Fernando Alonso und Michael Schumacher

F1-Interview: Ferrari-Teamchef

— 18.03.2010

Alonso ist wie Schumi

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali spricht im Interview über Michael Schumachers Wechsel zu Mercedes und vergleicht den Rekordweltmeister mit Ferrari-Neuling Fernando Alonso.

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Domenicali, Sie haben 15 Jahre lang zusammen mit Michael Schumacher um Siege gekämpft. Jetzt müssen Sie gegen Ihn fahren. Was ist das für ein Gefühl? Stefano Domenicali: Es ist für mich immer noch komisch ihn in silberner Teamkleidung zu sehen. Trotzdem werde ich nie vergessen, was wir zusammen erlebt haben. Aber er stellt sich jetzt einer neuen Herausforderung und auch wir stehen nach einer schwierigen letzten Saison vor einer neuen Ära. Neben der Strecke bleibt Michael mein Freund, aber auf der Strecke müssen und wollen wir ihn weiter schlagen. Ich weiß, dass das schwer wird. Michael ist immer noch sehr stark. Sonst hätten wir ihn nach Felipe Massas Unfall im vergangenen Jahr ja nicht in unser Auto setzen wollen. Aber gerade deshalb sind unsere Fahrer Fernando (Alonso; d. Red.) und Felipe (Massa; d. Red.) umso motivierter vor ihm zu landen.
Wie hat er Sie darüber informiert, dass er Ferrari verlässt? Er hat mich angerufen. Wie Sie sich vorstellen können, war ich sehr enttäuscht. Aber das Leben geht weiter. Er hat die Entscheidung getroffen, weil er eine neue Herausforderung gesucht hat. Und wir konnten ihm diese nicht geben. Deshalb respektiere ich das. Nach einem Moment der Enttäuschung habe ich ihm also gesagt: Dann werden wir nun eben das Beste geben dich zu besiegen.
Wie sehen die Italiener grundsätzlich Schumachers Wechsel zu Mercedes? Am Anfang war es eine recht harte Reaktion der Tifosi. Denn für die italienischen Fans gehörte Michael zu Ferrari. Und sie hatten auch gehofft, dass das bis zum Ende seiner Karriere so bleiben würde. Die Enttäuschung ist nun aber vorbei und die Ferrari-Fans konzentrieren sich wieder auf die Leistung unseres Teams.

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Stefano Domenicali weiß: "Für die italienischen Fans gehörte Schumacher zu Ferrari."

Nun ist Schumacher aber ausgerechnet zu einem Autohersteller gewechselt, der im Premium-Sportwagensegment Ferraris direkter Gegner ist. Und für den er auch gleich in einem roten SLS geworben hat. Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. Nur soviel. Ich habe noch nie einen Mercedes in rot gesehen. Ferrari scheint also einen guten Job zu machen, wenn so eine fantastische Marke unser Haupterkennungsmerkmal kopiert. Aber: Ich glaube kaum, dass ein roter Mercedes mit Michael den Verkauf unserer Autos behindern könnte. Zumindest nicht, solange Ferrari gute Autos baut und wir auf der Rennstrecke Erfolg haben.
Es ist ja aber nicht nur Michael Schumacher, gegen den Sie jetzt kämpfen müssen. Es ist die Kombination aus ihm und Ross Brawn, die für Ferrari zusammen fünf WM-Titel geholt haben. Kein Zweifel, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Kombination extrem stark und gefährlich ist. Die Situation ist nicht ganz leicht für mich, weil ich sie beide zu meinen Freunden zähle. Aber aus professioneller Sicht sind sie in dieser Saison zwei unserer härtesten Gegner. Aber vergessen Sie nicht Sebastian Vettel und Red Bull. Auch das ist ein starkes Team.
Ihr neuer Fahrer und Sieger des ersten Saisonrennens Fernando Alonso gilt als ein Pilot, der genau wie Michael Schumacher ein Team führen und ein Auto entwickeln kann. Ist er so gut wie Schumi? Das ist für mich noch zu früh zu beurteilen. Mit Michael habe ich 15 Jahre lang zusammengearbeitet. Ihn kenne ich in und auswendig. Seine Stärken, wie er arbeitet, wie er sich verändert hat. Und ohne Frage hat Michael die Gabe, ein Team um sich herum aufzubauen.

"Felipe Massa ist der am meisten unterschätzte Fahrer im Feld"

Alonso folgt Schumacher aus der Box. Im Rennen hatte der Spanier dann eindeutig die Nase vorn.

Und Fernando? Bei Fernando deutet sich Ähnliches an. Er hat sich so schnell ins Team integriert, dass wir von Anfang an das Gefühl hatten, als wäre er schon viele Jahre bei uns. Er hat als Spanier natürlich eine andere Persönlichkeit als Michael, ist aber genau wie er extrem fokussiert auf seinen Job, treibt das Team an und arbeitet sehr eng mit den Technikern zusammen. Ganz abgesehen davon, dass er als Doppelweltmeister ohnehin weiß, was er zu tun hat. Jeder Fahrer, der einen Titel geholt hat, ist etwas Besonderes. Gut, Michael hat sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Hut ab. Aber auch Fernando brennt auf noch mehr Erfolge. Fünf weitere Titel zu holen wird schwer. Aber er will immer gewinnen. Darin sind sich beide sehr ähnlich.
Fernando ist auch der einzige Fahrer im Feld, der Michael schon geschlagen hat. Das ist nicht so wichtig. Am Ende des Tages wird das Auto den Unterschied machen. Nur wenn beide Autos gleich gut sind, ist das ein psychologischer Faktor, der Fernando helfen kann. Aber bitte vergessen Sie nicht Felipe. Für mich ist er der am meisten unterschätzte Fahrer im Feld. Und sein Comeback nach seinem Unfall im vergangenen Jahr ist beeindruckend (Platz zwei in Qualifikation und Rennen; d. Red.).
Wann sehen wir wieder einen Deutschen im Ferrari? Das wäre mit Michael im vergangenen Jahr ja fast passiert! Es gibt im Fahrerfeld einige großartige Fahrer aus Deutschland. Ich denke da an Sebastian Vettel und auch an Nico Rosberg. Ich möchte einen deutschen Fahrer in der Zukunft bei Ferrari also nicht ausschließen. Wann das passieren wird, weiß ich aber noch nicht.

Autor: Bianca Garloff

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