Fahrausbildung

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— 10.01.2007

Fahranfänger zum Schleuderkurs!

Junge Autofahrer haben mit Abstand das höchste Unfallrisiko. Jetzt fordern Experten, die Fahrausbildung radikal zu ändern.

Manchmal können auch nüchterne Zahlen gewaltige Gefühle auslösen. Die Publikation 5462406057004 des Statistischen Bundesamtes ist so ein Fall. Was die Mathematiker da auf 26 Seiten zusammengestellt haben, geht unter die Haut: Es ist eine Untersuchung über die Unfälle von 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr. Oder, wie es die Autoren der Studie ausdrücken, über "die sieben risikoreichsten Jahre".

Um es kurz zu machen: Die jungen Fahranfänger haben mit Abstand das höchste Unfallrisiko. 87.597 von ihnen sind 2005 verunglückt, 1076 wurden getötet. Jeder fünfte Verletzte oder Getötete gehört dieser Altersgruppe an. Immer mehr Verkehrsexperten und Unfallforscher fordern deshalb jetzt eine radikale Kehrtwende. Sie denken darüber nach, die deutsche Fahrausbildung umzukrempeln – nach finnischem und österreichischem Vorbild. Zwar erhalten die Fahrschüler dort ebenfalls nach bestandener Prüfung ihren Führerschein. Sie sind aber verpflichtet, auch danach noch praktische Übungen zu absolvieren.

In Österreich bedeutet das: zwei "Perfektionsfahrten" mit einem Fahrlehrer und ein Fahrsicherheitstraining inklusive Gruppengespräch mit einem Verkehrspsychologen – alles zwischen dem zweiten und neunten Monat nach Erwerb des Führerscheins. Wer nicht mitmacht, ist ihn wieder los. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesem Modell gemacht", berichtet Juristin Ursula Zelenka vom österreichischen Autoclub ÖAMTC. Bei den 18- und 19-Jährigen seien die Unfälle mit Personenschaden nach Einführung dieser sogenannten Mehrphasen-Ausbildung um 10,28 Prozent zurückgegangen. Kein Wunder, dass jetzt auch in Deutschland über dieses Modell nachgedacht wird. "Es ist eine ideale Ergänzung zum Führerschein auf Probe. Ich bin überzeugt, die nach wie vor hohen Unfallzahlen bei Fahranfängern lassen sich so noch einmal nachhaltig senken", sagt der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser.

Freiwillige Sicherheitstrainings werden dagegen nur zögerlich angenommen: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Fahranfänger da Berührungsängste haben – vielleicht, weil sie Sorge haben, sich zu blamieren", sagt ADAC-Sprecher Peter Hemschik. Wenn dagegen alle Fahranfänger zum Training müssten, steige vielleicht auch die Akzeptanz bei anderen Altersgruppen. Bleiben die Kosten. In Österreich muss die der Fahranfänger selbst tragen. Das Fahrsicherheitstraining und das Psychologengespräch kosten zusammen etwa 145 Euro. Dazu kommen die Kosten für die beiden Fahrten mit dem Fahrlehrer. Im Gegenzug bieten aber einige Versicherungen um die 110 Euro Rabatt, wenn der Fahranfänger dann auch wirklich unfallfrei bleibt. Auch deutsche Versicherer könnten sich mit so einem Modell anfreunden, glaubt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: "Die Versicherer sind da sehr flexibel – schließlich sind junge Fahrer auch junge Kunden."

Autor: Alex Cohrs

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