Die blonde Flipperkugel

F1-Doppelsitzer: Fahrbericht (2)

— 14.02.2012

Der Fels in der Brandung

AUTO BILD durfte mit einem Formel 1-Doppelsitzer über den Grand-Prix-Kurs von Abu Dhabi rasen. Redakteur Ralf Bach berichtet exklusiv von der irren Fahrt mit 700 PS und 300 km/h!

Na ja! Ich heuchle Verständnis vor, mit dem mildesten Lächeln, das ich zu bieten habe. Gottchen, was sie alles mitgemacht hatte. Wurde zum Spielball der Physik. Die Arme! Für sie war es wie der berühmte Ritt auf der Kanonenkugel. Als hätte sie jemand aus einem Präzisionsgewehr abgefeuert. Ja, es ist die Wahrheit. Ihre Wahrheit. Subjektiv. Es gibt auch noch eine andere Wahrnehmung. Meine. Die fängt damit an, dass ich den Renner gerne selbst gefahren wäre. Mitfahren. Ich komme mir vor wie ein Musiker, der nur gecoverte Songs spielt. Oder wie Achterbahnfahren! Es macht zwar Spaß gegen extreme Naturkräfte anzugehen, aber man hat halt nichts selbst in der Hand.

Der Mann- und Maus-Vergleich: Redakteurin Bianca Garloff im F1-Doppelsitzer

Video: Ralf Bach im Formel 1 Doppelsitzer

Eine Runde Onboard

Ich bin nicht gerade vor Ekstase gelähmt vor der Fahrt. Was ich mir sage: Gut, es ist nicht gerade ein aktueller Red Bull. Es ist auch nicht Sebastian Vettel, der den Chauffeur spielt. Und die 700 PS des circa zehn Jahre alten Formel-1-Motors sind auch schon etwas müde geworden. Aber, was soll´s? Das Auto, bei dem ich mitfahren kann, heißt immer noch Formel 1. Und der Ricci, der kann's ja wohl einigermaßen. Obwohl er Italiener ist. Ich meine, die Jungs vom Stiefel haben in letzter Zeit ja nicht gerade Formel-1-Weltmeister am Fließband produziert. Das Einsteigen ist nicht ganz einfach. Man muss sich so zu sagen rein schälen in den Mit-Fahrersitz. Beim Anschnallen greift mir einer Mechaniker aus Versehen zwischen die Beine in die Weichteile. Das hat echt weh getan. Es sollte das größte Problem werden. Ricci fährt los. Mein Helm ist etwas groß. Damit er mir auf der langen Gerade nicht vom Kopf rutscht, halte ich ihn mit einer Hand am Kinnriemen fest.

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"Die Verzögerung ist nur dann gewaltig, wenn du nicht darauf vorbereitet bist."

Die Beschleunigung aus der Box heraus bis zur ersten Kurve ist nicht schlecht, aber auch nicht beängstigend. Auf der langen Gerade dreht Ricci bis zum siebten Gang voll aus. Ich schätze, wir fliegen mit circa 310 an den Leitschienen entlang. Ich schaue etwas nach rechts, um Strecke, Instrumente im Cockpit und Rückspiegel im Auge zu haben. Vor der Haarnadel geht der Italiener voll in die Eisen. Die Verzögerung ist nur dann gewaltig, wenn du nicht darauf vorbereitet bist. Das ist so, als würde dich einer mitten in der Nacht wachmachen und dir gleich eine verpassen. Ok, wenn dein Körper dir keine Werkzeuge mitgegeben hat, um gegen die Kräfte zu wirken, bist du auch verraten. Sprich: Muskelkraft Die kriegt man halt nicht beim filigranen Umgang mit einem Kajalstift. Ich bremse also kräftig mit, indem ich die Beine mit voller Kraft  gegen die Fußablage presse. Das gelingt gut, der Kopf nickt nur leicht nach vorne. Die Bremsverzögerung habe ich jetzt also im Griff.

Redakteur Ralf Bach hatte schon beim Anschnallen ein unangenhemes Erlebnis.

Was ist aber mit der Querbeschleunigung? Die Links nach Start-und-Ziel geht nahezu voll. Trotzdem bleibt mein Kopf gerade. Das geht also auch – zumindest, wenn man nicht gerade ein Hungerhaken ist und die Halsmuskeln nicht nur dafür hat, um irgendwelche glitzernde Ketten drumzuhängen. Die Fahrt geht über insgesamt zwei Runden. Dann ist sie vorbei. Trotz ängstlicher Prognosen meiner Kollegin war sie kein Problem. Ich habe sie sozusagen auf der linken Arschbacke abgesessen. Dem Ricci gebe ich zum Abschied noch einen Klapps und sage ihm "Nicht schlecht für einen Italiener!" Er hat Humor, weil er darüber lachen kann.

Der Mann- und Maus-Vergleich: Redakteurin Bianca Garloff im F1-Doppelsitzer

Autor: Ralf Bach

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