Redakteure Bianca Garloff und Ralf Bach am Tisch mit Bernie Ecclestone und Tavo Hellmund

F1-Interview: Bernie Ecclestone und Tavo Hellmund

— 12.08.2010

"Alle können nur gewinnen"

AUTO BILD MOTORSPORT spricht mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Tavo Hellmund. Er richtet als Veranstalter 2012 wieder einen Grand Prix in Amerika aus.

ABMS: Die USA gelten als mit der wichtigste Markt für die Formel 1 . 2012 wird es deshalb in Austin (Texas) wieder einen US-GP geben. Wer hatte die Idee dafür?
Hellmund: Ich sah Austin als optimalen Platz an. Deshalb ging ich mit der Idee zu Bernie. Austin ist extrem gewachsen in den letzten 15 Jahren, in jeder Beziehung. Für mich gibt es in den USA keinen besseren Platz, um den GP auszutragen. Man darf nicht vergessen, dass Austin in den letzten Jahren zum  elftstärksten Wirtschaftszentrum der Welt gewachsen ist. Dazu kommt: Austin liegt optimal. Es ist von meinen Landsleuten wunderbar zu erreichen, aber genauso von Mittel– und Südamerika sogar. Das heißt, es liegt von diesem Standpunkt aus gesehen genau in der Mitte. Meine Philosophie ist, dass alles im Leben funktioniert, wenn du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz bist. Ich sah deshalb die Zeit jetzt gekommen. Wir haben einen Vertrag für zehn Jahre, aber, wenn es nach mir geht, können wir auch die nächsten 40 Jahre den GP in Austin haben.

Umfangreiche Informationen über die Formel 1

Tavo Hellmund erwartet eine große Fangemeinde zum amerikanischen Grand Prix.

ABMS: Herr Ecclestone, was waren Ihre ersten Eindrücke von Austin?
Ecclestone: Zunächst einmal: Wir wollten in eine Gegend gehen, die jeder auf der Welt kennt. Texas ist weltbekannt, das hat also wunderbar in die Pläne gepasst. Und Austin ist wunderschön. Wer es das erste Mal sieht, wird begeistert sein. Dazu kam: Ich kenne Tavo Hellmund seit seiner Geburt?
ABMS: Wieso das?
Hellmund: Mein Vater und Bernie sind seit Jahrhunderten befreundet. Als Kind habe ich deshalb schon Urlaube mit Bernie verbracht. Das führte auch dazu, dass ich schon sehr früh den Zugang zur Formel 1 bekommen habe, die natürlich bei Gesprächen immer ein Thema war. Mein Vater beispielsweise war jahrelang für die Organisation des GP von Mexiko verantwortlich. Bernie hielt immer den Kontakt zu mir, erkundigte sich nach meiner Firma, freute sich über die Erfolge, die wir beispielsweise bei der Austragung von anderen Motorsportevents oder großen Musikfestivals in Austin feiern konnten. Bernie vertraut darauf, dass ich nicht nur die Besonderheiten der Formel 1 kenne, sondern auch die Bedürfnisse des amerikanischen Publikums.
ABMS: Was musste passieren, dass der Traum Realität wurde?
Ecclestone: Wir mussten prüfen, ob es auch wirklich machbar ist. Beispielsweise, ob die Sicherheit gewährleistet werden kann. Ein solches Megaevent braucht Zweit, bis man sicher sein kann, dass alles optimal funktionieren wird.

Engagierte Agentur vermarktet auch die amerikanische NFL und NBA

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone überlegt, den GP USA zeitlich abgestimmt auf den GP Kanada laufen zu lassen.

ABMS: Bisher war es nicht einfach für die Formel 1 in den USA Fuß zu fassen. Wie soll Austin das schaffen?
Hellmund: Unter anderem deshalb, weil wir Agenturen als Partner haben, die das Beste vom Besten sind. Sie haben Erfahrung von Vermarktung in der NFL und NBA, sie berieten beispielweise Bill Clinton und Barak Obama im Wahlkampf.  Unser Ziel ist es, unseren GP nicht nur als ein „Muss“ in den USA zu etablieren, sondern auch weltweit zum Ereignis zu machen. Die Amerikaner sollen stolz auf dieses Ereignis sein. Dazu gehört, dass wir eine Rennstrecke bauen, die zum Erkennungsmerkmal wird. Bernie gab uns die Plattform, wir werden diese jetzt nutzen. Wir nutzen auch prominente Texaner, die den GP in der Öffentlichkeit ankurbeln werden?
ABMS: Wen zum Beispiel?
Hellmund: Wir haben Lance Armstrong, der aus Texas stammt und schon seit Jahren in Austin wohnt. Motorradsuperstar Kevin Schwantz, einer meiner engsten Freunde, ist in unser Projekt involviert. Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock lebt ebenfalls in Austin und könnte was machen.

USA immer populär

ABMS: Trotzdem: Ist nicht zum Beispiel die NASCAR ein zu starker Konkurrent…
Ecclestone: …Stop! Wann immer wir bisher in den USA waren, kamen viele Zuschauer, die begeistert und fasziniert waren. Das war in Long Beach so, das war in Dallas so. Auch in Indy. Nur: Die Promoter dort glaubten, sie könnten es besonders in finanzieller Sicht besser machen als wir. Die Probleme in Indy haben nichts mit uns zu tun. Wir waren in den USA was die Fans betrifft immer populär.
Hellmund: Das stimmt. Was man haben muss, ist die totale Unterstützung auch der jeweiligen Regierungen. Das ist bei uns der Fall. Außerdem: Was gibt es besseres für eine Gegend oder Stadt, als einen solchen High-Tech-Sport wie die Formel 1 als festen Bestandteil in Deinem „Vorgarten“ zu haben. Auf einer permanenten Rennstrecke…
Ecclestone: …Genau das ist es: Machen wir uns nichts vor:  Es ist für Promoter doch relativ einfach bei Straßenkursen Zäune zu bauen und wieder abzubauen.
Hellmund: Wir haben was Großes vor, dass Konstanz hat. Bernie hat brillante Ideen, wie man das eigentliche Rennwochenende noch steigern kann. Mit begleitenden Events im Park, Riesenpartys. Das ist kein Märchen oder Zauberei, sondern wir können es machen. Davor steht allerdings knallharte Arbeit.

Die neue Strecke soll Meisterwerk in Fanfreundlichkeit werden

Die Formel 1 wird ab 2012 wieder in den USA starten. In Austin (Texas) wird die neue Rennstrecke gebaut.

ABMS: Wie soll die Rennstrecke an sich denn aussehen?
Hellmund: Wundervoll, ich habe den Streckenarchitekten Herman Tilke und Peter Wahl meine Vorstellung übermittelt. Es gibt viel Höhenunterschied, sie wird sehr schnell sein mit schwierigen Kurven und, das wichtigste, sie muss ein Meisterwerk werden in Sachen Fanfreundlichkeit. Die Zuschauer sollen von jedem Punkt aus einen größeren Teil der Strecke einsehen können.
ABMS: Wie sieht der genaue Zeitplan aus?
Hellmund: Im Sommer wird das Layout der Strecke fertig. Das wird im September zur Abnahme der FIA-Kommission vorgelegt.
ABMS: Ist es nicht so, dass man ihren Landsleuten eine Art „Barbecue-Stimmung“ vermitteln muss? Das heißt, sie dürfen nicht das Gefühl haben, dass man sie auf enge Tribünenplätze kaserniert, sondern sie brauchen viel Platz im Grünen, wo sie vier Tage ihr Wohnmobil hinstellen können und jeden Abend Party machen können.
Hellmund: Absolut! Genau das haben wir vor. Weil wir ja nicht nur ein Rennen veranstalten wollen, sondern einen Event, bei dem das Rennen nur ein Teil davon sein wird.
ABMS:
Herr Ecclestone, wie wichtig ist denn für Sie persönlich, die Formel 1 zurück in die USA zu holen?
Ecclestone: Im Prinzip ist es ganz einfach: Wir nennen uns Weltmeisterschaft. Da gehört ein Rennen in den USA mit dazu. Aber wir würden nicht um jeden Preis da fahren. Wir würden auch keine faulen Kompromisse dafür eingehen. Wir haben jetzt jemanden gefunden, der genauso denkt wie wir. Und das heißt: First Class, in jeder Beziehung.
ABMS: Hersteller wie Mercedes jubeln sicherlich, wenn man in die USA zurückkehrt?
Ecclestone: Klar applaudieren sie.
Hellmund: Und sie werden schnell feststellen, warum: Weil ich nicht mich oder Bernie glücklich machen will, sondern Fans, Regierung und Partner. Und die Hersteller sehe ich als Partner an. Ich könnte nachts nicht mehr schlafen, wenn auch nur einer dieser Kette nicht zufrieden wäre. Um ein Bild zu verwenden: Ich will ihnen nicht versprechen, ein Budweiser zu verkaufen, aber in der Flasche ist gar kein Bud drin…
Ecclestone (lächelnd): Tavo, bitte keine Werbung an dieser Stelle…

"Ein Amerikanisches Formel-1-Team wäre schön"

Radrennfahrer Lance Armstrong stammt auch aus Texas. Er soll möglicherweise als Fanmagnet dienen.

ABMS: Glauben sie, die Hersteller und Teams werden Ihr Vorhaben unterstützen?
Hellmund: Ich denke ja. Sie werden Showcars und andere Dinge schicken, das wäre doch logisch. Im Prinzip können alle doch nur gewinnen: Die Formel 1 , die Teams, die Hersteller, der Staat Texas, einfach alle.
ABMS:
Bräuchte die Formel 1 nicht noch zusätzlich ein amerikanisches Team oder einen US-Piloten, um in den USA Erfolg zu haben?
Hellmund: Bernie glaubt das, ich weiß. Ich denke, dass es natürlich toll wäre, einen US-Piloten zu haben. Ein Team wäre schön, aber nicht unbedingt notwendig. Ich sehe eine andere Möglichkeit. Da gibt es denn Mexikaner Perez, der in der GP2 einen guten Job macht. Für ihn könnte unser GP 2012 ein Heimrennen sein. Denn bedenken Sie: Mexiko ist nur knapp 250 Kilometer von Austin entfernt.
Ecclestone: Seine Karriere wird in Mexiko mit großem Interesse verfolgt. Das kann ich bestätigen. Was die US-Fahrer betrifft: das haben wir in letzter Zeit versucht. Aber da fehlte vielleicht die richtige Einstellung. Das Problem: In den USA kannst du erfolgreich sein, ohne den großen Aufwand betreiben zu müssen, der in der Formel 1 nötig ist. Aber: Eine Frau wie Danica Patrick in der Formel 1 zu haben, wäre ein Traum, klar.
ABMS: Steht schon fest, in welchem Monat der GP stattfinden soll.
Ecclestone: Das müssen wir noch schauen. Aber logisch wäre es, ihn in die Nähe des Rennens von Montreal zu legen. Das heißt, irgendwann im Juni.
ABMS: Wird es bei einem Rennen in den USA bleiben?
Ecclestone: Fest steht: Austin wird der US GP. Aber das heißt nicht, dass wir zusätzlich nicht noch ein Rennen in den USA fahren können. Das müsste dann aber einen anderen Namen bekommen. Ich wäre doch verrückt, wenn ich einen GP in New York nicht haben wollte, wenn sich dort die Möglichkeit ergäbe. Aber, das ist eher ein Wunschkonzert. Die Realität ist: Wir heben einen Vertrag mit Austin und dort findet definitiv der US-GP statt.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.