F-1-Interview: Nick Heidfeld

F-1-Interview: Nick Heidfeld

F-1-Interview: Nick Heidfeld

— 15.05.2007

Geile Zeit

BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld spricht über seinen neuen Spaß am Rennfahren, seine Zukunft im Team und den Kontakt zu Schumi.

Quick Nick Heidfeld hatte einen tollen Einstand in der Formel-1-Saison 2007. Drei vierte Plätze lassen aufhorchen und verschaffen mit BMW der zweiten deutschen Marke eine Position unter den Top-Drei in der Königsklasse. AUTO BILD MOTORSPORT sprach mit dem Nummer-Eins-Piloten der Weiß-Blauen.

AUTO BILD MOTORSPORT: Drei vierte Plätze in den ersten drei Rennen. Haben Sie damit gerechnet, 2007 so gut zu sein?Nick Heidfeld: Nein. Das hat mich schon überrascht. Vor allem Renault hätte ich stärker erwartet. Nur: Jetzt fragen alle, wann der nächste große Schritt kommt und wir den ersten Sieg feiern. Aber wir haben schon Riesenschritte gemacht und wollen uns erst mal da vorn einnisten.

Wie sehr haben Sie das Überholmanöver an Fernando Alonso in Bahrain genossen? Das war der schönste Moment meiner Karriere. Das Fahren macht derzeit so viel Spaß wie noch nie – das ist ’ne geile Zeit!

Konnten Sie bei den Testfahrten in Barcelona den Abstand zu Ferrari und McLaren verkürzen? Wir haben sowohl in der Aerodynamik als auch in der Mechanik und in der Elektronik gute Neuerungen. Bis zum Rennen in Barcelona kommen noch weitere neue Teile dazu. Ich hoffe, dass wir unsere Position als dritte Kraft so behaupten können. Platz fünf bleibt das realistische Ziel.

Wo sehen Sie sich als Fahrer? Ich bin im Moment mit meiner Leistung recht zufrieden. Man ist nie perfekt. Es ist das Wichtigste zu analysieren, wo man sich verbessern kann. Aber nach wie vor ist das nichts, was ich öffentlich betreiben werde.

Warum nicht? Man muss sich nicht selbst nach außen hin schwächen. Das versuchen schon genügend andere Leute für einen zu übernehmen.

Eine Ihrer Stärken ist derzeit der weiche Fahrstil. Wie genau fahren Sie eigentlich? Am besten beschreibe ich mal den harten Fahrstil meines Teamkollegen. Robert (Kubica; d. Red.) lenkt genau wie Alonso mit einer aggressiven Bewegung sehr weit ein. Dabei untersteuert das Auto enorm. Und diese Fahrweise ist jetzt mit den härteren Reifen nicht mehr möglich.

Nick Heidfeld der deutsche Top-Kandidat für die Schumi-Nachfolge.

Und wie fahren Sie? Ich mache kleinere, ruhigere Bewegungen und fahre sehr präzise. Ich musste dieses Jahr nur meine Linienwahl ändern.

Inwiefern? Die Reifen bieten weniger Grip. Ich fahre deshalb ein bisschen spitzer in die Kurve. Das heißt, ich fahre gerader rein und auch gerader wieder raus.

Sie sind jetzt der Führungsfahrer im Team. Wie haben Sie Ihre Arbeitsweise verändert? Gar nicht. In großen Teams ist es nicht so wichtig, Entwicklungen anzustoßen, wie in kleinen. Da sind Fortschritte programmiert, weil mehr Leute und mehr Geld vorhanden sind. Deshalb kann ich mich jetzt besser auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren: Fahren, Setup und Fitness.

Aber wie wichtig ist es, im Team eine Linie vorzugeben, die Leute mitzureißen, so wie Michael Schumacher das gemacht hat? Einige Teams sind von vornherein so motiviert und gut organisiert, dass so etwas nicht so nötig ist. Was immer hilft, ist Erfolg. Wenn du schnell bist – was offensichtlich bei Michael auch der Fall war –, motiviert das allein schon unheimlich.

Sie sind eigentlich immer unterschätzt worden. Haben Sie das als ungerecht empfunden? Jein. Natürlich fand ich mich unterschätzt, aber das hat mich nicht hart getroffen. Ich wusste immer: Wenn ich weiterhin hart arbeite, bekomme ich meine Chance. Ich habe sie jetzt bei BMW und kann endlich zeigen, was ich schon immer draufhatte. Deshalb sehen die Medien mich jetzt auch ein bisschen anders.

Sie sind nach Schumis Rücktritt derzeit der erfolgeichste deutsche Fahrer. Stehen Sie gern im Mittelpunkt? Wenn ich's mir aussuchen könnte, würde ich sagen: lieber so als anders! Aber es ist nicht mein Ziel, bester Deutscher zu sein, sondern Bester in der Formel 1.

Sie wurden kürzlich auch bei Toyota ins Spiel gebracht. Wie sehr beschäftigt sie so was?
Natürlich denke ich über meine Zukunft nach. Auf der anderen Seite haben wir erst drei Rennen hinter uns, und ich bin im Moment recht glücklich bei BMW. Dort würde ich jedenfalls sofort unterschreiben. Und ich bin optimistisch, dass Dr. Theissen mir auch einen neuen Vertrag gibt.

Sie sind jetzt 30. Ist das für Sie eine Zäsur im Leben oder eher unwichtig?
Es läuft nicht einfach so an mir vorbei, weil ich sehe, wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe kein Problem mit dem Alter 30 an sich, fühle mich auch nicht wie 30. Aber das zeigt einem einfach, dass es irgendwann mal vorbei sein wird.

Und wann wird es mit der Formel 1 vorbei sein? Ich habe letztes Jahr gesagt: hoffentlich noch zehn Jahre. Daran hat sich nichts geändert. Formel-1-Fahren ist das Schönste auf der ganzen Welt, und deshalb möchte ich noch lange dabei sein.

Sie sind mit Prost, Jordan usw. durch schwierige Zeiten gegangen. Wobei hilft Ihnen diese Erfahrung heute? Die jetzige Zeit ein bisschen mehr zu genießen. Weil ich genau weiß, dass es auch anders und schlechter laufen kann. Auf der anderen Seite hat es mir gezeigt, dass ich auch so harte Zeiten ohne Probleme bestehen kann. Ich habe nie die Motivation verloren und immer zielgerichtet weitergearbeitet.

Haben Sie noch Kontakt zu Michael Schumacher? Nein. Wir haben uns über Dritte schöne Grüße ausrichten lassen. Mehr war aber früher auch nicht der Fall. Wir haben uns gut verstanden, und das wird auch so bleiben.

Autor: Bianca Garloff

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