Fahrbericht Audi A6 3.0 TDI quattro

Audi A6 3.0 TDI quattro Audi A6 3.0 TDI quattro

Fahrbericht Audi A6 3.0 TDI quattro

— 22.03.2004

Audi für Aufsteiger

Audi wächst über sich hinaus: Der neue Audi A6 sorgt für Aufruhr in der Oberklasse, bedrängt sogar seinen Bruder A8.

Fast schon eine Konkurrenz zur Luxusklasse

Namen sind oft irreführend. Denken wir nur an die Maut-Dilettanten von Toll Collect, an den talentfreien Singsang-Zirkus "Deutschland sucht den Superstar" oder auch den neuen A6. Ja, richtig gelesen. Die Neuauflage von Audis Oberklasse kommt Ende April unter falschem Namen auf die Straße. Was sich beim ersten Rendezvous andeutete, macht die Ausfahrt zur Gewissheit: Dieser A6 kratzt völlig ungeniert am feinen Bruder A8, müsste eigentlich A6 plus oder gar A7 heißen.

Schon die Architektur des A6 lässt keinerlei Zweifel an diesem Anspruch. Audi-Chef Dr. Martin Winterkorn erst recht nicht: "Wir wollten schlichtweg die beste und sportlichste Business-Limousine auf dem Markt bauen." Wenn das keine Steilvorlage für den ersten Vergleich ist ... Genau wie beim A8 6.0 gilt für den A6: Große Klappe und viel dahinter. Wie einen Schild schiebt der Ingolstädter seinen gewaltigen Wappengrill durch die Republik und demonstriert so Führungswillen.

Dem Vorwurf der peinlichen Prahlerei begegnet Audi mit einer ausgesprochen eleganten Seitenlinie, die in ein Coupé-haftes Heck mündet. Was dabei auf den ersten Blick völlig untergeht, ist die tatsächliche Größe des Wagens. Mit 4,92 Metern überragt er sämtliche Konkurrenten um einige Zentimeter, bleibt optisch dennoch leicht. Erst beim Einsteigen fällt dann auf, wie luftig und luxuriös es im A6 zugeht: Sowohl vorn als auch hinten reist es sich ausgesprochen entspannt.

Der Fahrer ist mit dem Auto verwachsen

Die Sitze wurden deutlich verbessert. Dr. Winterkorn bringt es auf den Punkt: "Wir sitzen jetzt wieder in und nicht auf den Sitzen." Bei Innenarchitektur und Verarbeitung gibt die Marke mit den vier Ringen ohnehin bereits die Schlagzahl vor. Zwar fand unsere erste Probefahrt nicht in einem nackten Basis-A6 statt, die Liebe zum und die Perfektion im Detail sprechen aber für die gesamte Baureihe. Das auf Knopfdruck andächtig langsam aufschwingende Handschuhfach vermittelt hohe Wertigkeit.

Ergreifend edel auch die Drehregler für den Zentralrechner MMI und die Klimaautomatik (beides Serie). Fast schon lustvoll tasten die Finger die schweren, metallenen Drehknöpfe und lauschen ihrem satten Klicken, das per Feintuning mit dem Klickgeräusch der Klimaregler synchronisiert wurde. Herrlich.

Dazu der elegante Taster für die elektromechanische Parkbremse, das griffige Lederlenkrad oder die fein gerahmten Dekoreinlagen – stimmt einfach alles. Das gilt auch für Funktionalität und Ergonomie. Was BMW uns nur noch im Dreier gönnt, greift Audi beherzt auf: Die Mittelkonsole neigt sich leicht zum Fahrer, lässt uns fast mit dem Auto verwachsen. Dabei bleibt der gute Monitor (Basis 6,5 Zoll, einfarbig) auch vom Copiloten perfekt einsehbar, Radio, Navigation oder Telefon lassen sich auch von rechts locker bedienen.

Technische Daten und Preise

Der schönste Platz im A6 liegt dennoch links vorn. Das sorgfältig abgestimmte Fahrwerk schafft Freude am Fahren ohne Klagen beim Komfort. Weil Räder und Achsen jetzt weiter auseinander stehen, liegt der A6 so unverschämt satt und souverän auf der Straße, als sei sie ein Teil von ihm. Die verführerisch präzise, für meinen Geschmack bei Schleichfahrt aber zu leichtgängige Servotronic macht dabei Lust aufs Kurvenräubern.

Verstärkt wird dieses Begehren in unserem Fall durch den neuen 3,0-Liter-V6-TDI mit Piezo-Injektoren, der seine Kraft über eine famose Sechsstufenautomatik an alle vier Räder verteilt. Schon mit dem ersten zarten Streicheln des Gaspedals schiebt der Common-Rail-Motor los, als gebe es kein Morgen.

Stattliche 450 Nm Drehmoment und 225 PS wirken dabei stets hellwach und leistungsbereit, setzen den 1765 Kilo schweren 3.0 TDI scheinbar mühelos in Szene – von Turboloch oder Anfahrschwäche keine Spur. Bei alledem geht der Vierventiler vernehmlich, aber gut gedämpft zu Werke. Ein Rußfilter für 580 Euro folgt bis zum Sommer – die Euro 4 schafft der 3.0 TDI aber jetzt schon. Der gut ausgestattete Saubermann fordert 42.900 Euro, liegt damit knapp unter BMW 530d und Mercedes-Benz E 320 CDI. Den A6 3.0 TDI quattro deswegen als Schnäppchen zu bezeichnen wäre allerdings vermessen.

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