Fahrbericht BMW X6 M

Fahrbericht BMW X6 M

— 08.07.2009

Individuell und sauschnell

BMW setzt in Zeiten von Downsizing und CO2-Zwergen einen gewaltigen Kontrapunkt und lässt am 24. Oktober den 555 PS starken X6 M vom Hof. Redakteur Boris Pieritz hat dem 108.000 Euro teuren SUV auf den Zahn gefühlt.

"Na endlich" sagen die einen, "kompletter Unsinn" die anderen. Jetzt hat auch BMW sein Monster-SUV. Stolz präsentieren die Bayern unter der Sonne Georgias den BMW X6 M. Nicht nur zum Gucken wie auf der Drehbühne der Auto Shanghai 2009, nicht zum Cruisen auf einem sanften Küstensträßchen mit 80 km/h Tempolimit, sondern erstmals auf einer Rennstrecke – zum Fahren am Limit. Auch nicht in München oder am Tegernsee, sondern in den USA, wo der X6 zusammen mit seinem SUV-Bruder X5 gebaut wird, und wo großvolumige Hubräume und bullige Autos nach wie vor noch sehr gefragt sind. Trotz Wirtschaftskrise, trotz Umweltschutz. Außerdem ist der Ort der Präsentation weit genug weg vom kritischen deutschen Publikum, das schon bei der Premiere des X6 ordentlich über die Konturen des SUV-Coupé meckerte. Dieses Auto polarisiert! Das zeigen gleich die ersten Gespräche mit den Fachkollegen. Von "absolut hässlich" bis "traumhaft schön" bewegen sich die Einschätzungen bezüglich des sehr eigenwilligen Designs. Fakt ist: Über Design kann man diskutieren, über Leistung nicht. Und die hat der neue BMW X6 M zu Genüge. Krachende 555 PS entfaltet der bayerische Crossover, sein maximales Drehmoment von 680 Newtonmeter steht zwischen 1500 und 5650 Umdrehungen bereit.

Sportwagen-Feeling mit Hochsitz-Ambiente

Diese imposanten Leitungsdaten sind beim ersten zügigen Anfahren hinter einem Pace Car auf der Rennstrecke "Road Atlanta", die aufgrund der hügeligen, kurvigen Streckenführung an eine Mini-Ausführung des Nürburgring erinnert, in jeder Pore zu spüren. Der X6 M ist ein Mega-Dampfhammer, wummert seine unbändige Kraft gnadenlos in den heißen Asphalt. Man merkt dem riesigen SUV (L/B/H: 4851/1994/1764 mm) seine knapp 2,4 Tonnen (Leistungsgewicht: 4,2 kg/PS) überhaupt nicht an. Der neu entwickelte V8-Hochleistungsmotor "M TwinPower Turbo" reitet gnadenlos nach vorne. Sportwagen-Feeling mit Hochsitz-Ambiente – wow! Außerdem sind die diversen Fahrassistenz-Systeme so gut aufeinander abgestimmt, dass der X6 M auch die schärfsten Kurven und knackigsten Schikanen gnadenlos wegbügelt. Die Abstimmung ist einfach perfekt, da haben die Ingenieure der M GmbH saubere Arbeit geleistet. Für den nötigen Grip sorgen fette 20-Zöller mit Reifen der Dimensionen 315/35 R20 (hinten) und 275/40 R20 (vorne). Der intelligente, heckbetonte Allradantrieb xDrive verteilt die Antriebskraft gekonnt zwischen Vorder- und Hinterrädern.

"Gut dosierbares Anti-Depressivum" mit kurzen Schaltzeiten

Kraftpaket: Der neu entwickelte V8-Hochleistungsmotor "M TwinPower Turbo" leistet brachiale 555 PS.

In 4,7 Sekunden katapultiert der neu entwickelte 4,4-Liter-Doppelturbo das SUV-Coupé aus dem Stand auf Tempo 100. 200 km/h sind nach 16,9 Sekunden erreicht. Die Tachonadel bleibt bei abgeregelten 250 km/h stehen, auf Wunsch rennt der X6 M mit optionalem "M Driver's Package" (2450 Euro) 275 km/h schnell. Die M Sport-Automatik mit sechs Gängen schaltet – vor allem im Sport-Modus – schnell und kompromisslos. Sie kann über den Schalthebel oder die Lenkrad-Paddles auch manuell bedient werden. So entstehen noch kürzere Schaltzeiten. Carsten Pries, Leiter Produktmanagement BMW M Automobile und BMW Individual, charakterisiert den X6 M als "gut dosierbares Anti-Depressivum", da das Auto neben enormer Kraft und Sportlichkeit auch eine ordentliche Portion Alltagstauglichkeit mitbringe. Und in der Tat: Im D-Modus ("Drive") lässt sich abseits der Rennstrecke im niedrigen Drehzahlbereich mit einem durchschnittlichen Verbrauch von knapp elf Litern gemütlich durchs amerikanische Hinterland cruisen. Die Automatik schaltet früh hoch, dadurch entsteht der von BMW angegebene und für die Fahrzeugklasse relativ niedrige Gesamt-Durchschnittsverbrauch von 13,9 Litern auf 100 Kilometer.

Der Sound enttäuscht

Auch im edlen Innenraum gibt es wenig zu meckern: Im Fond finden zwei Erwachsene auf Einzelsitzen genügend Platz, der Kofferraum schluckt ordentliche 570 bis 1450 Liter. Viel Leder und wahlweise edles Holz oder Aluminium sorgen für einen noblen Touch. Auch technisch hat das Interieur des BMW X6 M einiges zu bieten: Elektrische Sitze mit Memory-Funktion, eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein HiFi-Audiosystem oder die Park Distance Control sind mit an Bord. Die Sitze bieten auch in engen Kurven genügend Seitenhalt. Kleines Manko: Die Heckscheibe ist ziemlich mickrig, sodass die Sicht durch den Rückspiegel eher bescheiden ausfällt. Und wenn wir schon nörgeln: Die zwei fetten Doppel-Endrohre versprechen optisch mehr, als sie akustisch bieten. Hier hätten die Ingenieure mehr rausholen können. Das Power-SUV klingt zu harmlos und macht – völlig unnötig – auf Understatement. Schade!

Die Preisliste beginnt bei rund 108.000 Euro

Sportwagen mit Hochsitz-Charakter: Nach anfänglicher Skepsis ist Redakteur Boris Pieritz von den Fahrleistungen des X6 M angetan.

Ob dieses Kraftpaket in die Zeit passt oder nicht, lässt die Verantwortlichen von BMW kalt. Man ist sich in München äußerst sicher, dass der X6 M seine Käufer finden wird. Da werden auch die rund 108.000 Euro, die das sportliche SUV bei seinem deutschen Marktstart am 24. Oktober 2009 kosten soll, nicht abschreckend wirken. Kay Segler, Vorsitzender der M GmbH, sieht den X6 M als Vorreiter in dieser Fahrzeugklasse und betont, es gäbe keine ernsten Konkurrenten. Dementsprechend optimistisch sei man, was die Verkaufszahlen angehe. Das ist jedoch Ansichtssache, denn Porsche Cayenne GTS oder der Infinti FX50 zielen, auch wenn sie ein paar PS weniger haben und einige Euro günstiger sind, mit Sicherheit auf die gleiche Käuferschaft ab. Sei's drum: Tatsache ist, dass in Märkten wie Asien, Russland oder Nordamerika solche bärenstarken SUV-Ungetüme nach wie vor reißenden Absatz finden. Und auch die finanzkräftige M-Gemeinde in Europa wird sich mit Sicherheit die Finger nach dem X6 M lecken, um Cayenne-Jünger und AMG-Fanatiker kräftig zu ärgern und ihre exklusive Sammler-Leidenschaft zu befriedigen.
Boris Pieritz

Fazit

Mit Vernunft hat dieses Auto nichts am Hut! Wer Geld sparen und die Umwelt schonen will, kann ja Fahrrad fahren. Wer jedoch sein – falls vorhanden – schlechtes Gewissen ausschaltet, eine dicke Geldbörse besitzt und SUV fahren mit extremer Sportlichkeit paaren will, wird am neuen BMW X6 M nicht vorbeikommen.

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