Fahrbericht Bitter Vero

Die Autos des Erich Bitter Die Autos des Erich Bitter

Fahrbericht Bitter Vero

— 01.11.2007

Ein Zwitter von Bitter

Er kann es nicht lassen. Nach etlichen Fehlschlägen hat Erich Bitter wieder ein eigenes Auto gebaut. Das Rezept des Vero ist das gleiche wie zu Bitters besten Zeiten: biedere Großserientechnik, individuell verpackt. Ob es diesmal klappt?

11833. Die Nummer der Telekom-Auskunft. Und die Geburtsdaten von Erich Bitter. Stimmt wirklich – der Mann, der aussieht wie Ende 50, hat im August seinen 74. Geburtstag gefeiert. Eigentlich das passende Alter, um sich zur Ruhe zu setzen. Aber nicht für diesen Selfmade- und Stehauf-Mann. "Ich gebe mich nicht so leicht geschlagen", sagt der Sohn eines Fahrradhändlers. Mit dem neuen Vero will er trotz vieler Rückschläge beweisen, dass sein klassisches Rezept noch funktioniert. Die Zutaten: günstige Großserientechnik, eine individuelle Optik und das nobelste Interieur, das es für Geld zu kaufen gibt, ohne "den kompletten Krempel völlig neu zu machen". Mit welchem Geld arbeitet er? "Meinem eigenen", sagt Bitter, der 2008 auch noch anfangen will, spanische Vollblüter zu züchten. "Gemeinsam mit zwei Freunden habe ich 250.000 Euro investiert. Bis alles fertig ist, wird wohl 'ne halbe Million draufgehen. Dazu kommt eine Bankbürgschaft über 2,5 Millionen."

Die Basis des Vero ist der australische Holden Caprice

Innen nur vom Feinsten: Weiches Handschuhleder und Alcantara-Himmel verwöhnen den Fahrer.

Der dickste Brocken im Budget ist der aus Australien importierte Holden Caprice, eine 5,20 Meter lange Heckantriebs-Limousine mit einem Sechsliter-V8, der laut Liste knapp 55.000 Euro kostet. Ein weiterer fünfstelliger Betrag ist für die Umrüstung fällig. Motorhaube, Stoßfänger und die seitlichen Entlüftungskiemen werden von Zimmermann bei Köln (DP-Motorsport) zugeliefert. Für das Interieur mit weichem Handschuhleder, beheizten Sitzen und Alcantara-Dachhimmel ist Dagro in Gera zuständig, jenes Unternehmen, das auch an VW Phaeton und Bentley Flying Spur Hand anlegt. Alles alte Bekannte, gute Connections, immer noch funktionierende Seilschaften. "Wie gefällt er Ihnen?", fragt Bitter und gibt sofort selbst die Antwort: "Den Grill hätte ich gern größer gehabt, aber das geht nicht wegen der Getriebe. Nächstes Jahr kommt die neue Sechsstufen-Automatik, leider nicht mit Lenkradwippen. Ich muss eben nehmen, was ich bekomme."

Erich Bitter will 100 Autos pro Jahr verkaufen

Erster Eindruck: Mit dem Vero kehrt das klassische Muscle Car zurück.

121.975 Euro ruft Bitter für den Vero auf – viel Geld für viel Individualität. Erste Absatz-Planungen liegen bei 100 Autos pro Jahr, aber da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Bitter will konservativ kalkuliert haben: "Die Rentabilitätsgrenze liegt bei 25 Autos. Wir haben eine feste Lieferzusage bis Ende 2012. Außerdem wird es keine Änderungen geben, die für uns mit Folgekosten verbunden sind." Das Resultat ist keine Limousine wie alle anderen. Es gibt nur sechs Außenfarben, aber innen ist alles möglich. Und zwar ohne Aufpreis. Die Ausstattung ist komplett, die Garantie beträgt zwei Jahre ohne Wenn und Aber, den Service kann jeder Chevy-Partner übernehmen. Gut so, denn Bitter-Händler sind eine rare Spezies – mehr als sechs bis
acht wird es in Deutschland nicht geben. "Meine Autos muss man mit Herzblut verkaufen", fordert der Chef. "Als Gegenleistung verspreche ich Top-Qualität und eine Marge, die sich lohnt." Lohnt sich auch die Investition in einen Bitter Vero? Auf der Suche nach einer Antwort heizen wir kreuz und quer durchs Bergische Land. Erster Eindruck: Das klassische Muscle Car ist zurück.

Der Vero ist ein Tier im Smoking. Besonders dann, wenn das Getriebe im Sportmodus arbeitet und die Fahrhilfen deaktiviert sind. Denn ausgeknipstes ESP macht demütig: Das herzhaft auskeilende Heck erinnert an eine ungehaltene Echse, die um Grip kämpfenden Dunlops jaulen wie hungrige Dingos, und der Achtzylinder aus der Corvette säuft Crocodile Dundee locker unter den Tisch. 21 Liter, sagt der Bordcomputer. Rund 13 Liter sind möglich, behauptet Bitter. Und grinst. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt, die Beschleunigung von null auf 100 km/h absolviert der Vero in handgestoppten 5,9 Sekunden. Könnte stimmen, meint Bitter. Nachsatz: "Aber das ist nicht wirklich wichtig. Meine Kunden wollen gleiten statt hetzen. Was zählt, ist die persönliche Alternative zur konventionellen Oberklasse."

Was, wenn diese Argumente nicht ziehen in einer Welt, die von großen Marken dominiert wird und nicht von Underdogs – 11833, kein Anschluss unter dieser Nummer? "Dann muss ich Rente beantragen ", sagt Bitter. Aber daran glaubt er wohl selbst nicht, der alterslose Mann, der sich dieser Tage mit seinem Holden-Bitter als Hersteller individueller Automobile ins Handelsregister eintragen lässt. Wieder einmal.

Technische Daten Bitter Vero

V8, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 5967 cm³ • Leistung 270 kW (367 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 530 Newtonmeter bei 4400/ min • Hinterradantrieb • Fünfstufen- Automatik • Einzelradaufhängung vorn/hinten • Scheibenbremsen belüftet vorn/hinten • Reifen 245/45 R 19 vorn/hinten • Länge/Breite/Höhe 5200/1899/ 1480 mm • Radstand 3009 mm • Leergewicht 1890 kg • Kofferraumvolumen 535 Liter • Tankinhalt 73 Liter • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt) • Preis: 121.975 Euro

Autor: Georg Kacher

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