Fahrbericht Alfa GT

Fahrbericht Alfa GT Fahrbericht Alfa GT

Fahrbericht Alfa GT

— 13.11.2003

Das Espresso-Coupé

Alfa baut endlich wieder ein Coupé. Der neue GT schmeckt genau richtig: heiß, aufputschend, aber nicht zu scharf. Und steht ab 26. Februar beim Händler.

Zwischen Boulevard und Boxengasse

Monte Carlo. Wie kann Alfa sein neues Coupé nur in Monte Carlo vorstellen! In diesem Video-überwachten Zirkus, zwischen Rolls und Ferrari und auf Straßen, die keine drei Sekunden Vollgas gestatten. Es gibt bestimmt bessere Pflaster für den ersten verheißungsvollen GT-Flirt. Dachte ich. Bis die vermögende Dame, die gerade "Gucci" verlässt, dem roten Alfa hinterherschaut. Einen Moment zu lang, zu interessiert. Ahaaa, Monte Carlo ist doch goldrichtig, um Alfas Balanceakt zwischen Boulevard und Boxengasse zu genießen!

Eines vorweg: Man ist mit dem neuen GT exzellent angezogen, sogar im verwöhnten Fürstentum. Das Coupé ist so schön, dass man morgens extra eine passende Sonnenbrille herauskramt. Die markante Alfa-Nase, inzwischen aufs Format einer Galionsfigur gewachsen, jagt spannende Sicken über die Haube und die hohe Fensterlinie bis zum Heck, das leider optisch abfällt. Deshalb haut der neue GT mich nicht so besinnungslos um wie Alfas traumhafte Studien Brera oder 8c, aber sein Wellenschlag in Monacos Cafés ist förmlich zu hören – wenn an gereckten Hälsen die Ketten klimpern.

Glückwunsch an Bertone für dieses (nennen wir es ruhig so) 156-Coupé: etwas länger (4,49 Meter), breiter (1,76 Meter) und flacher (1,36 Meter) als der ewig junge Mittelklasse-Alfa, der die Technik spendet. Beim Interieur sind Cockpit und Schalter vertraut, die neuen Sitze fallen breiter und komfortabler aus.

Schönling mit Coupé-typischen Macken

Natürlich hat der Schönling Coupé-typische Macken geerbt: den Ausblick wie aus Schießscharten, den knappen Fond, der nur Kindern reicht, oder lange Türen, die ewige Plage in Parklücken. Gut nutzbaren Kofferraum (hier 320 Liter) hatte schon der Calibra, dafür sollte Alfa sich nicht zu sehr feiern.

Nein, was den Italiener in der zusammengeschrumpften Coupé-Welt (3er-Coupé, Astra Coupé, Toyota Celica) für Monte Carlo qualifiziert, ist sein sportlicher Antrieb. Zum Verkaufsbeginn im Februar 2004 startet der GT mit einem Benzin-Direkteinspritzer (2.0 JTS, 165 PS), einmaligem Klangkonzert (3.2 V6, 240 PS) sowie einem spritzigen Diesel (1.9 JTD, 150 PS, nur Euro 3), der selbst eingefleischte Alfisti in Versuchung bringt.

Alfa Romeo hat im September 2003 bei uns zu 70 Prozent Selbstzünder verkauft, nun rechnen die Strategen beim Coupé schon mit 40 Prozent Dieselanteil. "Der Fünfzylinder-Diesel mit 175 PS kommt später", so Chefentwickler Paolo Massai. Warum, weiß wohl niemand so genau.

Auf Monacos Grand-Prix-Strecke starten wir mit dem 2.0 JTS und dem automatisierten Schaltgetriebe Selespeed (Option). Der Umgang mit den beiden Schaltpaddeln am Lenkrad erinnert an Flippern oder Formel 1: Bergauf Richtung Casino jagt ein Fingerschnipp den nächsten Gang hinein, die andere Hand flippert die Gangleiter rückwärts. Anders als im Rennen geht alles auch automatisch. Und bequemer.

Ab Februar 2004 für 26.950 Euro zu haben

Der Zweiliter dreht federnd leicht bis in den Begrenzer bei 6600 Touren, soll in 8,7 Sekunden auf Tempo 100 springen und 216 km/h erreichen – aber nicht in Monacos Alltagsverkehr. Doch spätestens im Tunnel unten am Hafen brennt sich kalte Ernüchterung ins Ohr: Wo ist der typische Alfa-Sound geblieben? Der JTS klingt nicht mehr, hat das Bollern, Spotzen, Grollen und Leben verloren, das einen Alfa so liebenswert gemacht hat. Hilfe, die europäischen Geräusche-Gleichmacher haben auch Italien erreicht!

"Wir wollen neue, mehr Komfort-orientierte Kunden ansprechen", gesteht Paolo Massai. Ist das die richtige Wachstumsstrategie? Zum Glück bekommen Klangfreunde Unterstützung von Alfa-Boss Daniele Bandiera, der auch geklagt hat, vom Motor sei zu wenig zu hören. Es gibt also Hoffnung.

Die sportlichen Gene des GT sind bestens entwickelt. Die Lenkung arbeitet mit nur 2,25 Umdrehungen sehr direkt, die Bremsen wurden extra vergrößert. Das Coupé bekam seine eigene Fahrwerkabstimmung – "mit dem neutralen Handling eines Sportlers und dem Komfort eines Reiseautos", so Alfas Chefentwickler. Das ESP soll sogar satte Driftwinkel tolerieren, bevor es eingreift. Damit warten wir, bis die Baustelle in der Schwimmbad-Schikane abgebaut ist. Beziehungsweise bis 26. Februar 2004: Dann kommt der neue GT kommt zu Preisen ab 26.950 Euro.

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