F1-Premiere in Istanbul

F1-Premiere in Istanbul F1-Premiere in Istanbul

F1-Premiere in Istanbul

— 19.08.2005

Im Schmelztiegel der Kulturen

Als 26. Land seit 1950 kommt die Türkei auf die Formel-1-Landkarte. Kimi, Schumi und Alonso freuen sich auf die Eroberung der neuen Welt.

Vorfreude bei Schumi und Co.

Eine Hierarchie gerät ins Wanken. König Fußball als Alleinherrscher – so sieht in Istanbul der Normalzustand aus. Am kommenden Wochenende (19. bis 21. August 2005) wird alles anders: Schumacher, Räikkönen und Alonso statt Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray. Eine ganze Stadt fiebert der Formel 1 entgegen. Der erste Auftritt von Schumi und Co im Istanbul Park am Sonntag (14.00 Uhr MESZ) wird im jahrhundertealten Schmelztiegel der Kulturen mit Spannung erwartet.

"Dieses Rennen wird einen großen Beitrag für dieses Land und seine Wirtschaft leisten. Den Wert der Publicity kann man gar nicht in Zahlen messen", sagt der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Die Vollgas-Show von Bernie Ecclestone soll die Türkei noch bekannter machen und mittelfristig mehr Touristen in das boomende Land am Bosporus locken.

Noch-Weltmeister Michael Schumacher und seine flotten Kollegen sollen als Zugpferde dienen – und der Ferrari-Star freut sich auf die Eroberung neuer Welten: "Ich war vor einigen Jahren während eines Sponsorentermins in Istanbul und kann mich noch an die Begeisterung erinnern", sagt der 36jährige: "Ich hatte den Eindruck, die Menschen lieben den Motorsport und denke, sie freuen sich genauso auf uns wie wir uns auf sie."

Berg- und Talahrt gegen den Uhrzeigersinn

Dafür, daß die Piloten ihren Spaß haben dürften, hat erneut der deutsche Architekt Hermann Tilke (wie schon in Malaysia, Bahrain und China) gesorgt. Für rund 120 Millionen Euro inklusive Infrastruktur hat der Aachener 50 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums eine anspruchsvolle Berg- und Talbahn entstehen lassen. Die 5,340 Kilometer Asphalt dürften den Piloten in rund 1:20 Minute Fahrtzeit einiges abverlangen.

Und das nicht nur wegen der ungewohnten Fahrtrichtung gegen den Uhrzeigersinn. Steigungen, nicht einsehbare Kurven, Bremspunkte auf abschüssiger Straße – Tilke hat tief in seine Trickkiste gegriffen. Finanziert hat den Streckenbau, bei dem sogar ein Fluß unter der Strecke durchgeführt wurde, die türkische Handelskammer. Sie setzt nach dem Spektakel auf einen weiteren Schub für die Besucherzahlen. 2004 begrüßte die Türkei 17,5 Millionen Touristen, in diesem Jahr sollen es schon mehr als 20 Millionen werden. Zwischen 80 und 100 Millionen Euro Umsatz soll allein dieses Rennwochenende bringen.

Damit die werbewirksame Premiere nicht zu sehr gestört wird, versuchen die Behörden vor allem das befürchtete Verkehrschaos zu verhindern. Nicht leicht bei mehr als zwölf Millionen Einwohnern in der einzigen Stadt der Welt auf zwei Kontinenten. Weil die Zuschauer aus dem europäischen Teil über nur zwei Bosporus-Brücken zur Rennstrecke im asiatischen Teil fahren müssen, hat man sich einen besonderen Zubringer-Service einfallen lassen. Die Fans sollen mit Schiffen über das Marmara-Meer zum Kurs gebracht werden.

Safety first – auch fürs Trommelfell

Sehr ernst nehmen die Türken das Thema Sicherheit. Erst recht nachdem zuletzt kurdische Terroristen in Urlauber-Hochburgen mit Bombenanschlägen für Unruhe sorgten. Mehrere tausend Polizisten und 1000 Soldaten sollen den Formel-1-Troß schützen, zwei Drittel aller Krankenwagen der Stadt werden in der Nähe der Rennstrecke zusammengezogen. Zusätzliche Feuerwehrwagen kommen aus anderen Städten, Notärzte und Rettungssanitäter haben Urlaubssperre.

Ob die rund 130.000 Zuschauerplätze am Sonntag richtig gefüllt sein werden, ist indes fraglich. Zum einen fehlt eine einheimische Attraktion im Fahrerfeld – auch wenn Verbandspräsidentensohn Jason Tahincioglu (21; sonst in der Britischen Formel Renault aktiv) einige Demo-Runden im Jordan drehen darf. Zum anderen lief der Vorverkauf wegen der üppigen Eintrittspreise (150 bis 350 Euro) schleppend. Die Anwesenden kommen immerhin in den Genuß eines besonderen Services: Auf Wunsch von Istanbuls Bürgermeister Kadir Topbas werden 70.000 Ohrstöpsel gratis verteilt.

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