Fahrbericht BMW 7er

BMW 7er BMW 7er

Fahrbericht BMW 7er

— 21.09.2008

So fährt der neue Siebener

Der neue 7er ist ein mächtiges Auto geworden. Technisch trumpft er in bislang ungekannter Weise auf: Vierradlenkung, Nachtsichtgerät mit Personenerkennung, HeadUp-Display mit Speed-Limit-Info – und dann sieht er auch noch gut aus.

Dieser Kühler ist eine Ansage: 20 Zentimeter hoch reckt sich das Teil steil und aufrecht in den Wind, die Botschaft lautet: Hier komm ich. "Geht doch gar nicht anders", sagt BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk. "Der 7er muss immer auch ein Statement sein, das größte und luxuriöseste Auto von BMW kann sich doch nicht verstecken." Die Gefahr, den Siebener zu übersehen, ist allerdings gering, das Auto ist über fünf Meter lang und 1,90 Meter breit. Er wirkt auf der Straße aber graziler, als er in Wirklichkeit ist – und das ist ein Kompliment an die Designer. Die Proportionen stimmen einfach: lange Haube, kurze Überhänge, flacher Aufbau. Vor allem das Heck fließt jetzt viel eleganter, vergessen der klobige Kofferraumdeckel.

BMW hat das ewig umstrittene iDrive-System aufgeräumt

Komplett umgebaut wurde auch das Interieur, das wirkt jetzt sehr edel und gleichzeitig typisch BMW. Doch auch hinter dem fahrerorientierten Cockpit steckt jede Menge Technik. Das, was aussieht wie vier klassische Rundinstrumente, ist zum Beispiel ein Display in Black-Panel-Technik. Schaltet man die Zündung aus, wird es rabenschwarz, nur die Zeiger und die schmalen Chrom-Ränder bleiben übrig. Toll. Und der Wählhebel für die (ZF-Sechsgang-)Automatik liegt wieder ordnungsgemäß auf der Mittelkonsole und versteckt sich nicht mehr hinter dem Scheibenwischer-Hebel. Noch besser aber, dass BMW auch das ewig umstrittene iDrive-System aufgeräumt hat. Jetzt gibt es Direktwahltasten, zufällig ähnlich wie bei Audi, und vor allem eine logische Menu-Struktur. Schön auch die tollen Grafiken im 10,2-Zoll-Display.

Der Diesel liefert vollen Schub knapp über Leerlaufdrehzahl

Zum Start gibt es drei Motoren: Einen Dreiliter-Reihensechzylinder-Benziner mit 326 PS für den BMW 740i (ab 75.500 Euro), einen 4,4-Liter-V8-Benziner mit 407 PS im 750i (ab 90.000 Euro) und den von uns gefahrenen Dreiliter-Diesel mit 245 PS. Der ist ein Traum von einem Motor und selbst für den gewaltigen 7er absolut standesgemäß. Er liefert vollen Schub knapp überm Leerlauf, hängt quicklebendig am Gas und dreht ausgesprochen locker. Das Ganze wird garniert von einem feinen, heiser-sonoren Klang. Großartig. Noch schöner wäre es dann natürlich noch, wenn der Motor den von BMW versprochenen Verbrauch von sagenhaften 7,2 Litern schaffen würde – das müssen spätere Tests zeigen.

Adaptive Dämpfer und Fahrdynamik-Control

Anders als zum Beispiel die grundsätzlich luftgefederte S-Klasse ist der 730d konventionell gefedert (nur 740Li und 750 Li haben eine Luftfederung hinten), verfügt aber über adaptive Dämpfer und die Fahrdynamik-Control zur Abstimmung von Dämpfern, Automatik, Gas und Lenkung. Der Testwagen besaß die Allradlenkung (heißt romantisch Integral-Aktiv1enkung, 750 Euro). Ergebnis: herausragend. Das Fahrwerk spricht sehr feinfühlig an, federt vielleicht einen Hauch straffer als eine S-Klasse, aber immer sehr souverän. Der 7er liegt damit agil, außergewöhnlich präzise und fährt sich unglaublich leichtfüßig für so ein Fünf-Meter-Auto. Das dürfte der neue Klassen-Standard sein.

Acht Airbags und Bi-Xenon-Scheinwerfer gibt es serienmäßig

Der 730d steht mit 69.500 Euro in der Liste, die Ausstattung ist umfangreich und luxuriös. Aber ein paar nette Sachen, man gönnt sich ja sonst nichts, sollte man schon noch ordern: Leder für 2750 Euro zum Beispiel, Komfortsitze vorn für 2130 Euro, ein ordentliches HiFi-System für 900 Euro, Navi für 2900 Euro, Metallic für 1080 Euro und so weiter und so fort. Ein hoher Sicherheitsstandard ist natürlich Serie, viele der neu entwickelten Assistenz- und Sicherheits-Systeme kosten aber teils satte Aufpreis. Acht Airbags, ein superschlaues, stufenweise abschaltbares ESP – das bei BMW traditionell DSC heisst – und BiXenon gibt es aber erstmal serienmäßig.

Technische Gimmicks versüßen Autofahrers Alltag

Vorwegfahren erwünscht: Das Heck des Siebeners hat fraglos gewonnen.

Adaptives Kurvenlicht kostet 670 Euro, das Nachtsichtsystem mit Personenerkennung 2200 Euro, der aktive Tempomat mit Stop & Go-Funktion 1889 Euro. Die Spurwechselwarnung (zur Überwachung des toten Winkels) baut BMW für 620 Euro ein. Spezialitäten sind das Side-View-System mit Kameras in den vordern Kotflügeln (420 Euro) und die Spurverlassenwarnung (520 Euro), die Wankstabilisierung Dynamic Drive kostet 2360 Euro. Man kann darüber diskutieren, ob all das noch sinnvoll und nützlich ist, im Alltag ist es jedenfalls immer wieder verblüffend, wie schnell man sich daran gewöhnt. Die Speed-Limit-Anzeige etwa blendet permanent die aktuell gültige Höchstgeschwindigkeit ein. Sehr nützlich, nur zur Sicherheit.

Mein Fazit: Mit dem neuen 7er definiert BMW den Stand in der Luxusklasse neu. Die nächste Stufe zündet dann der BMW 7 Series Concept ActiveHybrid. Hinter diesem endlosen Namen verbirgt sich die Hybridversion des Siebeners, zu sehen auf dem Pariser Salon im Oktober 2008.

Autor: Dirk Branke

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