Aston Martin Rapide

Aston Martin Rapide Aston Martin Rapide

Fahrbericht Aston Martin Rapide

— 21.01.2009

Die vierte Dimension

So schön kann ein viertüriges Coupé sein. Der Rapide ist kein Raumwunder, aber ein Hingucker: Mit DB9-Technik geht der Viersitzer ab Ende 2009 – zu Preisen von rund 270.000 Euro – auf Porsche-Panamera-Jagd.

Flashback ins Jahr 2006. Premiere der Rapide-Studie in Detroit, erster Fahrtermin des Prototyps im Frühsommer. 36 Monate später läuft der Countdown für den Rapide auf vollen Touren – trotz Wirtschaftskrise und dem Gerücht, ein 20-Prozent-Anteil von Aston Martin stehe zum Verkauf. Das Auto ist im Prinzip fertig und unterscheidet sich im Prinzip kaum von dem Show-Car. Die Form der Sportlimousine stammt aus der Feder von Marek Reichmann. Der Aston-Chefdesigner beweist, dass es sehr wohl möglich ist, Sportwagengene ohne Qualitätsverlust in einen Viertürer zu verpflanzen.

Der geht ab wie Schmitz' Katze

Klassisch: die Xenon- Scheinwerfer mit LED- Tagfahrlicht und die breit ausgestellten Kotflügel.

Der Rapide ist nämlich kein verquollener Vantage-Verschnitt, sondern ein traumhaft stilsicher proportioniertes Coupé mit zwei vollwertigen Sitzreihen. Hier stimmt einfach alles: das markante Gesicht, die bildhübsche Silhouette, der bullige Heckabschluss. Und natürlich die Technik, denn die kennen wir aus dem DB9. Schon der Prototyp geht ab wie Schmitz’ Katze. Fast sechs Liter Hubraum, zwölf Zylinder, 500 PS und 600 Newtonmeter Drehmoment könnten den Asphalt der Teststrecke in dünnen Schichten abtragen, wenn die Chips nicht schon bei Halbgas die weiße Flagge hissen würden. Doch auch mit gebremstem Schaum zeigt der Rapide Wirkung. Die Drehmomentkurve zackt wie eine Fontäne steil nach oben, der Leistungsfluss bewegt Urgewalten in Richtung Transaxle-Getriebe, die Gänge sortiert auf Wunsch ein ebenso flinker wie umgänglicher Wandler.

Inzwischen geändert: längerer Radstand, höheres Dach, größere Türöffnungswinkel.

Hinter vorgehaltener Hand verrät der technische Direktor Ian Minards die Fahrleistungen: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden, Spitze über 300 km/h, Verbrauch ungefähr auf DB9-Niveau. Die Fahreigenschaften adeln den Rapide auf der Skala zwischen Sportwagen und Familienkutsche zum intuitiven Dynamiker. Die Lenkung besitzt beinahe telepathische Fähigkeiten, Motor und Getriebe verstehen sich blind, das Fahrwerk beherrscht den Dreisatz aus Erdverbundenheit, Disziplin und Geschmeidigkeit. Nur über die Bremsen können wir keine Aussage treffen, denn die flächig verchromten Scheiben glänzen eher als Effekthascher denn durch prompte Verzögerung.

In die Serie übernommen wird das Glasdach mit variabler Tönung, nicht aber der XXL-Kofferraum mit Champagnerkühler und Backgammontisch. Auch der Fond ist kaum wiederzuerkennen. Der verlängerte Radstand schafft mehr Beinfreiheit, die entspanntere Dachlinie schont das Haupthaar, das neue Fersenblech macht Platz für bequemere Sitze. Gebaut wird der Rapide nicht im englischen Gaydon, sondern bei Magna in Graz. Die Fertigung soll im Sommer anlaufen, die ersten Autos werden noch vor Ende 2009 ausgeliefert – zu Preisen von rund 270.000 Euro. Möglicherweise startet schon vier Jahre später das Nachfolgemodell. Auf Basis der nächsten S-Klasse und mit einem stark modifizierten Mercedes-V12. Bestätigen will das momentan freilich niemand. Schon gar nicht Ulrich Bez, der Vater der Aston-Martin-Comeback-Story.

Autor: Georg Kacher

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