Fahrbericht Aston Martin Rapide

Aston Martin Rapide Aston Martin Rapide

Fahrbericht Aston Martin Rapide

— 07.06.2006

Der Familien-Porsche aus England

Porsche will ihn, England hat ihn schon: den viertürigen Sportwagen für die ganze Familie. AUTO BILD durfte mit dem Rapide erstmals Gas geben.

Der Rapide sorgt für Objektivitätsverlust

Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf der Auto Show in Detroit gelang dem Rapide, was so schnell kein Blechkörper schafft: Der Aston Martin sorgte bei mir für weiche Knie, feuchte Augen, Herzklopfen – und für ein gerüttelt Maß Objektivitätsverlust. Vier Monate später sehen wir uns wieder, die Diva mit der Wespentaille und der Zwei-Meter-Journalist. Auf dem Prüfgelände von Gaydon soll mir der Rapide beweisen, daß Modellbezeichnungen nicht nur Schall und Rauch sind.

Rapide heißt schnell, und deshalb beschleunigt der Viersitzer auch wie ein geölter Blitz. Von null bis 100 km/h vergehen nur 5,5 Sekunden, doch bevor sich der Fahrtwind mit den handgeschmiedeten Außenspiegeln lautstark in die Wolle kriegt, zwingt der elektronische Zeigefinger die Zündfunken zum Dienst nach Vorschrift. Später, wenn das Einzelstück zur Kleinserie gereift ist, sollen bis zu 288 km/h möglich sein. Als Inspiration für den Viertürer diente der Original-Rapide, der 1938 für Lagonda vom legendären W.O. Bentley entwickelt worden war. "Unser Ziel war es, den schönsten Viertürer der Welt auf die Räder zu stellen", erklärt Chefdesigner Marek Reichman. Ziel erreicht, Mr. Reichman – doch bei den Maßen darf noch nachgebessert werden.

Denn obwohl der Radstand gegenüber dem DB9 (2740 mm) fast auf S-Klasse-Niveau (2990 mm) verlängert wurde, geht es in Reihe zwei mehr als eng zu. Die Beinfreiheit reicht knapp aus, aber der Skalp scheuert am Dachhimmel, und der Einstieg ist ein Fall für Schlangenmenschen. Das Rapide-Heck ist ein Verwandlungskünstler. Unter der noblen Ladefläche verbirgt sich nicht nur die Bar, sondern auch ein Schachbrett samt Figuren, vermutlich zum standesgemäßen Zeitvertreib im Mega-Stau. Auf Knopfdruck klappen die Rücksitzlehnen nach vorn und geben eine belederte Spielwiese frei, die genug Platz bietet für einen Jahresbedarf an Champagner.

Urgewaltiger V12 und knallharte Bremsen

Zwischen den bekannten Rundinstrumenten und dem auf Hochglanz verchromten Bedienpaneel wartet der gläserne Starterknopf auf seinen Einsatz. Wer ihn drückt, erlebt die Urgewalt des 6,0-Liter-V12, dessen Leistung für den Viertürer von 450 auf 480 PS angehoben wurde. Gleichzeitig komponierten die Tontechniker eine noch mitreißendere Begleitmusik, deren grollendes Ansaugbrabbeln und sonores Auspuffbollern man nicht so schnell vergißt. Synchron dazu legt sich das Drehmoment mit einer Nachhaltigkeit ins Zeug, die Vergleiche mit der Urgewalt der Gezeiten aufdrängt.

Die 20-Zöller rollen spröde ab, aber sie verzahnen sich mit der Fahrbahn wie ein Reißverschluß. Der Lenkung gelingt die seltene Synthese aus Präzision und Rückmeldung. Die auf Show getrimmten Bremsen verzögern mit dem Druck eines Dobermann-Kiefers. Nur der Wendekreis, der momentan eher an eine Kanalfähre erinnert, trübt das Bild. Weil sich der Rapide alle wesentlichen Gene des DB9 einverleibt hat, dürfte die Entwicklung zum Serienauto problemlos gelingen.

Das soll sich auch in der Preisgestaltung niederschlagen. Heißt: rund 160.000 Euro. Die aber nur dann gut angelegt sind, wenn sich im Fond ein paar Zentimeter mehr Höhe, Tiefe und Breite herauskitzeln lassen. Denn damit steht und fällt die Existenzberechtigung für den unwiderstehlichsten und unvernünftigsten Viertürer, der den Porsche Panamera jetzt schon herausfordert.

Autor: Georg Kacher

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