Fahrbericht BMW X1

Fahrbericht BMW X1

— 09.06.2009

X3 im Kleinformat

BMW zeigt den X1 dort, wo er später kaum fahren wird: offroad. Das Mini-SUV beweist durchaus, dass es Talent hat fürs Gelände. Und dass die Zeit des X3 so langsam abläuft.

Plötzlich musste es ganz schnell gehen. Der automobile Zeitgeist wollte es so und auch die BMW-Chefetage. Das kleinste SUV, eher ein höhergelegter 3er, soll fertig sein, bevor der Begriff Geländewagen zum verbotenen "G-Wort" wird. Also arbeiten die BMW-Ingenieure mit Hochdruck an den Zielvorgaben unserer Zeit, am perfekten Spagat. Ein Auto für Hausfrau und Hasardeur, für Berg und Boulevard, für Spaß und Sparsamkeit. Ein Auto mit typischen BMW-Genen, nicht so hart wie der X3, nicht so maßlos wie der X6. Und so dozieren die Techniker während der Testfahrt im teilgetarnten X1 durch die Provinz Mallorcas über Dämpfung, Lenkung und Traktion, und in jedem Satz schwingt die Botschaft mit: Dieses Modell soll und muss eine in Verruf gekommene Fahrzeugklasse retten. Auch ohne Hybrid-Version – aber immerhin mit Start-Stopp-Automatik und weiteren Efficient-Dynamics-Ideen.

Im BMW X1 soll es sowohl sportlich als auch komfortabel zugehen

Schon vor dem Einsteigen ist der Unterschied zum X3 sichtbar. Der auf der 3er-Limousine basierende X1 ist deutlich flacher, das Heck wirkt coupéartig. Das macht einen weniger wuchtigen Eindruck als bei den anderen Mitgliedern der X-Familie. Vorn sitzt man höher, aber nicht richtig hoch, hinten hat auch ein 1,90-Meter-Mann genug Kopffreiheit. Der X1 – hier ist es der 23d mit dem 204-PS-Diesel aus dem 123d – hat beim Fahrwerk schon Serienreife erreicht. "Jetzt geht es nur um den Feinschliff", erklärt Entwickler Sebastian Sauerbrei. Der X1 dürfe nicht den Fehler des X3 wiederholen, der zu sportlich-straff ausgelegt war. Komfortabel soll der X1 abgestimmt sein – und trotzdem "ums Eck pfeifen". Dass das gelungen ist, zeigt sich schon nach wenigen Kilometern auf spanischem Schotter.

Das kleinste BMW-SUV kann man durchaus in den Drift zwingen

Untypisch für ein SUV: Beim X1 kommt auch schon mal das Heck rum.

Untypisch für die SUV-Klasse, neigt der X1 nicht zum Untersteuern. Im Gegenteil: Da kommt auf Wunsch schon mal das Heck rum wie bei einer Limousine. "Spüren Sie den BMW?", fragt Sauerbrei bang. "Wenn nicht, haben wir was falsch gemacht." GT-Feeling soll er bieten, der X1. Hmm, nun denn: BMW hat Schlammdurchfahrten und andere Offroad-Gemeinheiten organisiert. Alle Aufgaben löst der X1 mit seinen 194 Millimetern Bodenfreiheit und seinen Assistenzsystemen wie ESP (heißt bei BMW "DSC"), der Allradtechnik xDrive (regelt elektronisch die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse) und der Bergabfahrhilfe. Der X1 hat genug Talent fürs Gelände; er wird vielen BMW-Fans gefallen. Er ist wendiger als sein großer Bruder. Und auch die Hoffnung der Ingenieure, Kindern möge auf langen Touren "hinten nicht so schnell schlecht werden" wie im harten X3, dürfte sich erfüllen. Nur billig wird der X1 nicht werden. Geschätzte 34.000 Euro stehen auf dem Zettel, wenn er im Herbst auf den Markt kommt. Inklusive GT-Feeling.
Hauke Schrieber

Hauke Schrieber

Fazit

Der X1 beweist, dass es auch eine Nummer kleiner geht, ohne allzu große Abstriche beim Nutzwert machen zu müssen. Das optionale Sportfahrwerk kitzelt noch mehr Fahrdynamik heraus. Der kleinste X wird sicher den größten Erfolg am Markt haben, trotz des hohen Preises. Das sympathischste BMW-SUV ist er allemal.

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