Fahrbericht Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport

Fahrbericht Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport

— 21.07.2009

Der Zeitraffer

Im Rekordtempo quer durch Italien – vom Mittelmeer zur Adria – am Steuer des stärksten, schnellsten und teuersten Open-Air-Sportwagens der Welt: Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport. Eine exklusive Ausfahrt mit über 1000 PS.

Wir durchschneiden den italienischen Stiefel mit Start in Ladispoli nördlich von Rom und Ziel in Pescara südlich von Ancona. 266 Kilometer Strecke, das Navi berechnet zwei Stunden, 30 Minuten. Das müsste doch locker zu unterbieten sein – mit 16 Zylindern und 1001 PS als absolut konkurrenzlose Kraft-mal-Weg-Zehrung. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der Morgenstau rund um Rom kostet 70 Minuten und Nerven für ein halbes Autoleben. Statt das Pendlervolk nach Strich und Faden zu verblasen, verfängt sich der Bugatti im Scharmützel der Ducatos, Cinquecentos und Taxis wie die Fliege im Spinnennetz. Nichts geht mehr: Während die Tifosi Baseballkappen und Fotohandys schwenken, klettert die Kühlwassertemperatur im Grand Sport Richtung roter Bereich.

Das abnehmbare Dach verteuert den Wagen von 1,31 auf 1,66 Millionen Euro

Teures Vergnügen: Für den offenen Veyron verlangt Bugatti 1,6 Millionen Euro.

Erst 40 Kilometer später spuckt uns die Ringautobahn endlich auf die A 24 in Richtung L'Aquila. Die ausgewaschene Rumpelpiste stammt wohl noch aus Kaiser Neros Zeiten, die Leitplanken sind löchrig wie Schweizer Käse, und das Licht in den engen Tunnels erinnert an Schwarze Messen. Um von qualmenden Lastern, träumenden Überlandbussen und unberechenbaren Vertreter-Fiats nicht übersehen zu werden, braucht unser Goldstück jetzt jedes verfügbare Xenon-Lämpchen, die besten Bremsen der Welt und einen heißen Draht zum Schutzengel-Expressdienst. Der Grand Sport läuft in Molsheim neben dem Coupé vom Band, von dem bis jetzt 251 Stück verkauft wurden. Für den auf 150 Einheiten limitierten Roadster liegen bereits 30 Bestellungen vor. Das abnehmbare Dach verteuert den Bugatti nicht unwesentlich von 1,31 auf 1,66 Millionen Euro. Dafür bekommt man eine rundum verstärkte Karosserie, Türen aus Kohlefaser, kräftigere Überrollbügel, verchromte Räder, ein aggressiveres Tagfahrlicht, eine Rückfahrkamera, Wasser abweisendes Leder und ein Puccini-Soundsystem, das null Chance hat gegen den gewaltigen O-Ton des unter freiem Himmel arbeitenden Sechzehnzylinders.

Der mächtige W16 im Bugatti-Heck hört sich an wie ein startender Jet

Unfassbarer Beschleuniger: der Achtliter-W16 mit 1001 PS und 1250 Nm Drehmoment.

Ebenfalls im Preis enthalten sind zwei Dächer. Das eine sieht aus wie ein aufgespannter Regenschirm und geht bei 160 km/h fliegen, das andere ist aus getöntem Sicherheitsglas und muss zusammen mit den Bodyguards im Begleitfahrzeug mitgeführt werden. Offen ist die Höchstgeschwindigkeit auf 360 km/h begrenzt, geschlossen darf der Grand Sport mit 407 km/h genauso schnell fahren wie das Coupé. Wir haben nicht einmal die 300-km/h-Schallmauer geknackt, denn der Roadster belebt schon bei 200 alle Sinne. Das liegt vor allem am W16, dessen kehliges Ansaugschlürfen sich bei Vollgas mit einem turbinenartig kreischenden Kreiselsog paart, den man bislang nur von startenden Jets kannte. Während der Fahrtwind die Ohren nach hinten bügelt, föhnen das Turboquartett und die Wastegate-Bläser die Nackenhaare steil nach oben. Ab 250 geht im Querstrom-Cockpit dann richtig die Post ab: Die Wangen verformen sich zu tiefen Gruben, die Schlitzaugen beginnen haltlos zu tränen, und die Stirn wird mit Insektenschrot zugeballert.

Trotz 102 Kilo Mehrgewicht beschleunigt auch der Roadster wie ein Wesen von einem anderen Stern: 0-100 km/h in 2,7 Sekunden, 0-200 km/h in 7,3 Sekunden, 0-300 km/h in 16,7 Sekunden. Bei 220 km/h fährt der Heckflügel in Positur, und die Klappen der Frontdiffusoren öffnen sich. Das erhöht den Abtrieb an der Hinterachse auf 350 Kilo. Wenn jetzt da vorn der silberne Marea ausschert, dann muss die Luftbremse mithelfen und den Luftwiderstand blitzschnell auf cw 0,68 nahezu verdoppeln. Kurz vor Pescara fängt es an zu stürmen, zu regnen, zu gewittern. Weil das Spinnendach aufmuckt, suchen wir Schutz an einer Tankstelle. Auf dem Weg dorthin fährt sich der Veyron wie ein Jetski, denn die Reifen mit nur vier Millimeter Profiltiefe haben ihre liebe Not mit Aquaplaning. Auf den engen Landstraßen der Coppa-Acerbo-Route rund um Pescara fühlt sich der Bugatti so wohl wie ein Hai im Goldfischglas, doch nach einem kurzen Abstecher ans Meer winkt schon wieder die Autostrada Richtung Rom – diesmal ohne Netz und doppelten Boden.

Nur blöd, dass auf zwei 50-km-Abschnitten per Section-Control-Radar die auf 130 km/h beschränkte Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt wird. Was tun? Neun Zehntel volle Kanne, dann ab in die nächste Area Servizio auf einen Caffè lungo. Das verhagelt zwar den Schnitt, aber die Zeit auf der einen oder anderen Sonderprüfung reicht trotzdem locker für das Guinness Buch der Rekorde.
Technische Daten* Bugatti Veyron Grand Sport
Motor W16, 4 Turbolader
Einbaulage hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 7993 cm³
kW (PS) bei 1/min 736 (1001)/6000
Literleistung 125 PS/Liter
Nm bei 1/min 1250/2200–5500
Antriebsart Allrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn (Keramik/Karbon) 400 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten (Keramik/Karbon) 380 mm/innenbel./gelocht
Reifen vorn 265-680 ZR 500A
Reifen hinten 365-710 ZR 540A
Reifentyp Michelin Pilot Sport PAX
Länge/Breite/Höhe 4462/1998/1204 mm
Radstand 2710 mm
Leergewicht/Zuladung 1990/250 kg
Leistungsgewicht 2,0 kg/PS
Tankvolumen 100 l
EU-Normverbrauch 24,9 l Super Plus/100 km
Beschleunigung
0–100 km/h 2,7 s
0–200 km/h 7,3 s
Vmax 407 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 1.666.000 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Georg Kacher

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