Fahrbericht Alfa 8C Competizione

Fahrbericht Alfa 8C Competizione

— 18.08.2005

Herzblut

Alfa Romeo hat schon immer legendre Autos gebaut. Hier ist noch eins: der Alfa 8C Competizione ein Sportwagen in bester Alfa-Tradition.

'Rosso Otto Tschi, das Herzblut von Alfa

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist das Auto. Zur schlechten kommen wir spter. Der Motor klingt giftig, bse, er ist laut ganz die alte italienische Sportwagen-Schule. Neu ist: Selbst grogewachsene Nordeuroper finden eine ideale Sitzposition. Lenkrad, Pedale, Schalthebel, alles pat wie magefertigt. Die Schaltwege sind kurz und przise. Der nur eine Handbreit kurze Schalthebel braucht allerdings Kraft das Sechsganggetriebe sitzt an der Hinterachse. Der 450 PS starke Achtzylinder hat mit dem nur 1400 Kilo leichten Coup keine Last ein Leistungsgewicht von etwas mehr als drei Kilo pro PS lt einiges erwarten. Dank Transaxle-Bauweise ist das Auto ideal ausbalanciert, die Gewichtsverteilung liegt bei exakt 50 Prozent vorn und hinten.

Alfa Romeo 8C Competizione. Eine Studie, die nicht nur den Alfisti die Trnen in die Augen treibt und bei der Prsentation auf der IAA in Frankfurt 2003 diverse Fans flugs mit Blanko-Schecks wedeln lie. 8C, auf italienisch "otto tschi", steht fr acht Zylinder. Unter der Haube steckt der 4,2-Liter-V8 aus dem Maserati-Coup. Was Competizione heit, ist dagegen eindeutig.

Ein unglaubliches Auto, es beginnt schon mit der Farbe. Ein tiefes, schimmerndes Rot, das die Rundungen und Konturen hervorhebt und je nach Lichteinfall von Silber bis Tiefrot wechselt. Es ist natrlich kein normales Rot aus dem Alfa-Programm. Es besteht aus sieben Schichten Klarlack mit beigemengten Pigmenten von Rot und Silber, nur so konnten die Tiefe und der Glanz erzeugt werden. Chefdesigner Wolfgang Egger bringt es auf den Punkt: "Es heit ,Rosso Otto Tschi, aber es ist das Herzblut von Alfa Romeo."

Basis ist der Nuvola, eine Studie von 1996

Egger hat das Auto entwickelt. Wie alle in der Entwicklung und im Design von Alfa Romeo Beschftigten hat der gebrtige Oberstdorfer Egger den Alfa-Virus. Er kennt und lebt die Alfa-Historie. Deshalb kehrte er reumtig nach einem kurzen Intermezzo bei Seat zu Alfa zurck. Zur Erklrung: Whrend damals alle Welt den Design-Guru Walter de Silva lobte, war es Egger, der die Konzeption fr den Alfa 156 zu Papier brachte, den 166 zeichnete und das ist fr den Competizione wichtig im Jahr 1996 den babyblauen Nuvola auf die Rder stellte.

Der Nuvola ist die Basis fr den Competizione. Dieser hat eine bewegte Vorgeschichte. Whrend Eggers Diaspora in Spanien entwickelte der damalige Design-Chef Andreas Zapatinas aus den Wurzeln des Nuvola ein Auto mit dem Namen Sportiva Evoluta, einen Dreisitzer mit hinten quer eingebautem Einzelsitz. Doch whrend der mhsamen Entscheidungsfindung in Turin, ob das Auto tatschlich auf die Rder gestellt werden sollte, prsentierte BMW den Concept X mit eben dieser Sitzanordnung. Der Evoluta wurde gestrichen, ein 2+2sitziges Coup angedacht. In dieser Phase erhielt das Centro Stile von Alfa Romeo seine Eigenstndigkeit zurck, verlie Zapatinas Alfa, und Egger kehrte zurck. Er nutzte die neuen Freirume. Aus dem Viersitzer wurde unter seiner Leitung ein kleines, kompaktes Sportgert, das sehr viel besser zum Image von Alfa pat.

Ein grundlegendes Problem stellte die Motorisierung dar. Der aufgeladene Sechszylinder, wie er noch im Nuvola arbeitete, war Egger nicht zukunftsweisend genug. Der alte 3,5-Liter-Zehnzylinder, der bereits Mitte der 80er Jahre fr eine nie stattfindende Renn-Formel entwickelt wurde, lieferte zwar die gewnschten 400 und mehr PS. Es wre aber zu aufwendig und damit zu teuer gewesen, ihn an die Abgas und Geruschbestimmungen anzupassen. Was zwingend htte passieren mssen: Egger wollte von Anfang an ein zulassungsfhiges und produktionsreifes Auto bauen.

Starker V8 von Maserati plus Kompressor

Die Lsung bot Maserati: Einen wunderbaren Achtzylinder, dem per Kompressor noch 50 PS mehr entlockt wurden und der komplett mit Getriebe und Fahrwerk aus dem Regal genommen werden konnte. Acht Zylinder paten prima, sowohl technisch als auch bei der Namensfindung: 8C hieen die berhmten Alfa-Achtzylinder, die in den 30er und 40er Jahren bei den Rennen in Le Mans, der Targa Florio und der Mille Miglia dominierten. Einer der berhmtesten Fahrer war Tazio Nuvolari, der wiederum der Namensgeber des Nuvola war. Egger kennt sich aus in der Alfa-Geschichte. Die Form des Competizione nimmt Design-Elemente von Ikonen wie Tipo 33, Giulia TZ und TZ 2 auf. Whrend der Design-Phase stand stets ein TZ 2 in Eggers Atelier, der Meister lt sich gern aus der Geschichte inspirieren.

Die Technik allerdings ist modern. Einen Gitterrohrrahmen aus leichtem, hochfestem Stahl steuern Vaccari & Bossi bei. Dort werden ebenfalls die Rahmen fr den Lamborghini Murcilago gebaut. Die Kohlefaser-Karosse montiert I.D.E.A., dort wird das Auto auch komplettiert. Fr die Innenraum-Dekoration wurde Schedoni gewonnen, die blicherweise die Ferrari-Modelle ausstatten. Die Ablufe lassen die Fertigung einer Kleinserie zu.

Endgltige Fahrleistungen sind nicht definiert, der 8C nicht homologiert. Bei Abstimmungsfahrten ist das Auto bereits in "weniger als 4,5 Sekunden" auf 100 km/h gegangen und hat die 300-km/h-Marke "deutlich" berschritten. Man glaubt es aufs Wort. Derzeit wird ein zweiter 8C aufgebaut ein Spider fr den Concours dElegance in Pebble Beach. Image-Pflege, Alfa will zurck auf den US-Markt.

Technische Daten Alfa 8C Competizione

Und nun die schlechte Nachricht. Der 8C wird nicht gebaut. Erst mal nicht. Bei einem errechneten Verkaufspreis von 125.000 Euro wren die Stckzahlen zu gering, als da sich das Auto rechnen wrde. Alfa kann sich zur Zeit keine weiteren Verlustbringer leisten, die Erneuerung der Modell-Palette hat absolute Prioritt. Aber: Erfahrungsgem ndern sich bei Alfa die Dinge schnell ...

Technische Daten: V8-Front-Mittelmotor, lngs eingebaut vier obenliegende Nockenwellen vier Ventile je Zylinder Bohrung x Hub 92,0 x 79,8 mm Hubraum 4244 cm Leistung 331 kW (450 PS) bei 7000/min max. Drehmoment 450 Nm bei 4500/min Hinterradantrieb manuelles Sechsganggetriebe Differentialsperre 25 Prozent Traktionskontrolle, ESP rundum doppelte Dreieckquerlenker Gitterrohrrahmen Kohlefaser-Karosserie rundum belftete und gelochte Scheibenbremsen Reifen 245/ ZR 20 vorn, 275/35 ZR 20 hinten Rder 8,5 J x 20 vorn, 10J x 20 hinten Lnge/Breite/Hhe 4280/1900/1250 mm Radstand 2595 mm Leergewicht 1400 kg Tankinhalt 90 l Beschleunigung 0100 km/h 4,5 s Hchstgeschwindigkeit mehr als 300 km/h Wert 1.500.000 Euro

Autor: Harald Prssmann

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