Fahrbericht Audi A6 allroad quattro

Audis Allrad-Flotte: A6 Avant, A6 allroad, Q7 Audis Allrad-Flotte: A6 Avant, A6 allroad, Q7

Fahrbericht Audi A6 allroad quattro

— 19.05.2006

Das ist die Höhe

Erst A6 Avant, dann Q7 und jetzt der allroad: Drei große Audi mit reichlich Platz und Allradantrieb machen die Wahl zu Qual.

Fährt der allroad den goldene Mittelweg?

In deutschen Supermarktregalen stehen rund 400 Joghurt-Sorten zur Auswahl. Bei einem derartigen Überangebot – wissen Beratungsbücher wie "Simplify your life" – steigt die Lebensqualität nicht, sondern sie sinkt. Wir brauchen einfach zuviel Zeit und Energie, das Richtige einzukaufen.

Auch Audi macht Autokäufern das Leben schwer. Zum A6 Avant quattro und Q7 stellen die Ingolstädter ab Juni den A6 allroad quattro und sorgen für Verwirrung. Welchen nehmen? Den schicken Zivilisten? Die gewaltige Blechlawine? Oder die goldene Mitte, den allroad? Die erweiterte 4x4-Palette klingt eher wie "Complicate your life" und nicht nach Vereinfachung. Fakt ist: Zwischen 2000 und 2005 hat Audi 90.000 Exemplare der ersten allroad-Generation abgesetzt – genug, um eine zweite Auflage zu rechtfertigen. Das ist legitim. Was der Kunde kauft, wird gebaut. Basta!

Er wird vornehmlich an Reithallen, Skiliften und abgelegenen Jagdhäusern zu finden sein. Dorthin jedenfalls plazieren ihn die Marketingexperten von Audi: "Der allroad ist für Leute, die kein echtes SUV wollen, aber öfter auf Schotter, im Schnee oder auf morastigen Feldwegen unterwegs sind."

Alle Qualitäten des A6 sind vorhanden

Technisch wie optisch ist der Neue nichts anderes als ein rustikal aufgepeppter A6 Avant. Im Gegensatz zum Vertreter-Traum trägt der allroad nicht Anzug, sondern die Krachlederne. Sein Grill ist gedrungener, die vertikalen Streben verchromt sowie die kräftigen Stoßfänger und Radhausverbreiterungen in Kontrastfarbe lackiert. Verchromte Zierplatten vorn und hinten deuten auf den Edelstahl-Unterfahrschutz hin. Dazu kommen markantere Dachreling, größere Außenspiegel und kräftig profilierte Türaufsatzleisten – fertig ist der allroad.

Beim Fahren ist ein Unterschied zum Normal-A6 nicht festzustellen. Angetrieben vom kleinsten Motor, dem 2.7 TDI, geht es im allroad zügig und agil vorwärts. Das Common-Rail-Aggregat leistet 180 PS, dreht kraftvoll hoch und sorgt für so gute Fahrleistungen, daß er die weitere Motorenpalette (3.0 TDI: 233 PS, 3.2 FSI: 255 PS, 4.2 FSI: 350 PS) zur Prestige-Protzerei macht.

Anders als der A6 2.7 TDI hat der allroad logischerweise 4x4-Antrieb serienmäßig. Auch Sechsstufen-Tiptronic und Luftfederung gehören zum Lieferumfang. So gerüstet, läßt er beim Schalt- wie beim Fahrkomfort keine Wünsche offen. Die Automatik wechselt butterweich und schnell die Gänge. Das Fahrwerk wird auf Knopfdruck sportlich straff oder gemütlich komfortabel.

Auf der Autobahn gehört er mit Spitze 215 km/h zu den schnelleren Ausdauersportlern. Dank 80-Liter-Tanks und einem Verbrauch um zehn Liter durchquert er die Republik fast in einem Rutsch, ohne daß sich dabei Ermüdungserscheinungen einstellen würden. Die sehr guten Sitze, vorbildliche Bedienung und die Audi-typische Qualität übernimmt der allroad eins zu eins vom A6.

Mit Offroad-Paket eine luxuriöse Bergziege

In Sachen Klettertalent eifert der allroad dem Q7 nach. Bei den Luftfederbälgen und Dämpfern hat Audi den wichtigsten funktionalen Eingriff vorgenommen. Neben "dynamic, automatic, comfort" und "lift" haben die Techniker die Kennlinie "allroad" ergänzt. In diesem Modus hat der Wagen 175 Millimeter Bodenfreiheit; im Lift-Betrieb läßt sich die Karosserie nochmals um zehn Millimeter anheben. Dann schwebt er 65 Millimeter höher über dem Boden als der A6. Und das kann entscheidend sein.

Speziell auf groben Geröllpisten, im Tiefschnee und auf ausgefahrenen Feldwegen ist der allroad dem normalen Kombi klar überlegen. Für die meisten Geländeaufgaben zeigt er sich gut gerüstet. Ob rutschige Steigung, Hangpassagen oder Wasserdurchfahrten, wenn es ganz dick kommt, läßt sich der Schleuderschutz ESP wie beim Q7 in den Offroad-Modus schalten, und die Elektronik erlaubt mehr Radschlupf. Viel souveräner, sicherer und luxuriöser kann man eine Berghütte auf 2000 Meter über dem Meer nicht erreichen.

Mit optionalem Offroad-Paket wird er endgültig zur Bergziege. Dazu gehören gröber profilierte 18-Zoll-Räder und verstärkter Unterfahrschutz. Warum also noch den Q7 nehmen? Der Zugewinn an Offroad-Potential ist nicht so groß, daß er den Kauf des SUV-Monsters rechtfertigt. Allerdings bietet er erheblich mehr Platz, auf Wunsch sieben Sitze und natürlich ein großes Plus an Prestige.

Fazit und Technische Daten

Daß der Q7 zum Geheimtip im quattro-Trio wird, liegt aber vor allem an der Preispolitik von Audi. Beispiel: Der 3.0-TDI- Motor (233 PS) ist das bislang einzige in allen drei Modellen erhältliche Triebwerk. Zwischen Q7 (51.410 Euro) und allroad (50.600 Euro) liegen demnach nur 810 Euro. Da bleibt die Qual der Wahl. Der A6 Avant 3.0 TDI dagegen mit Tiptronic und Luftfedern kostet 48.990 Euro und ist damit immerhin 1610 Euro günstiger als sein Pendant im Globetrotter-Look. Und wer beim A6 auf Luftfedern und Automatic verzichtet, ist ab 45.090 Euro dabei. Ein Blick aufs Geld vereinfacht die Dinge manchmal ungemein.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan "Kaufmännisch ist der allroad ein genialer Marketing-Schachzug. Gebaut auf dem A6-Band in Neckarsulm, kriegt er ein paar optische Zutaten sowie andere ESP- und Luftfeder-Abstimmung. Das kostet wenig, bringt im Verkauf aber einen satten Gewinn. Auf der anderen Seite liegt der Q7 preislich so nah, daß er quattro-Interessenten fast zwangsläufig zu der Überlegung treibt: Wenn schon Offroader, dann gleich das mächtige Super-SUV. Für den allroad bleibt die Rolle des "Sowohl-als-auch-Zwitters". Das Ergebnis ist egal: Bei Audi klingelt in jedem Fall die Kasse. Mir jedenfalls würde der Normal-Avant völlig reichen."

Technische Daten Audi A6 allroad quattrp 2.7 TDI: V6-Turbo • vier Ventile pro Zylinder • vier obenliegende Nockenwellen • Hubraum 2698 cm³ • Leistung 132 kW (180 PS) bei 3300/min • max. Drehmoment 380 Nm bei 1400/min • Allradantrieb • Sechsstufen-Tiptronicgetriebe • Einzelradaufhängung • Luftfederung • Kofferraum 565 bis 1660 Liter • Tank 80 Liter • Länge/Breite/Höhe 4934/1862/1519 mm • Reifen 225/55 R 17 • Leergewicht 1875 kg • Spitze 215 km/h • 0–100 km/h in 9,3 s • Verbrauch (EU-Mix) 8,7 l D/100 km • Preis: 47.600 Euro

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für die Dreiliter-Diesel Audi A6 Avant, Audi A6 allroad quattro und Audi Q7. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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