Facelift für Alfa GTV und Spider

Alfa GTV und Spider Alfa GTV und Spider

Facelift für Alfa GTV und Spider

— 24.04.2003

Mitten ins Herz

Mehr Alfa geht nicht: Mit 240 PS und 255 km/h ist der überarbeitete GTV 3.2 V6 der schnellste Serien-Alfa aller Zeiten. Zum Glück gibt es den Spider. Der schafft "nur" 242. Ach ja: Einen neuen Vierzylinder gibt es auch noch.

"Nasen-Korrektur" geglückt

Was so ein bisschen Schminke doch ausmacht: Aufgebrezelt wie bei einer Modenschau stürmen Alfa Spider und GTV über die Alpen auf den deutschen Laufsteg. Hallo, Frühling, wir kommen! Beim Gesicht haben die italienischen Visagisten tolle Arbeit geleistet. Alfas Kosmetikstudio heißt Pininfarina, und dort wurde vor allem die Nase der beiden Sportwagen korrigiert.

Statt des kleinen, abgerundeten Dreiecks im Bug glänzt der große Grill des 147 nun auch an Spider und GTV. Nachteil: Das Kennzeichen wandert aus der Mitte auf die linke Seite des Stoßfängers. Sieht individuell aus. Aber besser? Glückliche USA. Da gibt es keine Nummer vorn. Aber auch keine neuen Alfa.

Der Rest ist perfekt. Hier ein bisschen Lidschatten, dort etwas Wimperntusche, die Augenbrauen gezupft – und schon strahlt ein neues Auto mit der Sonne um die Wette. Wie aus Schießscharten leuchten die vier Scheinwerfer. Von den A-Säulen spannen sich zwei Linien über die Motorhaube zum Bug und wiederholen so das Alfa-Herz wie ein langer Abendschatten. Eine bessere Interpretation der Vokabel "Facelift" gibt es nicht.

Imposanter V-Sechszylinder

Denn außer der Front blieb alles beim Alten. Die sehnige Seitenlinie und das scharf konturierte Heck haben nach acht Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren. "Keine Änderungen nötig", befanden die Pininfarina-Stylisten. Stimmt. Auch wenn man es gar nicht will: Wie bei einem Topmodel zwingt das Alfa-Antlitz zum Hingucken. Diese markanten Züge verdrehen nicht nur treuen Alfisti den Kopf, sondern richten sich selbstbewusst auf Porsche Boxster und Audi TT.

Darum hat Alfa auch technisch nachgelegt. Motto: Natürliche Schönheit kommt von innen. Doch Merz Spezialdragees helfen dabei nicht weiter. Um ihre Agilität anzuheben, werben Spider und GTV mit zwei neuen Triebwerken. Beide Modelle sind künftig mit dem 2.0-JTS-Motor aus den Alfa-Limousinen sowie einem imposanten V-Sechszylinder zu haben. Und dieses Aggregat trifft mitten ins Herz – akustisch wie optisch.

Wer die Motorhaube öffnet, kann sich spontaner Ahhhhs und Ohhhs sicher sein. Einen schöneren (Großserien)motor muss man lange suchen. Wie wertvoller Schmuck blitzen sechs Ansaugrohre zwischen den silbernen Zylinderköpfen. Den vorderen ziert effektvoll ein geschwungener "Alfa Romeo"-Schriftzug, auf dem hinteren steht V6 24V.

Entspanntes Plaudern, aggressives Fauchen

Danke, das reicht an Infos. Denn spätestens jetzt wird der Wunsch unwiderstehlich: fahren, fahren, fahren. Etwas unwillig springt der Motor an und meldet sich mit der rauchigen Stimme eines Geschichtenerzählers. Und seine Geschichte ist lang: von 1000 bis 6200/min. So breit nämlich spreizt sich sein nutzbares Drehzahlband.

Schon leicht über Leerlauftouren hängt das extrem elastische Triebwerk gut am Gas. So gut, dass der Alfa im vierten oder fünften Gang ruckfrei durch die Stadt brummt. Der V-Sechs hat zwei Kapitel. Das erste reicht bis 3000/min und beschreibt die entspannt untertourige, trotzdem souveräne Art der Fortbewegung.

Kapitel zwei steht auf einem anderen Blatt Papier. Es beginnt bei 4000/min und ist ein Heldenepos. Nähert sich der Drehzahlzeiger dieser Marke, wechselt der V-Sechs schlagartig vom entspannten Plauderton ins aggressive Fauchen eines Drachen. Im erhöhten Erregungszustand braucht es schon einen Siegfried, um den wild gewordenen Sportwagen zu bändigen.

Mit dem neuen V6 ist der GTV der schnellste Serien-Alfa aller Zeiten. 255 km/h erreicht das Coupé (Spider: 242 km/h) und stellt damit die meist abgeregelten Konkurrenten in den Schatten. Statt des alten Dreiliters mit 192 PS arbeitet jetzt der 3,2-Liter-Motor aus dem 156/147 GTA in Spider und GTV. Der mobilisiert dank größerem Hub im Spider/GTV 240 PS und passt ideal zum Charakter der beiden schnittigen Zweitürer.

Innen blieb alles beim Alten

Bei derart viel Dampf bleiben kleine Nebeneffekte nicht aus. Die Vorderräder zerren bei voller Beschleunigung merklich in der Lenkung, sodass der Alfa in Spurrillen nervös hin und her zackt. Ansonsten verkraftet das überarbeitete Fahrwerk die gestiegene Leistung gut. Ebenso die Bremse. Die vorderen Sättel sind bei den Sechszylindern größer und rot lackiert – neben dem Typenschriftzug am Heck das einzige äußerliche Erkennungszeichen für die Topversion.

Ganz klar: Der 240-PS-Antrieb ist erste Wahl. Preis: ab 34.800 Euro. Nur schwer zu erkennen ist der Sinn des 2.0 JTS (ab 27.950 Euro). Mit 165 PS bietet der Direkteinspritzer bei identischen Fahr- und Verbrauchswerten nur 15 PS mehr als die Einstiegsmotorisierung. Für ein Plus von fünf km/h auf dem Tacho werden allerdings 2200 Euro Aufpreis gegenüber dem Twin-Spark-Modell (Euro 3 statt 4) fällig. Wo, bitte schön, steckt da der Fortschritt?

Im Interieur jedenfalls nicht. Dort sind Spider und GTV ganz die Alten. Leider. Obwohl die Sitze tiefer fixiert wurden, bieten sie bei sportlicher Fahrt zu wenig Seitenhalt. Schalter und Verkleidungen wirken billig, und warum die Verbesserer den Kunststoff-Schalthebel nicht gegen ein hübsches Aluteil ausgetauscht haben, ist so rätselhaft wie die Herkunft von einzelnen Klappergeräuschen. So bleibt die Erkenntnis: Alfas Kosmetik wirkt nur außen. Aber lieber gut geschminkt als schlecht geliftet.

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