Fahrbericht Alfa 8C Competizione

— 23.10.2007

Hier kommt das Alfa-Tier

So einen Alfa Romeo gab es noch nie. Acht Zylinder, 450 PS und 292 km/h katapultieren den 8C Competizione in das Reich von Ferrari & Co. Der Preis dafür: rund 175.000 Euro. Schon 81 deutsche Kunden haben den tierischen Alfa bestellt.



Aqua? Knapp über 90 Grad Celsius. Olio? Temperatur unkritisch, Druck im Leerlauf zittrig. Benzina? Mezzo pieno, noch gut halbvoll. Blutdruck? Das wollen Sie nicht wirklich wissen. Und worauf warten wir noch? Dass der Alfa-Zampano im weißen 60er-Jahre-Overall endlich einen Schritt zur Seite macht. Na bitte! Der rechte Zeigefinger klickt den ersten Gang mit dem Lenkradpaddel rein, der Gasfuß zuckt in Richtung Spritzwand, die übereifrigen Pirellis werden von der Stabilitätskontrolle prompt zurückgepfiffen – und los geht's. Bei 6000 Touren in den Zweiten schalten, dann – schon etwas mutiger – bei 6500 in den Dritten. Die Alfa-Teststrecke von Balocco ist keine Spielstraße. Keiner der sechs oder sieben Handlingkurse ist wie der andere, aber dieser hier ist molto arrabiato.

Der Sound des V8 ist eine echte Offenbarung

Die Schikanen bestehen aus mit Wasser gefüllten rot-weißen Plastiktrögen, die Kerbs sind glatt wie Kojaks Glatze, die Brems- und Einlenkpunkte verstecken sich bevorzugt hinter Brücken und Kuppen. Reizend. Es gibt zwei lange Geraden. Eine haben die Signori durch Hütchen entschärft, auf der anderen ist freies Fliegen angesagt. Bei 7000/min den Vierten reinklicken, möglichst pronto den Fünften nachschieben, auf halbem Weg zum Horizont dann Nummer sechs einspannen. Das klappt schnell, knackig und macht einen Heidenspaß. Das automatisierte Schaltgetriebe Cambiocorsa haut die Gänge blitzschnell rein, und endlich klappt auch der Wechsel in den Rückwärtsgang ohne ellenlange Pause. Theoretisch macht der rote Renner erst bei 292 km/h Schluss. Doch schon bei 240 ist auf dem abgesperrten Highway die Hölle los. Fahrtwind und Motor versuchen, sich gegenseitig niederzubrüllen. Wobei der Sound des V8 wirklich eine Offenbarung ist und jederzeit wohlige Schauer über den Rücken jagt.

Genetisch ist der 8C halb Maserati und ein Viertel Ferrari

Italienische Mischung: Im Alfa 8C stecken die Gene von Maserati und Ferrari.

Die 20-Zöller erklären jeder Querfuge einzeln den Krieg. Und die Lenkung arbeitet selbst um die Mittellage wie ein chirurgisches Präzisionsinstrument. Die Bremse verzögert so gründlich, dass Großhirn und Kleinhirn scheinbar zum Platztausch ansetzen. Und das Fahrwerk baut in Verbindung mit der ausgefuchsten Aerodynamik jene Saugnapf-Wirkung auf, die Vertrauen fürs Leben schafft: Nicht mal fliegen ist schöner. Die Alfa-Leute hören es überhaupt nicht gern, aber genetisch ist der 8C ein halber Maserati und ein Viertel Ferrari. Radaufhängung, Lenkung, Bremse und das Transaxle-Getriebe stammen im Prinzip aus dem Baukasten des Gran Sport. Der V8 ist ein enger Verwandter des Kraftwerks, das uns auch im F430 schwachmacht. Mit 4,7 Liter Hubraum hat er noch größere Lungen als die Varianten für den Dreizack und das springende Pferd. Die Nennleistung wurde zwar aus Rücksicht auf Ferrari auf 450 PS eingebremst, doch der Zweisitzer geht trotzdem infernalisch gut. Den Spurt von null auf 100 km/h absolviert er in nur 4,2 Sekunden, und auch auf 200 beamt sich der 8C im Zeitraffer. Doch die Stärke des kehligen Vierventilers ist das auf 480 Nm aufgeschäumte maximale Drehmoment – da können weder der F430 noch der Quattroporte mithalten.

Die im Centro Stile maßgeschneiderte Karosserie des 8C macht auf der Straße genauso viel her wie die aktuelle Kollektion von Armani, Prada oder Versace auf dem Laufsteg. Subjektiv fühlt sich das so an: Der Ein- und Ausstieg gelingt zwar etwas mühsam, doch innen ist erstaunlich viel Platz. Die Beinfreiheit ist eingeschränkt, aber noch ausreichend, die Sicht in manche Richtungen verlockend. Wo kneift's? Am ärgsten um die Hüften, wo uns der Schalensitz jede Extraportion Pasta im Nachhinein verfluchen lässt. Von den 210 deutschen Interessenten bekamen am Ende ohnehin nur 81 den Zuschlag. Sie dürfen demnächst im Schnitt 174.600 Euro überweisen. Wieso so viel? Weil jeder Kunde im Schnitt Sonderzubehör im Wert von 13.400 Euro mitbestellt hat. Zu den beliebtesten Verführungen gehören die Racing-Felgen, das Schedoni-Kofferset, die Sitzbezüge aus geflochtenem Leder und natürlich diverse Alfa-Wunschfarben, sei es das Hellrot des tipo 33 stradale oder das Giulia-Blau aus den 60er-Jahren. Die Übernahme erfolgt am stilvollsten bei Maserati in Modena mit anschließendem Abendessen im noblen Ristorante Fini.

Der 8C ist definitiv kein technisch unterbelichtetes Showcar für die große Zweite-Gang-Sause auf dem Boulevard der Eitelkeiten. Im Gegenteil: Alfa hat einen echten Hardcore-Sportwagen auf die Räder gestellt. Einen, der an die große, fast vergessene Vergangenheit erinnert. An damals, als Ferrari nur ein Nachname war.

Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher

Der auf 500 Stück limitierte Zweisitzer verbindet den Reiz einer Diva mit jener absoluten Professionalität, die man von der Zusatzbezeichnung Competizione erwarten darf. Die Italiener haben der Versuchung widerstanden, mit einem Kleinserien-Blender schnelles Geld zu machen. Stattdessen entwickelten sie ein Auto, das den leicht verblassten Heiligenschein wieder punktgenau über dem Alfa-Herz schweben lässt. Bravo!

Technische Daten Alfa 8C Competizione

V8, vorn längs eingebaut • Hubraum 4691 cm³ • Leistung 331 kW (450 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 480 Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • automatisiertes Sechsgang-Getriebe an der Hinterachse (Transaxle) • Einzelradaufhängung • innenbelüftete Scheibenbremsen • Reifen 245/35 R 20 vorn, hinten 285/35 R 20 • Carbon-Karosserie • L/B/H 4381/1894/1341 mm • Radstand 2646 mm • Leergewicht 1585 kg • Tankinhalt 88 Liter • Beschleunigung 0-100 km/h in 4,2 s • Höchstgeschwindigkeit 292 km/h • EU-Mix (CO2-Ausstoß) 15,8 Liter Super plus/100 km (377 g/km) • Preis: ab 159.860 Euro

Autor: Georg Kacher



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