Fahrbericht Abt Golf GTI – alt gegen neu

Abt Golf GTI Abt Golf GTI

Fahrbericht Abt Golf GTI – alt gegen neu

— 17.05.2005

Jetzt geht's Abt

Bitte anschnallen für die Ausfahrt mit dem GTI von damals und heute: Der Turbo hat bei Abt schon Tradition – Leistung war schließlich noch nie eine Sünde.

Bei Angebertempo knochentrocken

Stark sein. Fester Blick. Es verlangt schon eine gehörige Portion Selbstbewußtsein, in einem echten Voll-Original-Tuning-Auto der Achtziger zu cruisen. Passanten zeigen dir den Vogel. Eine Rothaarige guckt demonstrativ weg. Oder durch mich durch. Gut so, ich schäme mich sowieso. Dieser bollernde Auspuff, die schlimmen Räder. Beim Anfahren hoppelt die Kiste so bretthart, daß der Kopf in seniles Dauernicken verfällt. Mensch, Leute, möchte man sich rechtfertigen, das ist ein echter Abt GTI, ein Turbo aus der ersten Serie, einer von höchstens 120 Exemplaren (falls die ihre wildesten Jahre und Besitzer überlebt haben).

Doch was beim GTI-Clubtreffen die Meute anlockt, ist im Alltag mega-out. Voll daneben. "Unverbastelter Originalzustand", das bedeutet bei einem Tuning-Auto von 1982 schlicht den optischen Offenbarungseid. Der Abt GTI entstammt der Zeit, als das gnadenlose "Tiefer-Härter-Breiter" noch kein Schimpfwort war, sondern Mode. Aus dem zierlichen GTI mit seinen schmalen vorderen Dachpföstchen ragen die Kotflügel heraus wie eckige Apfelsinenkisten. Darin kullern 205er-Reifen auf Rädern, die sieben Zoll breit sind und nur dreizehn (!) Zoll im Durchmesser. Wenn dieser Sieben-Zoll-Umbau, damals irrwitzige 15.000 Mark teuer, wenigstens was taugen würde ...

Bei Angebertempo noch knochentrocken, wird er auf der Autobahn nur schlimmer. Da hüpft der Abt von einer Spurrille in die nächste. Die beste Federung ist ein ständiges Lächeln – damit die Zähne nicht aufeinanderklappern. Warum nur tun die Allgäuer Tuner sich das an, diese schüttelnde GTI-Sünde aufwendig wiederherzurichten? "Weil er ein echter Abt ist", sagt Vertriebsleiter Peter Schmidt. Daraus spricht souveräner Stolz und väterliche Gelassenheit für einen frühen Meilenstein.

Turbo zelebriert ungeniert Loch und Bums

Dieser 82er GTI zeigt alles, was Abt draufhatte: Spezial-Kurbelwelle, Spezial-Kolben, bearbeiteter Zylinderkopf, eigene Nockenwelle und natürlich den KKK-Turbolader. Macht nominell 163 PS. Und damals ein ganz neues GTI-Gefühl. Vorn pfeift der Turbo, der rote Zeiger beim Ladedruck rückt vor bis auf 0,63 Bar. Hier hat der Turbo noch ungeniert sein Loch und seinen Bums. Bis Tempo 100 sollen angeblich 6,8 Sekunden vergehen, aber unser Respekt verbietet es, nachzumessen. Früher stand das Auto für sagenhafte 48.000 Mark im Prospekt, demnächst kommt das restaurierte Einzelstück ins Firmen-Museum. Als Beweis dafür, was sich seitdem geändert hat: alles.

Alles? Wer daran zweifelt, sollte in den aktuellen Abt GTI umsteigen. Die Generation Golf V rollt schon mit Turbo aus dem Werk, bringt satte 200 PS und läßt Abt immer weniger Luft, immer weniger Zehntel für den kleinen Spritzer Individualität. Wo bleiben da noch Spielräume? Zum Beispiel bei der Motorhaube, die so markant schwarz lackiert ist, wie Volkswagen-Designer sich das in ihren geheimen Träumen gewünscht haben.

Damit kriegt der neue VW-Latz nun exakt die wohldosierte Portion Rotzigkeit, die einem GTI steht. "Sieht klasse aus", meinen die jungen Passat-Fahrer an der Ampel neben mir. Keine Dorfschussel, sondern Fachleute, die unterm Tarnanzug ihres biederen VW einen Abt-Turbo spazierenfahren, mit dem sie hochnäsige Dieselfahrer erschrecken. Unter dezentem Auspuffwummern schleichen sie weiter.

Golf V mit viel Rennstrecken-Know-how

Vielleicht der größte Unterschied zu damals: Das Tuning heute kommt gern krawallfrei und kostengünstig. Der Abt ist 30 PS und 30 Nm stärker als die Serie, was zeitgemäß verpackt wird: Damit bläst der GTI jederzeit ein bißchen flotter die Backen auf, standfest und mit Garantie.

Das Sportfahrwerk verrät auf jedem Meter, wie viel Rennstrecken-Know-how die Kemptener bei ihren zwei DTM-Titeln eingefahren haben: sportlich-fest, aber mit genügend Restsüße für den Eisdielen-Boulevard. So soll's sein. Man macht auch heute gern die Welle, aber sie fällt halt geschmackvoller aus: 18-Zöller und Vierrohr-Endschalldämpfer sorgen für die künstlerische B-Note. Im neuen Prospekt kann sich jeder austoben, bis hin zur Carbon-Motorhaube für 2395 Euro. Der Testwagen kostet 36.530 Euro!

Trotzdem rennt der aktuelle Abt GTI mit knapp sieben Sekunden kaum flotter als sein Turbo-Urahn von damals – 230 PS sind also nicht das letzte Wort. Vertriebsleiter Peter Schmidt: "Wir haben 260 PS in petto, wollen die Leistung aber standfest bringen." Und so, daß jede Werkstatt sie einbauen kann. An einem Tag per Chip. So geht's Abt in der neuen Zeit.



Autor: Joachim Staat

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