Sebastian Vettel beim GP Südkorea

F1: Vettels Pech in Südkorea

— 25.10.2010

Tapfer in der Niederlage

Bis zehn Runden vor Schluss sah Sebastian Vettel beim GP von Südkorea wie der sichere Sieger und neue WM-Spitzenreiter aus. Ein kapitaler Motorschaden beendete die Vettel-Show.

Der Große Preis von Korea hätte der nächste wichtige Meilenstein in der Aufholjagd von Sebastian Vettel (23) werden sollen. Rutschige Strecke? Chaotische Organisation? Alles kein Problem für den jungen Deutschen. Nach der souveränen Pole-Position im Qualifying schien alles angerichtet für einen weiteren Schritt in Richtung WM-Titel. Der ist nach dem Rennen aber weiter weg denn je. Obwohl Vettel überlegen einen Startabbruch wegen zu viel Gischt, Chaosregen und vier Safetycar-Phasen überstand, machte ihm sein Renault-Motor einen Strich durch die Rechnung. Nach 1600 von 2100 geplanten Kilometern quittierte das Aggregat in der 45. von 55 Rennrunden funkensprühend seinen Dienst. Ferrari-Pilot Fernando Alonso (29) erbte den Sieg und ist nach Mark Webbers (34) selbstverschuldetem Unfall nun 25 Punkte vor Vettel, 21 vor McLaren-Star Lewis Hamilton (25) und 14 Zähler vor Webber neuer Spitzenreiter in der Formel-1-WM.

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Transfer: Mit dem Motorroller fährt Sebastian Vettel nach seinem Motorschaden zurück an die Box.

Immerhin hat Sebastian Vettel aus den vergangenen Fehlern und Niederlagen gelernt. Statt wie nach dem Großen Preis von Ungarn zu schmollen, zeigte Vettel Größe in der Niederlage. "Ich kann heute Nacht gut schlafen. Ich habe mir nichts auf meine Kappe zu schreiben", lächelte er in die TV-Kameras. Für diese Tapferkeit erntete er Lob. Teamchef Christian Horner nahm Vettel tröstend in den Arm und bekannte: "Rennsport kann grausam sein. Sebastian hat gezeigt, wie unglaublich gut er mit so etwas umgehen kann. Er hat schon einige solche Schläge wegstecken müssen, und so einen sicheren Sieg zu verlieren, das ist schon ganz besonders hart." Der Brite blickt schon wieder nach vorn: "Je größer der Druck und je unmöglicher die Mission, desto stärker wird Sebastian." Auch RTL-Experte Christian Danner war von der Haltung des jungen Deutschen beeindruckt: "Ich weiß ja selbst, wie man sich da fühlt. Aber er macht das sehr, sehr gut. Und ich bin auch sicher, er steckt das weg. Das ist bald abgehakt, und er macht in zwei Wochen in Brasilien genauso weiter wie bisher: Voll angreifen, um das Auto wieder auf Pole zu stellen."

Was denkt man, wenn der Motor hochgeht?

Sieg geerbt: Durch das Aus von Sebastian Vettel wird Ferrari-Mann Fernando Alonso an die Spitze des Feldes und der WM gespült.

"Was bleibt einem auch anderes übrig?", erwiderte Vettel. "In dem Moment, in dem ich gemerkt habe, dass der Motor hochging, habe ich mir natürlich schon erst auf die Zunge und dann ins Lenkrad gebissen. Als Alonso und Hamilton dann vorbei gefahren sind, wusste ich, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Ich habe erst die eine Zylinderseite verloren, danach die Zweite auf der Gegengeraden. Dann habe ich das Auto abgestellt und hatte eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon die gleichen Gefühle wie jetzt." Und die sahen so aus: "Ich war stolz auf mein Rennen, denn es war eines der schwierigsten in diesem Jahr, auf einer Strecke, die ich kaum kannte. Ich habe gezeigt – gegen alle Erwartungen – dass wir auch im Regen schneller sein können als alle anderen. Ich habe das Rennen dominiert, Alonso immer kontrolliert."

Aufgeben gilt nicht

Trotzdem kann der Heppenheimer jetzt aus eigener Kraft nicht mehr Weltmeister werden. Bei 25 Punkten Rückstand und nur noch 50 zu vergebenden Zählern (25 pro Sieg, 18 für Platz zwei, 15 für den dritten Rang) muss er auf einen Ausfall von Fernando Alonso beim nächsten Rennen in Brasilien hoffen. Denn selbst bei zwei Vettel-Siegen würden dem Ferrari-Star ein zweiter und ein fünfter Platz bei den letzten beiden Rennen in Sao Paulo und Abu Dhabi zum Titel reichen. Vettel bleibt dennoch zuversichtlich: "Ich bin der Letzte, der aufgibt, so lange noch eine Chance besteht. Es wird natürlich nicht einfacher. Aber wir haben noch zwei Rennen und alles ist möglich. Ein kleiner Fehler vom Fahrer oder ein technischer Defekt kann große Auswirkungen haben. Meine Herangehensweise ändert sich deshalb gar nicht." Der Red Bull-Star weiß: "Unser Speed stand dieses Jahr nie in Frage. Wenn wir nicht vorne mitfahren konnten, dann gab es immer einen Grund und wenn es keinen Grund gab, waren wir immer vorne." Dass Red Bull im WM-Endspurt auf den besser platzierten Webber setzt, muss Vettel nicht befürchten. Teamchef Christian Horner: "Es liegt nur ein einziger Sieg zwischen Sebastian und Alonso. Wie oft haben wir dieses Jahr schon gesehen, dass sich das Blatt wendet?"
 

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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