Extrem-Tuning

Extrem-Tuning von Geiger Extrem-Tuning von Geiger

Extrem-Tuning

— 09.10.2007

Mein Laden brummt!

Verbrauch und CO2 interessieren den Extrem-Tuner Karl Geiger nur am Rande. Er baut Autos mit viel Durst und noch mehr PS. Seine "Hinterhofwerkstatt" ist schon viel zu klein geworden.

Hybrid. Karl Geiger spricht das Wort wie eine Mischung aus Highway und Hybrid. "Highbrid", das klingt nach Geschwindigkeit, Tempo, PS. Und nicht nach buckeligen Öko-Mobilen à la Toyota Prius. Und überhaupt: Erdgas, Hybrid, Elektro, die Schlagwörter der IAA in Frankfurt – Extrem-Tuner Geiger nimmt sie nur ungern in den Mund. "Die Hersteller malen sich Blümchen an den Stand und denken, alles wäre gut. Aber die Leute legen nun mal viel Wert auf Leistung. Immer noch", sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. Umwelt? Für Geigers Kunden eher ein Randthema. Zwar bestellen einige von ihnen Autogasanlagen. Aber nicht, um die Umwelt zu schonen: "Die wollen eher sparen." Der Erfolg gibt dem 48-Jährigen recht.
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Mechaniker streiten sich um freie Hebebühnen

Edles Hummer-Buffet: Mehr als 100 amerikanische Neuwagen hat Geiger auf Lager.

400 Hummer, Corvette, Ford GT und viele andere Ami-Schlitten pro Jahr verkauft der frühere Oldtimer-Restaurator – im Schnitt mehr als einen Wagen am Tag. Auf dem Firmengelände hat Geiger ein gut 100 Meter langes Hummer-Büfett aufgebaut: nagelneue Fahrzeuge, in Reihe geparkt. "150 Autos haben wir immer auf Lager. Und die stehen nicht lange. Davon träumen viele Vertrags-händler", sagt er stolz. Während der Chef redet, streiten sich in der Werkstatt zwei Mechaniker um eine Hebebühne, im Verkaufsraum stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Die "Hinterhof-werkstatt " – Originalton Geiger – in München-Trudering ist viel zu klein geworden, der gesamte Betrieb zieht demnächst ins Münchener Umland. Nur die örtlichen Grünen wehren sich gegen die neuen Nachbarn. Noch. Geiger weiß: "Alle anderen Politiker sind dafür." Seine besten Kunden sind neurdings Rumänen. "Das Land ist seit seinem Beitritt zur Europäischen Union komplett im Aufwind, die Leute da lieben den Hummer", so Geiger. Die Jünger des PS-Papstes kommen außerdem aus Deutschland, Sibirien, Dubai oder sogar aus den USA. Ein texanischer Sheriff wollte den schnellsten Hummer der Welt. Und bekam ihn: 700 PS, sieben Liter Hubraum, 904 Newtonmeter Drehmoment, 250 km/h Spitze. Verbrauch: jenseits von Gut und Böse. CO2? Wohl knapp 400 Gramm pro Kilo-meter. Als der Deal bekannt wurde, schrieben erboste Amerikaner mehr als 100 Beschwerdemails. Darin beklagten sie aber nicht den vermeintlichen Umweltfrevel. "Die meisten waren sauer, dass amerikanische Steuergelder in Deutschland ausgegeben wurden."

"Die Leute wollen Autos mit Leistung. Trotz Öko-Diskussion"

Dieser mattorange lackierte Hummer GT kostet 139.000 Euro. Dafür blubbern auch 533 PS unter der Haube.

Ein Viertel seiner Neuwagen schärft Wahl-Müchener Geiger noch mal nach. Bei Fans rasender Schrankwände ganz hoch im Kurs: das Kompressor-Kit, zum Beispiel für den Hummer. Macht beim H2 knapp 15.000 Euro Aufpreis und 533 statt 325 PS. Verbrauch? Zwischen 25 und 32 Liter, je nach Fahrweise. Darf es etwas mehr sein? Klar, geht immer. Fast immer. Denn sobald Geiger seine Kreationen auf 700 und mehr PS hochschraubt, wackelt die Messlatte Euro 4. "Erst baut man's, und dann kommt das Auto nicht durch den TÜV", gibt er etwas frustriert zu. Doch irgendwie hieven seine 15 Angestellten die CO2-Schleudern dann doch noch über die Öko-Hürde. Trotz 710 PS und einer Beschleuningung von null auf 300 km/h in weniger als 30 Sekunden bekommt Geigers Ford GT das Prädikat Euro 4 (310 Gramm CO2). Auch die 350 km/h schnelle und 623 PS starke Corvette C6 Biturbo (125.000 Euro) schafft die für Neuzulassungen verbindliche Norm. Besonders Kunde Gregor Vodermair ärgert sich über die nicht enden wollende Klimadiskussion. Mit seiner 550-PS-Corvette Z06 spult er gerade mal 2000 Kilometer pro Jahr ab. Den Rest des Jahres schlummert das 100.000-Euro-Geschoss als Steh-Geiger in der Garage. "Auch wenn der Sprit noch teurer wird, fahre ich weiter", sagt der Tiefbauunternehmer und Baggerführer. Für seine Corvette würde der 45-Jähige jeden Porsche oder Ferrari verschmähen: "Denn bei denen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht." 700, 800 bald vielleicht 1000 PS, wie viel geht da noch? "Ich glaube, dass es langsam genug ist", sagt Karl Geiger nachdenklich.

Vor ein paar Wochen hatte ein Angestellter in München einen schweren Unfall. Ein Firmenbolide donnerte aus ungeklärter Ursache in eine Bushaltestelle und verletzte eine Frau schwer. "Das hat mich nachdenklich gemacht", sagt Familienvater Geiger. Guten Gewissens verkauft er seine PS-gewaltigen Autos deshalb nur an geübte Fahrer. Und wenn ein 19-jähriger Millionärssohn mit einem Koffer voll Geld im Laden steht? "Ich bin nun mal Geschäftsmann. Der kriegt den Wagen trotzdem", sagt Geiger. Denoch bewies der Unternehmer neulich Verantwortung. Ein Hummer-Kunde trat seinen 533-PS-Hummer wie einen Sportwagen. Die Vierstufenautomatik ließ den viel zu starken Motor überdrehen, die Techniker bauten einen Drehzahlbegrenzer ein. Und zur Sicherheit regelten sie den Wagen bei 210 km/h ab – ohne Wissen des Eigners. Geiger: "Sonst überschlägt der sich irgendwann." Mehr zum Thema Custom Cars.

Autor: Claudius Maintz

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