Fahrbericht Aptera 2e

Fahrbericht Aptera 2e

— 13.08.2009

Was stromert denn da durch New York?

Der futuristische Aperta 2e sieht aus wie ein Flugzeug ohne Flügel. AUTO BILD stromerte lautlos durch die Straßen von New York - mittendrin zwischen Ahhs und Ohhs und dem Gefühl "Yes we can".

Das Ding sieht aus wie das Resultat einer stürmischen Liebesnacht zwischen Apollokapsel und Kugelfisch. Oder wie ein Flugzeug, das bei der Landung in eine Unterführung geraten ist und dabei die Flügel lassen musste. Deshalb heißt es auch Aptera. Das ist altgriechisch und bedeutet "flügellos". Das verschärfte Design erinnert an Entwürfe, die etwa anno 1963 durch einschlägige Fachmagazine geisterten, zum Beispiel "hobby" oder "Micky Maus". So verwundert es nicht, dass auf unserer Testfahrt durch Manhattan der Verkehr gelegentlich zum Erliegen kam, und das lag nicht an dem tollen Klang des Zweisitzers (er hat gar keinen), es lag an seinem Drehmoment. Alle Köpfe drehten sich in dem Moment, als das Science-Fiction-Mobil vorbeiglitt – ungefähr wie beim Tennisgucken. Fehlen nur noch "Yes we can"-Rufe. Auf jeden Fall werden Handys steil in die Höhe gereckt, um schnell noch ein Foto dieses UFOs zu schießen. Zum Glück wurden keine New Yorker Antiterror-Einheiten alarmiert. Es bestand ja auch wirklich keine Gefahr. Dieses Dreirad ist schließlich ganz friedlich und fährt erwartungsgemäß elektrisch.

Der Aptera ist ein aerodynamisch ausgefeilter Stromlinien-Cruiser

Absurd: 2,24 Meter breite Spur und ungewohnte Proportionen. Da wird hemmungslos Platz verschwendet.

Ähnlich wie die Tesla-Boys schwimmen auch die Aptera-Leute im reißenden Strom des Stromautobooms. Ihre Geschäftsidee ist jedoch nicht das Zusammenlöten von Laptop-Akkus wie bei Tesla, ihre Idee ist die Aerodynamik. Seit den Zeiten des Rumpler Tropfenwagens geistert regelmäßig die Stromlinie durchs Auto-Marketing. Und jedes Mal wird so getan, als wäre das eine völlig neue Idee. So auch Firmengründer Steve Fambro, der allerdings mit der ungewöhnlichen Tropfenform des Aptera etwas besonders Strömungsgünstiges geschaffen haben will: cW=0,15! Inspiriert wurde er übrigens vom Einliter-VW von Ferdinand Piëch. Grundsätzlich ist das natürlich der richtige Ansatz. E-Autos leiden unter chronisch knapper Energie, deswegen heißt es damit hauszuhalten. Also Leichtbau (der Aptera wiegt 770 Kilo), ausgefeilte Aerodynamik, nur drei schmale Räder für geringen Rollwiderstand, ein effizienter Motor und die beste Batterietechnologie (Lithium-Eisenphosphat).

Die 2,24-Meter-Spur vorn wäre für deutsche Straßen unmöglich breit

Happy End: Schlank und elegant wie eine Schwanzflosse endet der Aptera, rot markiert mit LED.

Der Aptera macht auf Cruiser, nicht wie der Tesla auf Racer. Spitze 137 km/h, Reichweite 190 Kilometer – das muss reichen. Tut es ja meist auch. Nur eines ist absurd: Diese psychedelische Form mit ihren ungewohnten und unpraktischen Proportionen. Da wird unendlich viel Platz verschwendet. Die 2,24-Meter-Spur der Vorderachse mit den riskant herausragenden Rädern wäre für deutsche Straßen unmöglich breit, bei 4,39 Meter Länge bleibt trotzdem nur Platz für zwei, und die große Glaskuppel ließe sich als Dampfgarer verwenden, wäre nicht eine Klimaanlage installiert, die ordentlich Strom schluckt. Angetrieben werden die Vorderräder des Modells 2e von einem 300-Volt-Elektromotor. Über Nacht soll die Batterie wieder voll sein, aufzuladen an der heimischen Steckdose. Preis für das Ufo: 25.000 Dollar. In der etwas teureren Hybrid-Variante 2h steht dem Elektroantrieb noch ein kleiner Verbrennungsmotor zur Seite, der aber nur als Generator zur Reichweitenverlängerung dient und nicht mit den Rädern verbunden ist.

Schon 4000 Bestellungen

Dass es mit der Serienreife des Elektroantriebs noch nicht weit her ist, beweist die aktuelle Übergangslösung. Denn ab 2010 möchte die Firma aus San Diego zunächst ausschließlich einen 660-Kubik-Vierzylinder aus einem japanischen Microcar einbauen. Mit dem sollen wegen des widerstandsarmen Designs nur 1,8 Liter auf 100 km verbraucht werden. Das Vehikel wurde in Kalifornien als Motorrad eingestuft. Dennoch hocken die beiden Passagiere nicht hinter-, sondern wie es sich gehört nebeneinander. Wir saßen ganz bequem in dem futuristischen Cockpit, im Heck war sogar Platz für Gepäck. Das Gefährt fuhr zwar, war aber als Prototyp noch ziemlich unfertig. Deswegen hüllen wir den Mantel des Schweigens über Federungskomfort und Lenkpräzision. Trotz der Flügellosigkeit sind die Pläne, wie bei solchen Firmen üblich, hochfliegend. 100.000 Exemplare will der Hersteller ab 2014 pro Jahr bauen, 4000 Bestellungen sollen schon vorliegen. Apropos Aptera gleich flügellos: Ganz stimmt das nicht. Denn wie bei allen Autos, die sich wichtig machen wollen, verfügt der Stromer von morgen über Flügeltüren.
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Die Tropfenform hatten schon viele versucht. Rumpler, Tatra, Jaray. Das war interessant, aber das Auto verweigert sich der extremen Stromlinie. Ihr Nutzwert ist einfach zu schlecht. Im Elektroauto kommt es auf den gelungenen Kompromiss zwischen Alltagstauglichkeit und Fahrwiderstand an. Den liefert der Aptera nicht. Wir verbuchen ihn daher als Marketing-Gag.

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