilke die "längste Kurve der Welt") – bewahrt zu haben. Hockenheim wird wohl was ganz Besonderes.

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