Fahrbericht Audi TT Clubsport

— 22.01.2008

Weniger ist mehr

Kein Dach, aber dicke Backen, 300 PS und viel Cleaning. Kein Wunder, dass der TT Clubsport den GTI-Fans vom Wörthersee den Kopf verdrehte. AUTO BILD SPORTSCARS ist ihn gefahren.

Scharf zupft der Fahrtwind an den Gesichtshaaren, drückt so kräftig in Mund und Nase, dass das Atmen schwerfällt. Der Wind tost von der Seite, von hinten, von oben – ein Segen, dass der TT Clubsport wenigstens von unten keine Luft hereinlässt. Es könnte ein vollendeter Genuss sein, sich derart eine nach Rosmarin, Lavendel und Brandung duftende Brise irgendwo in Südfrankreich um die Ohren und in die Nase blasen zu lassen, Fahrtwind und Motor zu lauschen und im TT Clubsport kurvige Küstenstraßen unter dem aberwitzig mächtigen Kühlergrill aufzusaugen. Doch die Wirklichkeit sieht gerade anders aus. Ganz anders: Was den Atem raubt, ist nicht der Raserei geschuldeter Fahrwind, sondern die schmerzhaft spürbaren Auswirkungen von Stadttempo bei gefühlten minus 15 Grad in einem Gefährt, das offener nicht sein kann: Der Audi TT Clubsport erklärt den Verzicht zur Tugend und kommt ohne Dach, versenkbare Seitenscheiben oder gar Windschott daher. Eine kompromisslose Fahrmaschine, ein knackiger Schön-Wetter-Racer mit maximaler Lustgarantie. Doch im Moment trotz dreier Jacken und Heizung auf "Burn out" so kuschelig wie Strippoker am Nordkap.

Zugige Sache: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist das Oben-ohne-Event  nicht wirklich ein Vergnügen.

Zugige Sache: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist das Oben-ohne-Event nicht wirklich ein Vergnügen.

Dabei bietet der wuchtig gezeichnete TT im Speedster-Look zumindest sportlich gesinnten Naturen ein gutes Maß an artgerechtem Fahrkomfort in Gestalt hervorragend konturierter Schalensitze, in denen man sich, von breiten Vierpunktgurten zusätzlich festgezurrt, mit Wonne dem Spiel mit den Beschleunigungskräften hingeben kann. Oder könnte, denn der TT Clubsport ist noch ein handgefertigtes Einzelstück höchster Verarbeitungsqualität, eine Serienfertigung in Kleinstauflage zwar denkbar, aber zugunsten des für Mai angekündigten, betont sportlichen TTS erst mal auf Eis gelegt. Der feierte in Detroit Weltpremiere und teilt sich mit dem TT Clubsport die Triebwerksbasis: den aufgeladenen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer, dessen in Tunerkreisen bekanntes Potenzial nun auch ab Werk etwas nachhaltiger ausgereizt wird. Durch verschiedene Modifikationen, etwa einem veränderten Saugrohr, entlockt Audi dem aus dem S3 bekannten Motor beim TT Clubsport rund 300 statt 265 PS (der TTS hat 272 PS). Und jede Menge anmachender Geräusche, die nicht nur Turbo-Connaisseure gehörig aus dem Häuschen bringen dürften: Betont basslastig grunzt der Audi schon im Leerlauf, tönt beim Hochdrehen zunehmend aggressiver und verwöhnt bei der Gaswegnahme mit einem scharfen Wastegate-Zischeln, das es in dieser Vehemenz wohl kaum in die Serienfertigung schaffen dürfte.

Röchelnder Zweiliter-Sound: Hier entlässt der TFSI den heißen Rest seiner 300 PS.

Röchelnder Zweiliter-Sound: Hier entlässt der TFSI den heißen Rest seiner 300 PS.

Ebenso wenig der äußerst adrette Motorraum, der dank fehlender Plastikabdeckung und aus optischen Gründen nach innen verbannter Nebenaggregate wie Klimaanlage und Aktivkohlefilter einen direkten Blick auf das Triebwerk gestattet. Als Blickfang wurde ein Rennluftfilter montiert, eine Domstrebe gewährt nicht nur zusätzliche Stabilität, sondern dient zudem als Lagerstätte für den Kühlwasserausgleichsbehälter. Gewissermaßen ein Retro-Look, der zeigt, was modernen, komplett verdeckten Motoren an optischen Reizen alles abgeht. Charmante, aber gleichermaßen kaum serientaugliche Wege beschritt Audi beim Mechanismus zum Öffnen der Türen: Es gibt außen keine Griffe. Wer den TT Clubsport entern will, drückt einfach auf die Fernbedienung, und die Türen springen auf.

Dass der Clubsport nicht nur dem Namen nach als Sportgerät auftritt, zeigen neben der harten Federung 20-Zoll-Räder, Keramikbremsen und die um acht Zentimeter verbreiterte Spur. Letztere lässt den luftigen TT zwar im Stadtverkehr etwas ungelenk erscheinen, verspricht aber eine Menge Spaß und Tempo auf kurvigen Landstraßen oder einem Rundkurs. Dazu passt auch der drehfreudige Motor, der sich nach Aufbau des maximalen Ladedrucks bei etwa 1600 Touren blitzartig bis zur Drehzahlgrenze von 6450 Touren hochzieht. Unterstützt wird das grandiose Beschleunigungserlebnis vom ansatzlos schaltenden DSG-Getriebe, das hier mit der Schaltkulisse des R8 kombiniert wurde. Bleibt zu hoffen, dass dieses hautnahe Fahrgefühl wenigstens in kleiner Stückzahl zum Erlebnis für zahlungskräftige Kunden wird, denen angesichts der mindestens 55.000 Euro für den stürmischen TT Clubsport nicht der Atem wegbleibt.

Autor: Ralf Kund

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