Fahrbericht BMW 120i

Fahrbericht BMW 120i Fahrbericht BMW 120i

Fahrbericht BMW 120i

— 21.06.2004

1er für alle

Längsmotor und Heckantrieb: Das gab es in der Golf-Klasse bislang nicht. Jetzt will BMW die Freude am Fahren auch in die Kompaktklasse bringen.

Frontmotor und Heckantrieb haben Tradition

Mit Reinheitsgeboten nehmen die Bayern es ernst. Das fürs Nationalgetränk gilt seit dem 23. April 1516 und besagt bekanntlich, dass (untergäriges) Bier nur aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser gebraut werden darf. Es ist noch immer gültig, erlassen von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt.

Das Reinheitsgebot aus München gibt es noch nicht ganz so lange. Es besagt ähnlich eindeutig, dass in Autos von BMW ein längs eingebauter Frontmotor und angetriebene Hinterräder gehören. Nach dieser reinen Lehre entstand auch der Einser, und das macht ihn in der Kompaktklasse, die geschlossen auf Quermotor und Frontantrieb setzt, vom Start weg einzigartig. Die Frage bleibt, ob er damit tatsächlich besser als alle anderen fährt.

Sein Konzept sieht man ihm jedenfalls schon von außen an: Zwischen den vielen, inzwischen wie Luftballons aufgeblähten Van-artigen Kompakten sticht der Einser kantig heraus wie ein scharf geschnittener Flieger. Lange Motorhaube, kurze Überhänge, flacher Aufbau: Der BMW ist mit 4,23 Metern zwar etwa so lang wie ein VW Golf (4,20 Meter), duckt sich aber sechs Zentimeter flacher.

Innen ist mehr Platz als erwartet

Die Grundformen stammen vom Roadster Z4, auch bei dem gibt es diese vielen Sicken, Kanten und Falze. Das gefällt bestimmt nicht jedem, vor allem die durchhängende Schweller-Linie verstehe ich zum Beispiel nicht. Der Trick dabei: In diesen Formen steckt eine Menge Spannung, du guckst einfach nicht wieder weg. An vielen Kompakten bleibt der Blick schon lange nicht mehr hängen, am BMW verfängt er sich.

Cockpit und Innenraum geben weniger Anlass zu Diskussionen. Die Sitzposition ist einfach perfekt, es gibt klare Instrumente, die Mittelkonsole ist wie früher zum Fahrer geneigt, und das gefürchtete iDrive kommt nur gegen Aufpreis – zusammen mit dem Navi-System – für 2400 Euro. Verarbeitungsqualität und Kunststoffe machen einen hochwertigeren Eindruck als zum Beispiel im X3, reichen aber an einen Audi A3 sicherlich nicht heran.

Mit den platzraubenden längs eingebauten Motoren und dem Heckantrieb hat der Einser natürlich Mühe, ein ähnliches Raumangebot zu bieten wie die Kompakten mit Quermotor und Frontantrieb. Andererseits hat niemand in dieser Klasse einen längeren Radstand (2,66 Meter – VW Golf 2,58 – Peugeot 307 2,61 Meter). Die Wahrheit liegt dann auch in der Mitte: Das Platzangebot ist nicht so knapp, wie wir befürchtet hatten. Besonders geräumig ist der Einser deshalb aber nicht. Vorn gibt es jedenfalls genügend Platz, und im Fond können Erwachsene durchaus anständig sitzen – jedoch nur bei viel gutem Willen der Vorderleute. Am besten sitzt man ohne Zweifel vorn links. Denn BMW hat nicht zu viel versprochen.

Der Traum vom BMW zum Golf-Preis

Der Einser liegt so knackig, so wunderbar austariert und so präzise wie kein anderer Kompakter – kein Golf und auch kein Focus. Die Lenkung spricht feinfühlig und präzise an, es fehlen eben jegliche Antriebseinflüsse. Auch bei hastigen Manövern bleibt der Einser neutral und stabil auf Kurs und dreht sich mit spielerischer Leichtigkeit in die Kurven. Du kannst völlig entspannt eine saubere Spur fahren. Es mag bitter sein für alle anderen, aber der Heckantrieb in dieser Form bringt es eben wirklich.

Weniger überzeugen konnte bei den ersten Ausfahrten der Zweiliter-Benziner mit 150 PS (aus dem Dreier). Der ist zwar aufwändig gebaut, klingt angenehm heiser und läuft auch kultiviert – aber er tritt im Drehzahlkeller einfach zu schlapp und zu träge an! Erst oberhalb von 4000 Touren erwacht er so richtig zum Leben, dreht dann allerdings wie entfesselt. Man muss das mögen, und – wenn man gern zügiger fährt – auch häufig zum nicht ganz präzise geführten Sechsgangschalthebel greifen.

Ein BMW zum Preis eines Golf – wird dieser Wunschtraum mit dem Einser endlich wahr? Die Antwort ist: Im Prinzip ja. Denn der Einser startet als 116i mit 115 PS für 19.800 Euro. Ein viertüriger VW Golf FSI mit 115 PS steht ab 18.990 Euro in der Liste. Und wie alle Einser hat der 116i schon viele nützliche Dinge an Bord – sechs Airbags, ESP, Zentralverriegelung mit FB, E-Fenster vorn, Bordcomputer. Aber zum Beispiel keine Klimaanlage – die gibt es im Moment nicht einmal gegen Aufpreis. Wahrscheinlich ist sie erst gegen Ende des Jahres lieferbar. Bis dahin muss man gleich die Klimaautomatik nehmen, und die kostet satte 1500 Euro Aufpreis.

2005 kommen Zweitürer und Coupé

Genau hingucken sollte man auch beim Aufpreis für den Metalliclack: Der kostet erst mal 620 Euro, nicht enthalten sind aber Türgriffe, Stoßleisten und Stoßfängerunterteil – macht noch mal 210 Euro (bei 116i und 118d). Der von uns gefahrene 120i mit 150 PS startet dann bei 23.600 Euro mit Sechsganggetriebe und Fensterhebern hinten, genau wie der 120d mit 163 PS für 24.400 Euro. Alle fahren auf 16-Zoll-Stahlrädern, Alus gibt es ab 600 Euro. Ab 18. September wird der Einser als Viertürer bei den Händlern stehen, Anfang 2005 kommt der Zweitürer und noch im gleichen Jahr auch das Coupé. Alle gefertigt nach dem Reinheitsgebot von BMW. Es hat sich eben bewährt.

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